Sanierung vom Kneitinger Keller verzögert sich: Wie geht’s mit Regensburger Biergarten weiter?

Von Rainer Wendl · 1. Oktober 2024 um 17:00

Während die Fans von Kneitinger der Bock-Saison entgegen fiebern, ist die Zukunft des Kneitinger Kellers in Regensburg weiter offen. Jetzt gibt der Geschäftsführer ein Update.

Kenner sprechen von „Regensburgs fünfter Jahreszeit“, wenn am ersten Donnerstag im Oktober die Bock-Saison von Kneitinger eingeläutet wird. Heuer fällt dieser inoffizielle Feiertag sogar auf einen offiziellen, was den obligatorischen Ansturm auf das Mutterhaus am Arnulfsplatz noch ein bisschen heftiger ausfallen lassen dürfte als sonst.

Die größere Abweichung vom gewohnten Ablauf aber ist folgende: Am zweiten Tag der Saison stand stets der Anstich im Kneitinger Keller auf dem Programm. Dieser Termin fällt heuer (und auch im kommenden Jahr) flach, weil die Traditionsgaststätte am Galgenberg vor einer umfassenden Sanierung steht. Deren Start lässt allerdings auf sich warten.

Auch am 1. Oktober keine Bautätigkeiten

Frank Gebhard hatte diese Verzögerung kommen sehen. Er war über 20 Jahre Wirt im Kneitinger Keller, ehe er am Abend des 18. August zum letzten Mal zusperrte und sich in den Ruhestand verabschiedete. Über die Zukunft seines Lokals wusste er genauso wenig wie die zahlreichen Stammgäste, die schon vor der Schließung den längerfristigen Verlust ihrer gastronomischen Heimat betrauerten.

„Dass wie geplant am 1. September die Bagger anrollen werden, kann ich mir nicht vorstellen“, lautete Gebhards Prognose. Sie hat sich mehr als bewahrheitet, denn auch am 1. Oktober war nichts von Bautätigkeiten im verwaisten Biergarten zu erspähen.

Pächter-Suche vor Abschluss

„Nach außen hin sichtbar ist tatsächlich noch nichts passiert – außer dass wir die Bestuhlung aufgeräumt haben“, bestätigt der neue Kneitinger-Geschäftsführer Leonhard Resch. Gleichzeitig versichert er, dass die Zukunft des Kneitinger Kellers nach wie vor ein Thema von höchster Priorität sei. Der erste und mit der wichtigste Schritt bestehe darin, mit einem neuen Pächter handelseinig zu werden.

Bei dieser Suche musste Kneitinger bekanntlich wieder bei Null beginnen, nachdem die bereits als neue Betreiberin vorgestellte Straubinger Gastronomen-Familie Wenisch überraschend abgesprungen war. Doch jetzt ist Land in Sicht, wie Resch berichtet: „Wir sind in sehr guten Gesprächen mit einem Pächter. Wir müssen noch einige Dinge final klären, aber ich rechne damit, dass wir in spätestens zwei Monaten Vollzug melden können.“

Wird der Saal doch nicht abgerissen?

Parallel dazu laufen die Planungen für den Umbau inklusive Abstimmungsgesprächen mit der Stadt weiter. Auch hier zeichnet sich eine Änderung ab. Mit den Worten „Wir wollen möglichst viel Substanz und Identität erhalten“ deutet Resch die Möglichkeit an, dass der Saal der Gaststätte doch nicht wie ursprünglich vorgesehen abgerissen wird. Abzubrechen und neu zu errichten wäre dann nur noch der Verbindungsbau zwischen Gaststätte und Saal.

Eine solche Lösung bezeichnet der Geschäftsführer als nachhaltiger. Ob sie auch kostengünstiger und schneller zu realisieren wäre, lässt sich vorab schwer einschätzen. Doch ganz generell gibt Resch die Devise aus: „Wir arbeiten daran, möglichst viel von der Zeit wieder reinzuholen, die wir verloren haben.“

Die Stammgäste vom Galgenberg hören diese Botschaft sicher gerne. Karl Prommersberger ist einer von ihnen und hat der MZ bereits vor der Schließung seine große Sorge vor einem „Dauerstillstand“ mitgeteilt. Vor allem für etliche Senioren aus der Umgebung sei der Kneitinger Keller eine „Zweitwohnung mit Verpflegungsstützpunkt“, die nun auf unabsehbare Zeit wegfallen werde.

„Schließ-Zeit kurz halten“

Neben der Treue seines Personals bezeichnete Gebhard diese Zuneigung der Stammgäste stets als die wichtigste Triebfeder für die Arbeit in dieser Gaststätte. Und auch Resch meint: „Das ist doch super. Von welchem Wirtshaus kann man das sonst schon sagen, dass es den Leuten so abgeht?“ Er empfindet dies als Ansporn, dem Kneitinger Keller so schnell wie möglich zum Comeback zu verhelfen. „Es geht darum, die Schließ-Zeit kurz zu halten.“

Mit dem ursprünglich angepeilten Wiedereröffnungstermin März 2026 dürfte es zwar schwierig werden, doch ein Gutteil der Biergarten-Saison 2026 soll auf jeden Fall abgedeckt werden: „Das wollen wir alle, vor allem natürlich der künftige Pächter“, so der Kneitinger-Geschäftsführer.

So läuft die Bock-Saison 2024 ab

Auftakt: Das erste Fass Kneitinger-Bock zapft Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer am Donnerstag um 10 Uhr im Hof der Brauerei in der Kreuzgasse an. Davor gibt es den traditionellen Festzug durch die Altstadt mit dem Ziegengespann, danach wird im Mutterhaus am Arnulfsplatz gefeiert. Bis 17 Uhr spielt dazu die Blaskapelle Viehhausen, für die Musik am Abend sorgen die Blechzipfl und Die 6 lustigen 5.

Termine: Bis 8. November folgen die Bock-Anstiche in den neun weiteren Brauereigaststätten. Im Einzelnen sind dies der Auer Bräu (4. Oktober), der Goldene Ochs (8. Oktober), der Alte Schlachthof, der Goldene Hirsch, der Ramspauer Hof (alle 11. Oktober), der Gasthof zur Post in Köfering, (12. Oktober), die Hubertushöhe (21. Oktober), Unter den Linden (26. Oktober) sowie das Alte Schloss in Niedertraubling (8. November).

Spenden: Bei allen Bockanstichen der Brauerei Kneitinger wird auch in diesem Jahr für einen guten Zweck gesammelt. Spendenmittelpunkt ist das Projekt „Theo“, das Zentrum für tiergestützte Therapien in Ostbayern e.V.. Das „Theo“-Team hat Großes vor, mit einer Investition in Höhe von 4,4 Millionen Euro soll im Gemeindegebiet Zeitlarn ein Reit- und Therapiezentrum errichtet werden. Der Baubeginn ist noch heuer geplant.