MAC: Die Jeans mit Hanf, Brennnessel und Oberpfälzer DNA

Von Isolde Stöcker-Gietl · 1. Dezember 2022 um 20:00

Der Schnitt ist lässig. Die Passform schmeichelt der Figur. Eine Jeans, die äußerlich den Kundengeschmack treffen soll, die aber vor allem mit ihren inneren Werten beeindruckt, versprechen die Designer von MAC Jeans in Wald/Roßbach (Landkreis Cham).

Die Denim besteht zu 20 Prozent aus Hanf. Und das ist erst der Anfang wie Stoffe neu gedacht werden. Bis 2030 will das Unternehmen Jeans ausschließlich aus recycelter Baumwolle oder regenerativen Fasern herstellen. Die Bambus- und Hanfanteile sollen auf mindestens 40 Prozent steigen. Auch mit Brennnessel und Pilzen wird experimentiert, ebenso mit Innovationen aus Abfallprodukten wie Apfeltrester und Tee. Für diesen Transformationsprozess ist der Oberpfälzer Hosenspezialist als einer von zehn Finalisten in der Kategorie Ressourcen für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2023 nominiert. Am 2. Dezember findet die Preisverleihung in Düsseldorf statt.

Aus alt wird wieder neu

Die Jeans: Jeder hat sie, jeder trägt sie. Doch die Produktion einer herkömmlichen Denim ist aus ökologischer Sicht ein Desaster. Rund 8000 Liter Wasser müssen aufgewendet werden, um eine einzige Hose herzustellen. Hinzu kommen Chemikalien, die für die Produktion des Rohstoffs Baumwolle, aber auch für die Veredelung der Stoffe eingesetzt werden. Mit zigtausenden Flugkilometern wird die meiste Ware aus Fernost zu den Konsumenten transportiert und wegen sich schnell ändernder Trends auch rasch wieder im Altkleider-Container entsorgt.

Dieser Entwicklung setzt MAC Jeans seit Jahren eine konsequente Nachhaltigkeitspolitik entgegen. Unter dem Leitgedanken „from blue to green“ werden Design und Prototypen in der Oberpfalz erarbeitet, die Stoffe unter immer höheren ökologischen Ansprüchen in Italien, der Türkei, Spanien und Portugal produziert, der Großteil der Hosen in der Türkei gefertigt. Auch „Made in der Oberpfalz“ gibt es noch. „Wir sind sehr stolz, dass ein geringer Anteil unserer Hosen nach wie vor an unserem Firmensitz produziert wird und somit das Label ‘Made in Germany‘ tragen kann“, sagt Eveline Schönleber, geschäftsführende Gesellschafterin, bei einem Rundgang in der Zentrale.

Etwa zehn Millionen Meter Stoff werden pro Jahr für MAC verarbeitet. Damit ist das Unternehmen Marktführer im Bereich Damen- und Herrenhosen in Europa. Jeweils sechs Kollektionen für Damen und Herren und je vier Kollektionen für die Damen-Linie „DayDream“ entstehen – das sind etwa 1000 Designs im Jahr, sagt Barbara Hirt, die das Produktmanagment Damen leitet.

Rund 420 Mitarbeiter von der Produktentwicklung bis zum Vertrieb sind am Firmensitz in Wald-Roßbach beschäftigt, darunter 18 Auszubildende. Dass sich das Unternehmen vor 50 Jahren im ländlichen Raum niederließ, hing damit zusammen, dass Firmengründer Max Gansbühler 1973 keine Näherinnen in Regensburg fand, erzählt Schönleber. Damals gab es noch mehrere Bekleidungshersteller in der Region. Gansbühler trat mit dem Anspruch an, eine perfekt sitzende Damenhose herzustellen. Der perfekte Sitz – unabhängig ob die Hose in Größe 36 oder 42 getragen wird – ist bis heute die wichtigste Anforderungen der Kunden an eine gute Jeans. „Die Hose muss schön, attraktiv und sexy sein“, sagt Schönleber. Und sie sagt auch, dass der Nachhaltigkeitsgedanke beim Kauf bislang keine große Rolle spielt. „Das ist nachrangig für die Kunden.“ Für MAC ist die Entwicklung aber längst unumkehrbar. 2012 kam die erste Kollektion aus Recycling-Baumwolle in den Handel und verkaufte sich 250000 Mal. Heute haben von den sechs Millionen Hosen, die der Hersteller pro Jahr absetzt, 95 Prozent mindestens zwei Nachhaltigkeitsaspekte in Produkt und Produktion. Inzwischen ist auch die Idee einer kompostierbaren Jeans weit fortgeschritten. Ein Experiment mit einer Hose aus dem Material Cashmere Denim, einer zu 100 Prozent biologisch abbaubaren Wolle, fand auf dem Firmengelände statt und wurde genau dokumentiert. Der große Vorteil von Wolle ist, dass sie sich schon innerhalb von drei bis sechs Monaten vollständig zersetzen kann, erläutert Simon Khasani, Creative Director im Bereich Menswear, die Ergebnisse.

Im Jubiläumsjahr 2023 startet das Unternehmen auch mit einer Second Life-Strategie für gebrauchte Jeans. Die ersten Hosen, die aus getragenem, zu Garn verarbeitetem Jeansstoff hergestellt werden, kommen dann in den Handel. Ebenso wird an Konzepten gearbeitet, wie getragene Jeans über den Handel zurückgeholt und neu in den Kreislauf eingespeist werden können. MAC treibt mit seinen Konzepten auch die Produzenten an, sich noch viel mehr mit ressourcenschonenden Verfahren auseinanderzusetzen, berichtet Nina Basenti Lambertz, die den Designbereich Denim leitet.

„Nachhaltigkeit in der DNA“

So werden für optische Raffinessen die notwendigen chemischen Prozesse und die Arbeit mit Sandpapier etwa durch Lasertechniken ersetzt. Die Designer seien viel unterwegs, um sich Input zu holen und mit Materialien zu experimentieren. Auch die Brennessel-Jeans soll, ähnlich wie die Hanf-Jeans, dafür sorgen, dass bis 2030 die sogenannte „Zero Virgin Cotton“-Strategie, also der Verzicht auf Baumwolle, die die Ressourcen stark beansprucht, weit fortgeschritten ist.

Nachhaltigkeit sei für das Unternehmen keine Marketing-Botschaft, sondern schon immer Bestandteil der Unternehmens-DNA, sagt Schönleber. Die Firmenzentrale im Oberpfälzer Wald wurde nach ökologischen Aspekten aus heimischen Hölzern und Glas errichtet. Auf dem Gelände gibt es einen Öko-Lehrpfad und 20 Bienenvölker. Gerade wurde eine Photovoltaikanlage errichtet, die Klimaneutralität am Firmensitz herstellt. Auch in Sachen Finanzen setzt das Unternehmen auf nachhaltiges Wirtschaften. Investitionen werden konsequent aus der eigenen Liquidität heraus getätigt.

Die Mitarbeiter hoffen, dass die vielfältigen Anstrengungen im Transformationsprozess mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis belohnt werden. Und was kommt danach? „Wir setzen unseren Weg konsequent fort. Die nächste Stufe ist der Europäische Nachhaltigkeitspreis“, gibt Schönleber die Stoßrichtung vor.

Die ambitionierten ökologischen Ziele dürfen aber nicht im Widerspruch zu den Wünschen der Kunden stehen. Das Produkt muss begehrenswert bleiben. Wenn der Hanf den Stoff kratzig macht, wird er nicht zur MAC-Jeans.

Die Trends bei MAC:

Mitarbeiter:MAC hat nach der Pandemie in Benefits für seine Mitarbeiter investiert. Kostenlose Ladestationen für E-Autos, eine Kaffeebar, zwei Köche für den Mittagstisch und Dr. Sensei Montazeri, Träger des 8. DAN Grades im Karate, der eine wöchentliche Bewegungseinheit anbietet.

Kunden:Für Kunden sind Optik und Passform beim Kauf entscheidend. In Mode kommen Bootcut, Baggy- und Schlag-Hosen, Cord erlebt eine Renaissance. Auch die Bundfalte ist wieder da – und viel Bling-Bling. Und es wird bunt mit Beerentönen, Lila und Orange.