Oma in da Antn: Legendäres Regensburger Wirtshaus endet als Flohmarkt

Von Rainer Wendl · 7. Dezember 2023 um 17:00

Das Oma Plüsch hat über Jahrzehnte an drei verschiedenen Standorten Wirtshaus-Geschichte in Regensburg geschrieben. Am Wochenende wird sie abgewickelt.

Geplant war es anders. Eigentlich hatte Tom Rötzer, bis Ende Oktober als Wirt der Oma in da Antn aktiv, mit seiner Nachfolgerin vereinbart, dass diese gegen eine Ablöse sein Inventar übernimmt. „Der Vertrag war schon fertig“, erzählt Rötzer.

Doch weil es nicht zur Unterschrift kam, muss er seine gastronomische Laufbahn jetzt als Flohmarkt-Veranstalter beenden. Von Freitag bis Sonntag verkauft er in dem Wirtshaus am Eisernen Steg jeweils von 10 bis 16 Uhr alles, was in den letzten Jahren und Jahrzehnten zum Innenleben der Oma-Plüsch-Lokale gehörte.

Mit zwei treuen Helfern aus seinem alten Team hat Rötzer in den vergangenen Tagen die Gaststube zum Schnäppchen-Paradies verwandelt. Rund 2500 Artikel warten dort insgesamt auf die Besucher.

300 Teller, 50 Kilo Besteck

Zum Beispiel türmen sich die Teller, in jeder Größe, tief wie flach. Ungefähr 300 Stück sind es, gebraucht zwar, aber oberpfälzische Qualitätsware von Seltmann Weiden. Zahllose Weingläser befinden sich noch originalverpackt im Karton. „Ich hab gar nicht gewusst, dass wir so viel davon haben“, schmunzelt der scheidende Wirt. Verständlich, denn wer hat in der Antn jemals Wein getrunken?

Das massenhaft vorhandene Besteck bringt zusammen 50 Kilo auf die Waage, bei Salz-, Pfeffer- und Zuckerstreuern bietet der Flohmarkt ebenfalls eine riesige Auswahl. Hinzu kommen jede Menge Töpfe und Pfannen sowie zwei Fritteusen. Es hat sich eben viel angesammelt in mehr als vier Jahrzehnten in der Branche. Rötzer sagt daher: „Wenn einer das komplett kauft, kann er am nächsten Tag damit ein Wirtshaus aufmachen.“

Neben dem klassischen Gastronomie-Inventar warten allerlei Elektro-Artikel auf neue Besitzer. Die Bandbreite reicht von der Spülmaschine bis zur Biergarten-Lichterkette und zahlreichen Glühbirnen. Auch die beiden Flachbild-Fernseher, die optischen Fixpunkte zahlloser heiterer Bundesliga-Samstage in der Oma, sind zu haben.

Der runde Stammtisch, an dem Rötzer beim Fußballschauen immer gesessen hat, ist das einzige Möbelstück, das nicht der Brauerei Bischofshof gehört. „Den haben wir uns zu acht gekauft. Jetzt könnten wir ihn in acht Teile schneiden – oder es nimmt ihn jemand am Wochenende mit.“

In seine Wohnung stellt der scheidende Wirt den Tisch jedenfalls nicht. Auch an den übrigen Flohmarkt-Artikeln hat er kein privates Interesse. „Was soll ich damit? Ich habe noch Lampen von der Ur-Oma am Emmeramsplatz im Keller. Die nehmen nur Platz weg und stauben vor sich hin – aber brauchen tut sie kein Mensch. Ich bin wirklich um jedes Trum froh, das jemand mitnimmt.“

Schlussstrich nach 30 Jahren

Was nach dem Wochenende noch übrig ist, fährt Rötzer ab Montag in die Deponie nach Haslbach. „Da geht es dann den Weg alles Irdischen.“

Fast 30 Jahre hat er die Oma-Plüsch-Lokale geführt, erst am Emmeramsplatz, dann in der Pfarrergasse und seit 2015 in der Goldenen Ente. Jetzt will er endgültig einen Schlussstrich ziehen, denn die letzte Phase seiner beruflichen Laufbahn mit zwei langen Lockdowns, immer neuen Auflagen und sonstigem Ärger hat ihm keinen Spaß mehr gemacht.

Sogar zum Fußballschauen am Samstag war er nur noch selten in der Antn. Vor dem finalen Flohmarkt meint er deshalb: „Da ist keine Wehmut. Seit Corona habe ich mit dem Wirtshaus abgeschlossen.“