Dieser Regensburger Kult-Gastronom hört auf – Biergarten in Traumlage zu verpachten

Von Christian Eckl · 5. September 2023 um 17:00

Das Regensburger Original begann seine Gastro-Karriere 1979 im Zap, nachdem er zweimal das Studium vergeigte. Jetzt hört der Kult-Wirt auf und widmet sich seiner Modelleisenbahn und kauft sich einen Schaukelstuhl. Wer neuer Pächter in diesem Biergarten in Traumlage wird, ist offen.

Wehmut schwingt mit, wenn Thomas Rötzer davon erzählt, dass die kommenden Wochen seine letzten in seinem Kult-Biergarten sein werden. „Ich habe es mir nicht leicht gemacht“, sagt Rötzer. „Aber ich werde bald 65 und arbeite seit 45 Jahren in der Gastronomie“ – irgendwann sei genug, auch wenn es Spaß mache.

Rötzer hat 30 Jahre lang eine Marke in Regensburg geführt, die zweimal den Standort wechselte. Das Oma Plüsch ist Kult gewesen in Regensburg, als es noch in einem wunderbaren Neurenaissance-Haus im Roten-Lilien-Winkel war.

1994 eröffnete Rötzer dort die Oma Plüsch, da war die Brauerei Thurn und Taxis schon gar nicht mehr fürstlich. Als das Gebäude 2003 verkauft wurde, mussten Rötzer und die Oma raus – sie landeten in der Pfarrergasse. Doch auch dort musste er nach zehn Jahren das Feld räumen. 2013 geschah eine wundersame Gastro-Rochade: Die Kneipe zog in den Biergarten am Eisernen Steg, die Goldene Ente, von den Regensburgern kurz „D’Ant’n“ genannt.

Die Oma einfach fusioniert

Weil Rötzer an der Oma hing, fusionierte er die beiden Namen so, wie es ein Liebespaar mit seinen Nachnamen macht. Aus dem Oma Plüsch und der Ant’n wurde das Oma in der Antn. Doch nun ist Schluss. „Mein Pachtvertrag endet zum 31. Dezember“, sagt Rötzer zur MZ. Doch schon am 28. Oktober wird der letzte Tag in dem Kult-Biergarten zelebriert. „Wir wollen ein Fest machen mit einem Buffet für Mitarbeiter und Stammgäste der Oma“, sagt Rötzer.

Gejammere hört man von dem Gastronomen nicht. Mit Personalmangel hatte er eher in der Küche zu kämpfen, bevor er einen engagierten Koch fand. „Mein Restaurantleiter arbeitet viel auf Volksfesten, da hat er immer gute Kontakte zu Bedienungen, die bei uns dann auch gearbeitet haben“, erzählt Rötzer. Da ist man schon bei der Frage, wer übernimmt. Klar ist das noch nicht. Ein möglicher Pächter, der außerhalb von Regensburg einen Campingplatz betreibt, habe sich schon vorgestellt.

Jetzt sucht jedenfalls die Brauerei Bischofshof nach einem neuen Pächter. Auf der Website der Brauerei ist der Biergarten auch wieder inseriert. „Die Goldene Ente am Eisernen Steg ist nicht nur für die Brauerei Bischofshof eine besondere Gastronomie mit Biergarten. Die Ant’n ist das Stammlokal vieler Regensburger und Regensburg Liebhaber“, sagt Thomas Neiswirth, Sprecher der Brauerei. „Tom Rötzer hat mit seinem Kultkonzept des Oma Plüsch für echte Wirtshaus- und Biergarten-Freuden in der Goldenen Ente gesorgt.“ Gemeinsam mit dem Hauseigentümer sei die Brauerei bemüht, eine Nachfolge zu finden. „Es gibt bereits Interessenten“, verrät der Sprecher.

Die Antn ist nicht irgendein Gasthaus. Es steht auf dem Unteren Wöhrd, der, das liest man im „Großen Bauer“, im Jahr 1304 durch eine Flutkatastrophe entstand. „Am 25. Mai dieses Jahres durchbrach die Donau die Landzunge zwischen Pfaffenstein und Winzer, schuf so den Oberen Wöhrd und benutzte das Naabbett als ihren nördlichen Arm“, heißt es im Standardwerk über Regensburger Gebäude. In Erinnerung an das alte Flusssystem, so heißt es weiter, spreche eine Bauamtschronik noch im Jahre 1657 „von einem Brunnen bei der Naab am Oberen Wöhrd hinter dem Gasthaus zur Goldenen Ente“.

Ein Rentner-Schaukelstuhl

Dabei ist Rötzer selbst ein Stück Gastro-Geschichte. „Ich habe Germanistik und Soziologie studiert“, sagt der Regensburger. Dann habe er seinen Magister „versemmelt und ich habe gewechselt zu Archäologie und Frühgeschichte“. Im Schloss Alteglofsheim war er Ausgrabungsleiter. Doch auch da klappte es nicht mit einem Abschluss. Im ZAP arbeitete er schon seit 1979 als Türsteher, Barkeeper, schließlich als DJ. „Da war Regensburg noch wild“, lacht Rötzer heute.

Und heute? „Ich kaufe mir einen Schaukelstuhl“, sagt Rötzer. Und er wird sich seiner Modelleisenbahn widmen, die durch drei Zimmer seiner Wohnung geht. 60 Quadratmeter ist die Wohnung groß, ein Großteil ist von der Bahn belegt. Dass die nicht mehr zu spät kommt, ist jetzt seine Lebensaufgabe, lacht Rötzer.

Tom Rötzer steht am Türstock des Lokals, das eine lange Geschichte hat. Dort ist eine Hochwassermarke, die verkehrt herum ist. Als die Amerikaner den Eisernen Steg sprengten, fiel der Türstock raus – und wurde verkehrt herum wieder eingebaut.
Die Hochwassermarke steht Kopf.