„Unsexy, aber ein Schutz vor dem Ruin“: So verändert der Klimawandel die Versicherungsbranche

Der Bezirksverband der Versicherungskaufleute Oberpfalz-Kelheim hat einen neuen Vorsitzenden. Josef Gabler empfiehlt drei Dinge, die man unbedingt absichern sollte. Zum einen sorgen Änderungen in der Sozialgesetzgebung für eine immer größere Rentenlücke, zum anderen hat auch der Klimawandel in der Region Folgen.
Unsexy seien Versicherungen zwar, sagt Josef Gabler im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern. „Aber Versicherungen schützen vor dem Ruin.“ Gabler, der selbst in Hohenschambach (Lkr. Regensburg) eine Agentur betreibt, spricht seit Februar für mehr als 230 selbstständige Versicherungsvermittler in der Oberpfalz und Kelheim. Er schildert, welche drei Dinge für jeden elementar bei der Absicherung der Lebensrisiken sind – und wieso der Klimawandel auch die Versicherungsbranche vor Ort beschäftigt.
Oft existenzielle Not
Gabler sieht seine Kollegen und sich selbst als Vermittler zwischen den Versicherungsunternehmen wie Züricher, AXA oder Allianz auf der einen Seite und dem Kunden auf der anderen. Gegen das Bild des Verkäufers, der jegliches Produkt an den Mann bringen möchte, wehrt sich der aus Hohenschambach im Landkreis Regensburg stammende Versicherungsvermittler vehement. „Leider ist das ein Bild, das immer wieder in den Medien dargestellt wird, das aber nicht stimmt.“ Im Gegenteil, meint Gabler: Oft kommen Kunden, die einen Versicherungsfall melden, in einer existenziellen Not. „Wir haben ein großes Interesse daran, dass die Versicherungsunternehmen dann den Schaden begleichen – und ich habe es in den letzten Jahrzehnten meiner Tätigkeit auch sehr selten erlebt, dass es zum Streit kommt.“ 99 Prozent der Versicherungsfälle würden schnell und ohne Dissens auch erledigt.
Andererseits sagt auch Gabler, dass nicht jedes Produkt, das die Versicherungen gerne an den Mann bringen würden, tatsächlich auch notwendig sei. „Wer braucht schon eine Gepäckversicherung?“, so der Verbandssprecher.
Vielmehr gehe es in seiner Branche darum, die Risiken des Lebens abzusichern, „zumindest finanziell“. Denn vor Schicksalsschlägen bewahren natürlich auch Versicherungen nicht. Immer wieder gibt es Gesetzesänderungen, die von der Versicherungsbranche aufgefangen werden. Vor allem die Änderungen bei der Berufsunfähigkeit hat einen Bedarf an Absicherung in dem Bereich geschaffen, den Gabler für unbedingt notwendig erachtet. Einst gab es im Gesetz die Berufsunfähigkeit. 2001 wurde diese abgeschafft, sie gilt nur noch für Jahrgänge, die vor 1961 geboren wurden. Die damalige rot-grüne Regierung legte die Absicherung dieses Risikos damit in die Hände von privaten Versicherungsanbietern. Heute gehört die Berufsunfähigkeits-Versicherung zu jenem Dreiklang, von denen Gabler sagt, sie sollten in keinem Haushalt fehlen. Dazu gehören zudem die Unfall- und die Haftpflichtversicherung. „Diese drei Versicherungen sollte wirklich jeder haben“, sagt Gabler. Er nennt auch ein Beispiel für die Risiken, die das Leben so aufweist. „Ein Radfahrer, der einen Unfall mit einem Tanklaster verursacht, hätte die mehr als 300.000 Euro Schaden selbst bezahlen müssen.“
In Deutschland gilt im Zivilrecht das Verursacherprinzip. Doch dem Versicherten wurde geholfen. „Wenn so etwas passiert, ist man ohne gute Versicherung ruiniert“, sagt Gabler. Bei der Berufsunfähigkeits-Versicherung empfiehlt Gabler, schon in jungen Jahren an die Absicherung zu denken und nicht erst mit 50. Außerdem empfiehlt er, die eigene sogenannte Rentenlücke realistisch einzuschätzen. „Wer mit 2500 Euro netto im Monat gerade einmal seine Ausgaben deckt, der sollte sich damit beschäftigen, was passiert, wenn er nur noch 1400 Euro Rente abzüglich Kranken- und Pflegeversicherung bekommt.“ Auch hier würden gerade junge Menschen häufig das Risiko unterschätzen. Zudem läuft das Rentensystem auf noch massivere Probleme zu, als es ohnehin schon aufweist. Bei der Pflege ist das – die Berichterstattung der vergangenen Tage belegt dies – absolut nicht anders. Der Verbandsvertreter hält seinen Berufsstand auch deshalb für wichtig, weil dieser einen „sozialpolitischen Auftrag hat“.
Klimawandel kommt an
Etwas, das vor zehn Jahren in seiner Branche noch völlig anders gehandhabt wurden, sind die Risiken, die sich durch das veränderte Klima auftun. Gabler selbst betreibt seine Agentur zusammen mit seinem Sohn und seinem Bruder in Hohenschambach, einem Ort, an dem Überflutungen noch vor wenigen Jahren undenkbar waren. „Das hat sich angesichts der Starkregenereignisse massiv verändert“, sagt Gabler. Hagel, der die Kanäle verstopfte, führte zu derartigen Überflutungen, dass allein vier seiner Versicherten Schäden über 30000 Euro im Haus hatten. „Heute raten wir häufig dazu, diese Schäden abzusichern.“
