Die Goldene Ente soll wieder auferstehen: Das ist die neue Pächterin in Regensburg

Von Christian Eckl · 26. Oktober 2023 um 15:00

Ab 2024 führt Christine Ainöder den Biergarten und das Wirtshaus am Eisernen Steg in Regensburg. Und sie kündigt gleich an: Die Goldene Ente soll „auch wieder so heißen.“ Die Neu-Gastronomin möchte „die richtige bayerische Wirtshauskultur “ hier wieder beleben.

Geschichten für drei Leben hat Peter Schinhärl zu erzählen. Kein Wunder, denn der Regensburger ist aufgewachsen im ältesten am Stück betriebenen Gasthaus Regensburgs: in der Goldenen Ente. Wie alt das Namensschild an der Hauswand des historischen Gebäudes in der Badstraße ist, das weiß selbst Schinhärl nicht. Dafür aber, dass bis vor einigen hundert Jahren die Naab in die Donau floss an der Stelle, an der sich heute der Obere Wöhrd befindet. Mehr noch: Unter der Badstraße führt der Kanal einmal im Kreis, um das Abwasser dann unter der Donau in Richtung Kläranlage zu führen. „Das Haus ist voller Geschichten“, sagt Schinhärl. Und da kommt sie schon, diejenige, die eine jahrhundertealte Tradition fortführen soll. „Ich übernehme die Goldene Ente zum Jahreswechsel“, sagt Christine Ainöder, die von ihren Kollegen liebevoll Christel genannt wird. „Und sie wird auch wieder so heißen.“

Dass Tom Rötzer, der legendäre Oma-Plüsch-Wirt, in Rente geht, berichtete die MZ schon. Offen war bislang, wer das Gasthaus mit Biergarten am Eisernen Steg übernehmen wird. Ainöder hat sich das genau überlegt, obwohl sie eigentlich etwas ganz anderes gelernt hat. Jahrelang war sie bei der OBAG beschäftigt, auch als Betriebsrätin. Doch wie man Menschen in ihrer Freizeit glücklich macht, das hat sie von ihrem Vater gelernt. Jahrelang hatte Peter Ainöder als Stadt-Mitarbeiter beispielsweise das Bürgerfest mitorganisiert. „Das hat mich immer total fasziniert“, sagt die Neu-Gastronomin heute.

Zahlreiche Stammgäste in der Goldenen Ente

Dass sie im Januar ein echtes Traditionshaus übernehmen wird, das hat mehrere Gründe. Zum einen natürlich, dass ihr Vorgänger Tom Rötzer als Pächter des Oma Plüsch zahlreiche Stammgäste und auch Mitarbeiter in das Gasthaus an der Donau gebracht hat. „Ich hoffe, dass uns die alle erhalten bleiben“, sagt Ainöder. Doch mit ihrem Konzept kann sie sich da durchaus Hoffnung machen: „Ich möchte die richtige bayerische Wirtshauskultur wieder in die Goldene Ente holen“, sagt sie. Der zweite Grund aber ist die Geschichte des Hauses, das als Regensburger Kulturgut gelten kann. „Es ist das älteste am Stück betriebene Regensburger Gasthaus“, sagt Eigentümer Schinhärl. Älter und in den Annalen der Stadt verbürgt seien zwar das Weiße Lamm bei der Wurstkuchl und der Brixener Hof, in dem heute Kaffeeröster Rehorik seine Räume hat. Doch ununterbrochen gibt es nur die Ente als Gaststätte, weiß Schinhärl.

Umbau- und Verschönerungsmaßnahmen wird es geben, versichert der Eigentümer. Diese werden aber mit großer Zurückhaltung durchgeführt, schon allein weil man ein solch historisches Gebäude, das im Kern auf das 15. Jahrhundert zurückgeht, eigentlich nur gut pflegen kann. Bei größeren Umbaumaßnahmen hätten die Denkmalpfleger ein Vetorecht. Dass man dennoch mit der Zeit gehen muss, das zeigt Schinhärl schon am Durchgang der Gebäudekomplexes. „Die Deckenbalken waren einst mit Ochsenblut eingestrichen, wie das damals halt war“, sagt er. Heute sind die Balken weiß. „Das ist doch viel zu dunkel sonst!“ Das sei nicht zeitgemäß. Ainöder ist voller Tatendrang. Saisonale Gerichte wie etwa zur Spargel- oder Wildsaison will sie anbieten. Zudem wechselnde Tagesgerichte. Der „Ant‘n“-Koch bleibt, ein großes Glück in diesen Zeiten, in denen Mitarbeiter in der Gastronomie Mangelware sind.

Goldene Ente in Regensburg: „Hier war ein Schotterweg“

„Ich war immer da drin“, sagt der 73-jährige Besitzer zum Abschied noch. Und auch das: „Es ist natürlich Fluch und Segen zugleich, wenn der Vermieter einer Gaststätte selbst dort wohnt.“ Fluch sei es, weil er schon schaue, dass der Ablauf passt. „Segen aber, weil ich immer da bin, wenn was ist“, lacht der Regensburger, der im Vorbeigehen auch noch erzählt: „Als ich ein Kind war, da war noch nicht einmal die Straße geteert“ – heute unvorstellbar bei diesen Immobilienpreisen. Und doch: Bis 1964 führte noch ein Schotterweg zur Goldenen Ente.