Regensburger Wirte-Legende Hans Schafbauer ist tot: „Er war die Seele der Stadt“

Von Rainer Wendl · 8. März 2024 um 19:00

Trauer an den Stammtischen und weit darüber hinaus: Hofbräuhaus-Wirt Hans Schafbauer ist tot. Er wurde 85 Jahre alt. Was oft wie eine leere Floskel klingt, ist in diesem Fall die reine Wahrheit: Mit ihm verliert Regensburg eine Institution.

Dass es dem Vollblut-Gastronom schon länger nicht mehr gut gegangen ist, war bekannt. Seit Monaten musste Schafbauer auf seine geliebten Runden durchs Lokal verzichten, weil ihm das Gehen unmöglich geworden war. Wenn Gattin Gerti oder Sohn Thomas von Gästen nach dem Befinden des Seniorchefs gefragt wurden, hatten sie meistens keine guten Nachrichten, sondern konnten nur die Genesungswünsche in die zwei Stockwerke über der Gaststube gelegene Wohnung übermitteln.

Bereits vor Weihnachten war ein längerer Klinik-Aufenthalt nötig, zuletzt musste Schafbauer erneut ins Josefskrankenhaus. Dort ist er Mittwochnacht gestorben. „Am Schluss ist ihm einfach die Kraft ausgegangen“, sagt Thomas Schafbauer, der den Familienbetrieb mit seiner Frau Karin führt.

Jeden beim Namen gekannt

Armin Gebhard ist einer der zahllosen Stammgäste, denen diese Nachricht nahegeht. Der Herren-Ausstatter und Vorstand des Vereins Regensburger Kaufleute hat 2006 sogar seine standesamtliche Hochzeit im HB gefeiert. Für ihn war Schafbauer noch viel mehr als der idealtypische Wirt: „Er war die Seele der Stadt.“ Das Requiem am Mittwoch um 9.30 Uhr in der Emmeramskirche ist ein Pflichttermin für Gebhard. „Das wird bestimmt eine würdevolle Feier. Eigentlich müsste man in der ganzen Stadt die Glocken läuten lassen.“

Schräg gegenüber im Alten Rathaus macht die Todesmeldung aus dem HB ebenfalls betroffen. „Hans Schafbauer war ein Wirt mit Herz, Leib und Seele. Ich habe mich im Hofbräuhaus immer sehr willkommen gefühlt. Meine Gedanken und mein tiefstes Mitgefühl sind bei seiner Frau und Familie“, sagt Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer und erinnert an die einzigartige Gabe des Verstorbenen, Generationen von Stammgästen beim Namen zu kennen: „Seine persönliche Begrüßung mit Handschlag werden viele Menschen sicher vermissen!“

Ringlstetter erinnert sich mit Schmunzeln

Entertainer Hannes Ringlstetter hat schon lange Zeit vor seinem großen Durchbruch viele heitere Abende im Hofbräuhaus verbracht. Trotz der traurigen Nachricht denkt er mit einem Schmunzeln an Schafbauers legendäre Fähigkeit, selbst in einem brechend vollen Wirtshaus immer noch ein paar Gäste mehr unterzubringen: „Der Petrus zitiert ihn sicher zur Begrüßung und sagt: ,Herr Schafbauer, kommen’s rein, wir haben nur schöne Plätze. Setzen Sie sich derweil hin, an Stuhl bring ich gleich‘.“

Als „Wirt mit Seele und Humor“ beschreibt Stadtmaler Werner Steib den Verstorbenen. „Hans Schafbauer war ein Begriff. Ein Original ist verloren gegangen.“

„Herausragender Gastwirt und außergewöhnlicher Mensch“

Auch Krones-Aufsichtsratschef Volker Kronseder ist Stammgast im HB. Seine Würdigung lautet: „Herr Schafbauer war nicht nur ein herausragender Gastwirt, sondern auch ein außergewöhnlicher Mensch, dessen Wärme und Großzügigkeit allen, die das Glück hatten, ihn zu kennen, in Erinnerung bleiben wird. Seine Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen und jedem Besuch in seinem Gasthaus ein Gefühl von Zugehörigkeit zu vermitteln, war wirklich einzigartig.“

Wenn Fürst Albert von Thurn und Taxis in Regensburg ist, gehört ein HB-Besuch mit alten Freunden dazu. „Herr Schafbauer war der Inbegriff des bairischen Gastwirts der alten Schule. Jedem gab er das Gefühl, herzlich willkommen zu sein“, sagt er.

Fürst Albert: Ende einer Ära

Wie sehr der Fürst die von Schafbauer erzeugte Atmosphäre genossen hat, zeigen diese Worte: „Es war eine Freude zu sehen, wie er jeden Gast mit Händedruck begrüßte, die meisten Leute kannte er beim Namen. Seine leuchtenden Augen, sein verschmitztes Lächeln und sein elegantes Bairisch gehörten zu Regensburg wie die Steinerne Brücke und der Dom, mit ihm geht eine Ära zu Ende.“

Da empfindet der Fürst nicht anders als jeder „normale“ Stammgast. Exakt so hat es Hans Schafbauer immer gewollt. „Im Hofbräuhaus trifft sich alles“, sagte er stolz, wenn er den Blick durchs volle Lokal schweifen ließ. Seit er, der Neffe von Hans Kneitinger, im Jahr 1988 vom Arnulfsplatz an den Rathausplatz gewechselt ist, hat er hier vielen Regensburgern ein zweites Wohnzimmer bereitet.

Bis heute Stammgast im HB: Alt-Oberbürgermeister Hans Schaidinger.F.: Archiv/altrofoto.de
Am 1. Juni 1988 übernahmen Gerti und Hans Schafbauer das Hofbräuhaus. Foto: Archiv/Nübler