Für Regensburgs Traditionswirtshäuser war 2024 ein Jahr des Wandels

Von Rainer Wendl · 1. Januar 2025 um 10:00

Die traditionellen Regensburger Wirtshäuser sind nach wie vor ein guter Seismograph für die Gefühlslage der Stadt. 2024 gab es gleich in mehreren von ihnen einschneidende Veränderungen.

Die mit Abstand größte Betroffenheit löste Anfang März die Nachricht aus, dass Hofbräuhaus-Wirt Hans Schafbauer im Alter von 85 Jahren gestorben ist. Der Neffe von Johann Kneitinger hatte 1988 zusammen mit seiner Frau Gerti das via-à-vis vom Alten Rathaus liegende Wirtshaus gekauft und es seither zum zweiten Wohnzimmer für Generationen von Stammgästen gemacht.

Einer von ihnen ist Herrenausstatter Armin Gebhard, Vorsitzender des Vereins Regensburger Kaufleute. „Er war die Seele der Stadt“, lautete seine treffende Würdigung Schafbauers, auch die Oberbürgermeisterin und weitere Prominente aus Stadt und Landkreis bekundeten ihre Trauer über den Tod des Vollblut-Gastronomen.

Besonders schöne Worte fand HB-Fan Fürst Albert von Thurn und Taxis: „Es war eine Freude zu sehen, wie er jeden Gast mit Händedruck begrüßte, die meisten Leute kannte er beim Namen. Seine leuchtenden Augen, sein verschmitztes Lächeln und sein elegantes Bairisch gehörten zu Regensburg wie die Steinerne Brücke und der Dom, mit ihm geht eine Ära zu Ende.“

Geglückter Neustart in der „Antn

Die Ende 2023 zu Ende gegangene Geschichte der Kultkneipe Oma Plüsch lässt sich ebenfalls als Ära bezeichnen. Seit 1971 war dieser Name ein gastronomischer Begriff in Regensburg , die letzten acht Jahre in der Goldenen Ente am Eisernen Steg.

Mit dem Eintritt von Wirt Thomas Rötzer ins Rentnerleben war der Fortbestand der „Antn“, einem der ältesten Wirtshäuser der Stadt, lange in der Schwebe – bis sich mit in Person von Christl Ainöder ein Mitglied von Rötzers Team für die Übernahme des Betriebs entschied.

Nach knapp einem Jahr mit einem langen Biergarten-Sommer lässt sich festhalten: Dieser Sprung in die Selbstständigkeit ist geglückt, die „Antn“ putzmunter. Dezente Renovierungsarbeiten haben der Traditionsgaststätte überaus gut getan, auch außerhalb der Biergarten-Saison ist sie ein beliebter Treffpunkt geblieben. Nicht zuletzt wegen der beibehaltenen Fußballübertragungen, die vor allem an Champions-League-Abenden die Massen an den Eisernen Steg locken.

Stammgäste werden Chefs in der Kreuzschänke

Eine weitere geglückte Übernahme hat zum Jahreswechsel in der Kreuzschänke stattgefunden. Nachdem Walter Buric nach fast zwei Jahrzehnten das Kleinod in der Kreuzgasse in Richtung seiner fränkischen Heimat verlassen hatte, sprangen Katja und Gregor Koch ein.

„Wir waren schon immer Nachbarn, Gäste und Fans der Kreuzschänke“, erzählten sie der MZ zu ihrer „Amtsübernahme“. Ihr Vorsatz damals: Nichts an den grundlegenden Vorzügen des beliebten Lokals ändern, also beispielsweise weiterhin den Ruf als Regensburgs Schnitzel-Hochburg Nummer eins verteidigen oder den Biergarten als das Schmuckstück erhalten, das er immer war.

Veränderungen gab es trotzdem: So wurde die zum Biergarten gehörende Pergola auch nach dem Ende der Freiluft-Saison genutzt und im Advent als gemütliche Außen-Lounge gestaltet, in der sich Glühwein und Co. genießen ließen.

Eine Auszeit für den Kneitinger Keller

Noch ungeklärt ist die Nachfolge-Regelung hingegen in einem anderen klassischen Regensburger Wirtshaus: Der Kneitinger Keller hat am 18. August seine Tore für unbestimmte Zeit geschlossen. An diesem Tag hat sich der mit reichlich Ausdauer gesegnete Wirt Frank Gebhard – er führte das gemessen am Bierabsatz zweitwichtigste Kneitinger-Lokal über 23 Jahre – in den Ruhestand verabschiedet.

„Der Kneitinger Keller muss konzeptionell und baulich in die neue Zeit geführt werden, sonst hat er keine Zukunft“, lauteten seine mahnenden Worte zum Ausstand, die bei Kneitinger längst angekommen sind: Der Keller wird umfassend saniert und bleibt daher 2025 komplett geschlossen. Zur Biergarten-Saison 2026 soll das große Comeback mit neuem Wirt gefeiert werden, der dem Vernehmen nach im Januar 2025 vorgestellt wird.

Kneitinger-Chef wechselt zu Bischofshof

Auch wenn davon kein Wirtshaus betroffen war, hat diese Rochade doch für Aufsehen in der Branche gesorgt: Im Sommer wurde bekannt, dass Kneitinger-Geschäftsführer Martin Sperger nach 14 Jahren das Unternehmen mit dem Bock verlässt. Seit 1. September wirkt er als Leiter Gastonomie bei der Brauerei Bischofshof. Dort war Braumeister Leonhard Resch lange Zeit der Technische Leiter. Nach einer Zwischenstation ging er 2024 den umgekehrten Weg wie Sperger und wechselte als Geschäftsführer zu Kneitinger.

Hofbräuhaus-Wirt Hans Schafbauer starb im März
Christl Ainöder übernahm die Goldene Ente.
Hörten im Kneitinger Keller auf: Frank und Veronika Gebhard