Gastro-Karussell dreht sich: Regensburger Gänsbauer-Wirte wechseln in ein Märchenschloss

Von Regensburg in den Thiergarten: Elena und Michael Kreuzer nehmen auch ihre Köche mit, wenn sie von der Stadt in den Landkreis ziehen. Einen Aspiranten auf die Nachfolge in der Keplerstraße gibt es aber bereits.
Es ist kein verwunschenes Königsschloss, sondern das herrschaftliche Gebäude, in dem die Fürsten von Thurn und Taxis nach der Jagd rasteten. Das Jagdschloss Thiergarten ist ein echtes Schmuckstück. Gebaut wurde es zwischen 1883 und 1888, dem Drei-Kaiser-Jahr, vom fürstlichen Baurat Ludwig Degen (1826 bis 1908). Heute beherbergt es keine Jagdgesellschaften mehr, sondern begeisterte Golfer. Jetzt steht ein Pächterwechsel bei der Gastronomie an: Elena und Michael Kreuzer wollen für die Bewirtung der Golfer ab 2024 sorgen.
„Wir sind glücklich, dass die Familie Kreuzer zu uns kommt“, sagt Susanne Ascher. Sie ist Vizepräsidentin des Golf- und Landclubs Regensburg im Jagdschloss Thiergarten. „Unsere Mitglieder wollen eine gute Gastronomie“, sagt sie. „Aber auch für die auswärtigen Golfer, die sogenannten Green-Fee-Golfer, ist die Gastro sehr wichtig.“ Diese Spieler würden nur im Schloss Thiergarten vorbeikommen und spielen, wenn sie anschließend essen und trinken können.
Am nächsten Tag zugesagt
Für die Familie Kreuzer als Pächter spricht laut Ascher vieles. Bislang betrieben die beiden Gastronomen das Gänsbauer in Regensburg. Das soll sich aber nun ändern. „Wir haben ein Inserat des Golfclubs gesehen und ich muss gestehen, ich spiele kein Golf“, sagt Gastronom Michael Kreuzer. Aber als Elena und Michael Kreuzer sich das Jagdschloss, die Küche, die Räume und die Terrasse angesehen haben, war für sie klar: Wenn das Team mitspielt, dann wollen sie von der Stadt in den Landkreis wechseln. Sie suchten das Gespräch mit dem Team.
„Wir haben gemeinsam vieles überstanden, Corona und auch die Energiekrise – für uns war klar, dass wir alle zusammenbleiben wollen.“ Auch Koch Johannes Gareis wechselt vom Gänsbauer in den Golfclub. Aber auch der zweite Koch und die Servicekräfte gehen mit. Golfclub-Vizepräsidentin und Kreuzer sagen übrigens im Gespräch den selben Satz: „Das Schloss hat die schönste Terrasse weit und breit.“
Schon am Tag nach dem Termin im Thiergarten sagten die Kreuzers zu. Angefangen haben sie im Gänsbauer mit bayerischen Tapas. „Wir haben uns in Richtung Fine Dining hochgearbeitet“, sagt der Gastronom. Nun bietet man im Gänsbauer Menüs an. Das soll sich auch im Thiergarten fortsetzen, aber natürlich sollen auch die Sportler die richtige Küche finden.
„Wir haben beispielsweise gerade ein leichtes Tomaten-Tatar auf der Karte. Das kann ich mir sehr gut vorstellen als leichte Speise nach dem Golfen“, sagt Kreuzer. Ein neuer Name soll indes für die Gastronomie nicht gefunden werden. „Das war schon beim Gänsbauer so, dass die Location für sich sprach – das ist beim Jagdschloss Thiergarten sicher genauso.“ Der Gastronom sagt aber auch, dass sie die Räume ihrer neuen Gastronomie öffnen wollen. „Wir hoffen genauso auf Ausflügler, aber auch auf Gäste, die bei uns eine Feier veranstalten wollen.“
Christian Früh ist Clubmanager im Thiergarten. Er schildert, dass die neoklassizistische Kapelle ein beliebter Rahmen für Taufen und Hochzeiten ist. Zudem gibt es in dem Jagdschloss zwei Kaminzimmer und einen großen Saal. Trotz des adeligen Ursprungs des Hauses, in dem der Golfclub untergebracht ist, will man aber offen für alle sein: „Wir wollen kein elitärer Verein sein, sondern uns ist wichtig, dass zu uns auch Menschen kommen, die kein Golf spielen und einfach das wunderbare Ambiente genießen“, sagt Vizepräsidentin Ascher.
Vorstandsmitglieder waren bereits im Gänsbauer beim Essen und haben sich dort von der Küche überzeugen können.
Nachfolger gefunden?
Los geht es zum 1. Januar. Im Februar wird man mit der Bewirtung starten. Wie es mit dem Gänsbauer in der Regensburger Keplerstraße weitergeht, ist noch nicht geklärt. Aber bereits am Dienstag fand ein Besichtigungstermin statt. Mit wem, das wollte Kreuzer nicht verraten, nur so viel: „Es wäre toll, wenn eine Nachfolgelösung zustande kommen würde, weil das auch genau die richtigen Gastronomen für den Gänsbauer wären.“
Infostück: Als noch der Kaiser regierte
Geschichte: Das Schloss befindet sich nach wie vor im Besitz der Familie von Thurn und Taxis und ist an den Verein verpachtet. Eingezogen sind die Golfer im Jahr 1969. Damals hieß der Fürst noch Franz Joseph, der noch Kaiser Franz Joseph von Österreich als Pate hatte.
Beziehungen: Franz Josephs Sohn und Erbe Gabriel fiel bei der Schlacht um Stalingrad 1942. Statt seiner wurde Karl August Oberhaupt der Familie, der Vater des 1991 verstorbenen Fürsten Johannes. Noch heute pflegt der Golfclub enge Beziehungen zum Fürstenhaus.



