Das Thema Nachhaltigkeit bewegt das Mode-Mekka in der Oberpfalz

Von Christian Eckl · 1. Juni 2024 um 19:00

Wie in einer anderen Welt fühlen sich Besucher bei MAC. Das Modeunternehmen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Mode-Mekka verwandelt und im Walder Ortsteil Roßbach (Lkr. Cham) mit nachhaltiger und eindrücklicher Architektur eine Oase für die Mitarbeiter geschaffen.

Fünf Architektenpreise hat das Unternehmen für die Gebäude erhalten. Eine Symbiose aus Holz als nachhaltiges Baumaterial, große Wasser- und Grünflächen sowie Glas, das dieses Grün optisch in die Räume holt, prägt die Arbeitsatmosphäre für die 480 Mitarbeiter am Standort. Weltweit sind es weit über 3000 Beschäftigte.

Firmenchefin Eveline Schönleber steht mit Barbara Hirt und Simon Khasani zwischen Hosen der aktuellsten Männer- und Damenkollektion. Ein großes Thema ist das der Nachhaltigkeit in der Mode. „Wir beziehen unsere Stoffe nur von europäischen Herstellern“, sagt Schönleber. Produziert wird zudem überwiegend in der Europäischen Union oder in Nachbarländern. Khasani, der für die Herrenkollektion verantwortlich ist, zeigt ein Modell, das einen hohen Anteil an Brennnessel aufweist. Auch Hanf wird verarbeitet. „Baumwolle ist sehr wasserintensiv und wächst ausgerechnet dort, wo Wasser ohnehin knapp ist“, sagt die Firmenleiterin. „Wir wollen nachhaltige Mode – und dazu experimentieren wir auch mit Materialien.“

Blick in den Showroom im Landkreis Cham

Ein lichtdurchfluteter Showroom ist der Ort, an dem oft auch hart gerungen wird um aktuelle Schnitte, Materialien und auch die Frage, ob sich ein MAC-Produkt beim Kunden durchsetzt. Hier liegen zahllose Stücke der aktuellen Kollektionen aufgereiht am Boden, können angefasst und verglichen werden. Direkt daneben ist ein Nachhaltigkeitstisch aufgebaut. „Wir haben unsere Lieferanten eingebunden, die seither an der Entwicklung neuer Stoffe und der Verarbeitung nachhaltiger Materialien arbeiten“, sagt Schönleber. Und MAC ist eine Größe auf dem Modemarkt: Marktführer ist das Oberpfälzer Unternehmen im Bereich der Damenjeans. Bei den Herren ist man an dritter Stelle.

Zehn Millionen Meter Stoff werden jährlich verarbeitet. Ein immer größerer Anteil der jährlich acht Damen- und sechs Herrenkollektionen wird unter dem Umweltaspekt hergestellt. Auch Recycling spielt eine immer größerer Rolle. Dabei geraten auch die Details der Kleidungsstücke ins Visier. Wird eine Jeans recycelt, trennt man normalerweise den oberen Teil der Hose ab, denn hier sind Reißverschlüsse und Knöpfe vernäht. Simon Khasani hat ein- und ausdrehbare Knöpfe sowie eingesteckte Nieten entwickelt, die es ermöglichen, das zu recycelnde Stück davon zu trennen und den gesamten Stoff wiederzuverwerten.

Eigene Näherei am Firmensitz in Wald

Und auch am Unternehmensstandort ist zu spüren, welche Rolle Nachhaltigkeit als Wert hier hat. 29 Fahrzeuge der Flotte sind inzwischen hybrid oder vollelektrisch betrieben. 650.000 Kilowattstunden Strom produzieren die Photovoltaikanlagen jährlich. Und draußen in der Parkanlage summen die Bienen, sogar einen jungen Fuchs haben sie hier schon aufgezogen.

Um nachvollziehen zu können, wie die Produkte hergestellt werden, betreibt MAC vor Ort eine eigene Näherei – allerdings eine ganz besondere. Hier werden die Produktionsbedingungen nachvollzogen. Die Stücke werden also individuell gefertigt. So können noch Änderungen vorgenommen werden, Details werden ausgefeilt. 90 Prozent der Mitarbeiter am Standort sind Frauen. Manchmal muss die Chefin auch zu ungewöhnlichen Mitteln greifen. Um nach der Pandemie den Anteil an Homeoffice wieder zu senken, hat sie sich etwas findiges ausgedacht: Eine Köchin verwöhnt seither mit frischen Kuchen und Leckereien. „Hat geklappt“, lacht Eveline Schönleber. Und fügt an: „Ich bin seit 30 Jahren im Unternehmen – und jeden Tag freue ich mich, hierher zu fahren.“

Angebote für Mitarbeiter: Jede Woche Karate

Im Unternehmen zähle „nicht der angewärmte Stuhl“, die Arbeitszeitmodelle seien flexibel, Arbeiten im Freien sei ebenso möglich wie die Teilnahme an Sportprogrammen. Einmal in der Woche kommt ein Sensei mit dem 9. Dan – also ein Kampfsportler – in das Unternehmen. Die Übungen sollen den Mitarbeitern den Rücken stärken. Schönleber selbst hat keinen festen Schreibtisch mehr, sondern einen Rollcontainer. Auch das setze Kreativität frei, sagt die Unternehmerin.

Dass der Standort in Wald an der Grenze zwischen den Landkreisen Regensburg und Cham heute ein großes Unternehmen auch als wichtigen Arbeitgeber beherbergt, hatte etwas mit der Situation in Regensburg Anfang der 70er Jahre zu tun.

Damals fand Gründer Max Gansbühler keine Näherinnen, in Regensburg gab es zahlreiche Betriebe in der Branche: Triumph produzierte ebenso in der Domstadt wie einst die Firma Schildt-Modell-Kleidung, die im Regensburger Westen Anzüge für Herren herstellte. Heute sind die Textilproduzenten aus Regensburg längst verschwunden. MAC in Wald wächst weiter.

Simon Khasani ist bei MAC verantwortlich für die Herrenmode.
Barbara Hirt mit dem Ur-Modell einer Hose, die mit Brennnesseln hergestellt wurde.
In der Zentrale von MAC betreibt das Unternehmen eine eigene Näherei. Hier werden die Prototypen für die Modelle geschneidert.