Straubinger Familie Wenisch springt ab: Kneitinger Keller in Regensburg braucht neuen Wirt

Beim für März 2026 geplanten Neustart im Kneitinger Keller muss umgeplant werden. Die im Vorjahr als künftiger Betreiber vorgestellte Unternehmerfamilie Wenisch aus Straubing ist abgesprungen.
Bei Kneitinger hat man daher begonnen, sich anderweitig umzuschauen. „Wir sind an einer Lösung dran und bereits in Gesprächen mit Wirten. Das sind gute Bewerber“, sagt Geschäftsführer Martin Sperger und kommentiert die veränderte Situation betont unaufgeregt: „So ist es nun einmal im Geschäftsleben – ab und zu ergeben sich andere Perspektiven.“
Die Perspektive mit den Wenischs hatte vielversprechend ausgesehen. Der Familienbetrieb, der sich in der Gäuboden-Metropole von einer Metzgerei zum gastronomischen Tausendsassa mit Restaurant, Hotel und Volksfest-Zelt entwickelt hat und in Regensburg bereits mit der „Genussbude Momentmahl“ im Gewerbepark vertreten ist, schien ein potenter Partner für die neue Ära im Kneitinger Keller zu sein.
„Die machen einen super Job in Straubing. Doch jetzt haben sie sich gegen einen großen Standort in Regensburg entschieden“, bedauert Sperger.
Betrieb noch bis Ende August
Auf die übrigen Pläne für den Kneitinger Keller hat die Wenisch-Absage indes keinen Einfluss. Wenn Ende August der Vertrag des langjährigen Pächters Frank Gebhard ausläuft, werden Wirtshaus und Biergarten für längere Zeit geschlossen.
Der Rest von 2024 sowie das gesamte kommende Jahr sind für umfangreiche Sanierungsarbeiten und einen teilweisen Neubau reserviert. Das am Galgenberg gelegene Haupthaus mit seiner charakteristischen Wirtsstube wird renoviert, die westlich daran anschließenden Anbauten wie Saal, Lager und Garagen werden abgerissen und mit zeitgemäßen Gebäuden ersetzt.
„Es geht darum, das Objekt fit für die Zukunft zu machen“, formuliert Sperger die Zielsetzung dieser Großmaßnahme. Während er zum Investitionsvolumen keine Angaben macht, benennt er den Termin für die Fertigstellung ganz konkret: „Im März 2026 wollen wir den Kneitinger Keller wieder eröffnen.“
Auf ein Detail dürfen sich die Gäste schon vor dem Start der Arbeiten freuen: Der lästige, bislang mitten durch den herrlichen Biergarten führende Autoverkehr wird nach dem Umbau der Vergangenheit angehören. Künftig werden die per Pkw kommenden Gäste hinter den Gebäuden zu den Stellplätzen geleitet, deren Anzahl reduziert wird. „Dafür werden wir deutlich mehr Radl-Parkplätze anbieten können, das war auch ein ausdrücklicher Wunsch der Stadt“, so der Kneitinger-Geschäftsführer.
Eineinhalbjährige Durststrecke schwierig für Gäste und Brauerei
Doch jetzt blickt er erst einmal einer eineinhalbjährigen Durststrecke entgegen. „Das ist schwierig für die Gäste, das ist aber vor allem auch schwierig für die Brauerei. Für die ist der Kneitinger Keller die älteste Gaststätte und ein guter Absatzträger.“ Diese wichtige Rolle erwächst aus einer seltenen Kombination. Der Traditionsbetrieb am Galgenberg glänzt nicht nur im Sommer als einer der schönsten Biergärten Regensburgs, sondern funktioniert ganzjährig als Stadtteil-Wirtshaus.
Seit der Eröffnung des neuen Fußballstadions vor neun Jahren ist sogar noch eine dritte Komponente hinzugekommen: Weil es zwischen Hauptbahnhof und Arena kein anderes Wirtshaus gibt, ist der Kneitinger Keller vor und nach den Spielen ein beliebter Fan-Treffpunkt. Nicht wenige Jahn-Anhänger hoffen deshalb darauf, dass auch während der Umbauphase zumindest ein Teil des Biergartens nutzbar bleiben kann.
Junges Publikum im Visier
Ob dies möglich ist oder ob die Fußballfreunde bis zur Wiedereröffnung warten müssen, wird sich zeigen. Wenn es so weit ist, will Sperger jedenfalls eine weitere Zielgruppe besonders ins Visier nehmen: die Studierenden des nahen Campus von OTH und Uni. „Wir müssen wieder da hinkommen, dass im Kneitinger Keller verbrachte Zeit als eine Art Konkurrenzveranstaltung für Vorlesungen gilt“, beschreibt er seine Idealvorstellung.
Auf eine verstärkte Beachtung der Jugend hätte er auch bei den Partnern aus Straubing vertraut. „Die Objekte der Familie Wenisch sind so ausgerichtet, dass sie auch das junge und modernere Publikum ansprechen, ohne dabei aber das ältere, traditionsgebundene Publikum fernzuhalten“, sagte Sperger bei der Vertragsunterzeichnung im April 2023. Weil diese nun hinfällig ist, gilt es einen neuen Wirt mit ähnlichem Konzept zu finden.
