18 Jahre „kleben geblieben“: Der Wirt der Kreuzschänke in Regensburg sagt Servus

Schon wieder gibt es einen Wechsel in einem beliebten Regensburger Biergarten. Im Fall der Kreuzschänke aber läuft er geordnet ab.
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Das Licht in der Gaststube strahlte aus Neonröhren, die ursprüngliche Farbe der Sitzbezüge war nicht mehr zu erkennen, der Linoleum-Fußboden hätte längst ersetzt werden müssen, der Biergarten war ein einziger Verhau und für den Zustand des Pächter-Appartements passte nur das Wort „unbewohnbar“.
Auch wenn man es aus heutiger Sicht kaum glauben kann: Mit dieser Zustandsbeschreibung ist die Kreuzschänke gemeint. Genauer gesagt die Kreuzschänke im Jahr 2005. Damals übernahm Walter Buric das Regiment in dem Wirtshaus in der Kreuzgasse, aus dem er sich Ende Dezember verabschieden wird.
Dass es der gebürtige Franke fast zwei Dekaden lang in der westlichen Altstadt aushalten wird, war zu Beginn keinesfalls abzusehen – und zwar nicht nur wegen der erwähnten optischen Zumutungen. Nach stressigen Jahren in einer Nürnberger Großgastronomie und einer gescheiterten Ehe suchte er in Regensburg privat Abstand und beruflich etwas Kleineres, was sich notfalls auch schnell wieder aufgeben ließe.
„Doch ich bin kleben geblieben“, sagt er über seine Zeit in der Kreuzschänke, die trotz aller gegenteiligen Vorzeichen zum Herzensprojekt wurde.
Innige Beziehung zum Kloster
Einen nicht geringen Anteil daran haben die Schwestern des benachbarten Klosters zum Heiligen Kreuz. Das Wirtshaus ist im Eigentum des ältesten Dominikanerinnenkonvents Deutschlands, die Bewohnerinnen haben den Protestanten Buric quasi adoptiert.
„Das war immer eine sehr innige Beziehung zum Kloster, ich habe mich dadurch sehr getragen gefühlt“, erzählt der Wirt. So werde er nie vergessen, wie ihn die 2022 verstorbene Schwester Oberin Margarete vor einem einsamen Weihnachten 2005 bewahrte: Sie lud ihn zur Christmette ein, danach wurde mitten in der Nacht noch gemeinsam Brotzeit gemacht.
Diese ihm entgegengebrachte Zuwendung ließ Buric wiederum dem Lokal angedeihen. „Die ersten zehn Jahre habe ich permanent erneuert. Immer wenn Geld übrig war, habe ich es in die Gaststube und die Außenanlagen reinvestiert. Das war allein für den Garten ein sechsstelliger Betrag.“
So wurde die Kreuzschänke innen wie außen nach und nach zu dem Schmuckstück, das sie heute ist. Weil dieser finanzielle Aufwand nicht nur ästhetischen Zugewinn, sondern auch wirtschaftlichen Erfolg nach sich zog, stellt der Wirt heute voller Überzeugung fest: „Wenn man das Geld mit Weitsicht zum Fenster rauswirft, kommt es zur Tür wieder rein.“
Auf bairisch gesagt ist aus der Kreuzschänke also im Lauf der Zeit eine „gmahde Wiesn“ geworden. Oder, um es mit den Worten von Burics aus Berlin stammender Ehefrau auszudrücken: „Das Lokal läuft wie Bolle.“ Warum hört er dann jetzt auf? „Es gibt zwei schlechte Ratgeber im Leben, die heißen Angst und Habgier“, lautet Burics Antwort. Jetzt die Welle in der Kreuzschänke mit Gewalt weiter zu reiten, empfände er als habgierig, denn: „Ich weiß ja nicht, wie lang die Restlaufzeit für mein Geld noch ist.“
Der Grund für diesen auffallend philosophischen Blick aufs Leben ist sechs Jahre alt und soeben eingeschult worden. „Wie jeder spätberufene Papa gehe ich in dieser Rolle mit Haut und Haaren auf.“
In die fränkische Heimat
Kurz vorm 60. Geburtstag lauten daher die Konsequenzen für den Wirt der Kreuzschänke, das Berufsleben nach 45 Jahren (35 davon in der Selbstständigkeit) gut sein zu lassen und mit Familie in seine mittelfränkische Heimat zu ziehen. Dort will er Tochter Holly ein naturnahes Aufwachsen ermöglichen und sich mit Freunden aus Jugendtagen am Stammtisch treffen. „Ich freue mich schon riesig drauf.“
Die regelmäßig geplanten Besuche in Regensburg sollen stets mit einem guten Essen verbunden sein – in der Kreuzschänke. Mit den Worten „Das Feld ist bestellt“ verrät Buric, dass er an der erfolgreichen Nachfolger-Suche beteiligt war.
Der Brauerei Bischofshof hat er so nach 18 Jahren fruchtbarer Zusammenarbeit einen letzten großen Dienst erwiesen. Denn anders als im Ratskeller oder in der Goldenen Ente ist in der Kreuzgasse ein nahtloser Übergang gesichert.