Wirt vom Kneitinger Keller in Regensburg hört auf: Abschied (fast) ohne Wehmut

Mitten in der schönsten Biergartenzeit schließt einer der schönsten Biergärten Regensburgs. Am 18. August gegen 22 Uhr ist Zapfenstreich im Kneitinger Keller, danach bleibt die Traditionsgaststätte am Galgenberg bis 2026 zu.
Für viele Stammgäste und Biergarten-Liebhaber ist das alles andere als schön, für Wirt Frank Gebhard schon. Er geht nach 51 Jahren Arbeit in der Gastronomie in Rente und sagt: „Das passt so, ich freue mich auf die Zeit danach.“
Die Zeit davor ist ziemlich lang geworden, seit dem 14. Februar 2001 hat Gebhard den Kneitinger Keller geführt. „Damit bin ich in der Reihe der Wirte der letzten 150 Jahre ziemlich weit vorn dabei. Mein Vor-Vorgänger Konrad Silberhorn, der mir am Anfang immer als Maß aller Dinge genannt worden ist, hat es nur auf 17 Jahre gebracht“, sagt er nicht ohne Stolz.
Saarländischer Kaffee-Exot
Es war damals auch alles andere als selbstverständlich, dass Gebhard eine Ära am Galgenberg prägen wird. Zwischen ihm und Silberhorn gab es nämlich einen weiteren Wirt, der ihm ein schwieriges Erbe hinterlassen hat. „Der war zwar nur neun Monate da, hat den Laden aber ziemlich versenkt. Es war nicht einfach, alles wieder in die Spur zu bekommen.“
Zumal Gebhard weder optisch noch sprachlich – er ist gebürtiger Saarländer – dem Klischee eines gestandenen bayerischen Wirts entsprach. „Und dann hat man sich auch noch darüber echauffiert, dass ich eine Kaffeemaschine mitgebracht habe, die Espresso und Cappuccino machen kann. ,Sowas gehört in kein Wirtshaus!‘ hab ich mir da anhören dürfen“, erinnert er sich.
Heute kann der der gelernte Koch und Konditor über solche Episoden lachen und sie als Beleg dafür nehmen, dass sich die Gastronomie in den letzten 20 Jahren gewaltig verändert hat. Das immer schwerer zu bekommende Personal ist ein weiteres Beispiel. „Wenn ich früher einen Koch gesucht habe, lagen eine Woche später zehn vernünftige Bewerbungen auf meinem Schreibtisch. Heute stehe ich alleine in der Küche.“
Stammgast-Kultur stirbt aus
Ebenso krass empfindet er den Wandel bei der Kundschaft. Den klassischen Stammgast mit regelmäßigen Stammtisch-Zeiten hält Gebhard für eine aussterbende Spezies. „Da kommt auch nichts nach“, meint er, obwohl es in den letzten 20 Jahren eine umfangreiche Neubau-Tätigkeit am Galgenberg gegeben hat und das Reservoir eigentlich größer als früher sein müsste.
Der Blick nach vorn fällt für „sein“ Wirtshaus daher einigermaßen skeptisch aus: „Der Kneitinger Keller muss konzeptionell und baulich in die neue Zeit geführt werden, sonst hat er keine Zukunft.“
Dass es kein „Weiter so“ geben darf, hat man auch bei der Brauerei Kneitinger längst erkannt. Mit der Straubinger Gastronomen-Familie Wenisch glaubte man den richtigen Partner für den Keller gefunden zu haben, zusammen wurden umfangreiche Umbaupläne ausgearbeitet – doch seit der Deal überraschend geplatzt ist, steht wieder alles in den Sternen. „Ich weiß auch nichts“, sagt Gebhard. „Nur so viel: Dass hier wie geplant am 1. September die Bagger anrollen werden, kann ich mir nicht vorstellen.“
Der scheidende Wirt wird die weiteren Geschicke seiner langjährigen Wirkungsstätte gespannt und wohlwollend verfolgen. Ansonsten stellt er sich seine Zeit als Rentner so vor: „Mit dem Fahrrad Regensburg erkunden, hier einen Espresso trinken, da was essen, endlich auf Familienfeste gehen können – das war mir ja alles nicht möglich. Denn wo war ich in den letzten 23 Jahren, wenn das Wetter schön war? Eben!“
„Bald keine Zuflucht mehr“
Wird er also gar nichts vom Kneitinger Keller vermissen? Bei dieser Frage hat Gebhard ein entschiedenes „Doch“ parat: „Im Lauf der Zeit haben sich viele nette Bekanntschaften ergeben. Das war trotz 16-Stunden-Tagen und monatelangem Durcharbeiten immer schön, und das wird mir auch fehlen.“
Wie auf Kommando kommt im nächsten Moment ein Stammgast zu ihm und tut seinen Kummer über die bevorstehende Schließung kund: „Jetzt habe ich dann bald keine Zuflucht mehr. Die Zeit mit dir war die schönste!“ Ein größeres Kompliment kann man einem Wirt nicht machen.
