Continental trennt sich von Zulieferer-Geschäft: Das wird aus dem Regensburger Standort

Von Lorenz Nix · 21. Dezember 2024 um 12:00

Über drei Jahre ist es her, dass aus der früheren Antriebssparte von Continental das börsennotierte Unternehmen Vitesco wurde. Nun plant der Konzern aus Hannover die nächste Abspaltung. Und wieder wird wohl Regensburg erheblich betroffen sein – auch wenn aktuell noch vieles unklar bleibt.

Am Ende lesen des Textes lesen Sie einen Kommentar von Wirtschaftsredakteur Lorenz Nix: „Chance nutzen“

Fest steht: Continental will aus seinem Autozulieferergeschäft ein eigenständiges Unternehmen machen. Regensburg ist ein großer Standort der schwächelnden Automotive-Sparte, die vom Reifengeschäft getrennt werden soll. Geschehen soll das im Rahmen eines sogenannten reinen Spin-offs. Das bedeutet: Wer eine Conti-Aktie besitzt, bekommt dann auch Anteile am neuen Unternehmen, sobald es an der Börse gelistet wird.

Vitesco oder Osram: Spin-offs gibt es auch in der Region immer wieder

Der Hannoveraner Konzern hat damit Erfahrung: Bei seiner früheren Antriebssparte, die dann als Vitesco ihren Hauptsitz in Regensburg hatte, war es das gleiche Verfahren. Ein weiteres Beispiel für ein großes Spin-off, bei dem ein Unternehmen mit Standort in der Bezirkshauptstadt betroffen war, ist die Abspaltung des Halbleiter- und Leuchtmittelherstellers Osram vom Siemens-Konzern im Jahr 2013.

Stellt sich die Frage: Was hat Continental von der Automotive-Abspaltung? Ziel der Aufteilung in zwei unabhängige Unternehmen sei, „das Wert- und Wachstumspotenzial voll auszuschöpfen“, teilt Unternehmenssprecher Sebastian Fillenberg mit. Davon würden dann auch die Beschäftigten profitieren.

Tatsächlich hat die Autozulieferer-Sparte der Niedersachsen in den vergangenen Jahren immer wieder rote Zahlen geschrieben – auch schon bevor die gesamte Branche schwächelte. Aktuell laufen bei dem Konzern gleich mehrere Sparprogramme, die die Kosten drücken sollen. In der Verwaltung hat Continental den Abbau von 5400 Jobs angekündigt, in Forschung und Entwicklung sollten 7150 Arbeitsplätze wegfallen. Für Regensburg sprach das Unternehmen im Februar von 350 Stellen, die eingespart werden sollten. Diese „Maßnahmen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmensbereichs Automotive“ habe man an dem Oberpfälzer Standort „mit sozialverträglichen Mitteln“ umgesetzt, sagt nun Sprecher Fillenberg. Bestätigt wird das vom Regensburger IG-Metall-Chef Rico Irmischer: 350 Aufhebungs- und Altersteilzeitverträge seien geschlossen worden. Bis dato habe der Zulieferer es geschafft, jeden Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen durchzustehen. Ob das zukünftig so bleibt, steht allerdings in den Sternen.

Conti: Kein Stellenabbau durch Abspaltung in Regensburg

Aktuell beschäftigt Continental in Regensburg laut eigenen Angaben 4100 Personen. „Grundsätzlich erwarten wir durch den Spin-off keine Auswirkung auf die Beschäftigung am Standort“, sagt Fillenberg. Für die IG Metall reicht das aber nicht: „Conti sollte sich für einen Beschäftigungsaufbau in Regensburg entscheiden“, sagt Irmischer. Bislang habe es der Konzern noch nicht geschafft, die Belegschaft für die Abspaltung zu „begeistern“. Die Verantwortlichen müssten nun positive Signale senden, um die Mitarbeitenden davon zu überzeugen, dass das Spin-off eine Erfolgsgeschichte werden kann. Irmischer ist überzeugt: „Die Abspaltung kann ein Befreiungsschlag für die Automotive-Sparte von Continental sein.“ Dafür brauche es aber ein klares Konzept, entsprechende finanzielle Ausstattung und eine motivierte Belegschaft.

Indes hat sich die im Sommer leise aufkeimende Hoffnung – damals wurde der Spin-off erstmals angekündigt −, dass Regensburg nach Vitesco erneut Sitz einer Conti-Abspaltung wird, mittlerweile zerschlagen. Was in manchen Medienberichten bereits vor einigen Wochen zu lesen war, ist inzwischen Gewissheit: Das neue Unternehmen werde seinen Hauptsitz im Rhein-Main-Gebiet haben, teilt Sprecher Fillenberg mit.

IG Metall: Regensburg als „Schlüsselstandort“ – Bleibt das so?

Noch steht allerdings die Zustimmung des Aufsichtsrates aus – die entsprechende Sitzung ist für März vorgesehen. Ende April muss zudem die Hauptversammlung ihr Okay geben. Bis Ende 2025 soll der Spin-off dann umgesetzt werden. Die jetzige Rolle des Standorts Regensburg wird laut Continental dann einfach in den neugegründeten Zulieferer übernommen: Regensburg nehme „als Entwicklungs-, Produktions- und Verwaltungsstandort eine wichtige Rolle im Unternehmensbereich Automotive“ ein, erklärt Fillinger. „Der geplante Spin-off wird darauf keine Auswirkung haben.“ Und auch Irmischer sagt: Regensburg sei schon heute „ein Schlüsselstandort“ für Continental. Es bestehe die berechtigte Hoffnung, dass sich daran auch im neuen Unternehmen nichts ändern werde.

Kommentar von Wirtschaftsredakteur Lorenz Nix: Chance nutzen

Mit der geplanten Abspaltung geht Continental einen für sich nicht neuen Weg. Man denke nur an Vitesco: eine Erfolgsgeschichte – zumindest bis Schaeffler nach der Fusion im Herbst einen massiven Stellenabbau angekündigt hat. Es gibt allerdings keine Garantie dafür, dass auch das neueste Projekt von Continental gelingen wird. Für die Automotive-Sparte gibt es aber immerhin die Chance, mit überarbeiteten Strukturen wieder echte Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen. Dafür braucht es aber eine klare Strategie. Noch ist zu undurchsichtig, wofür das neue Unternehmen stehen soll.