Regensburger Traditionslokal noch immer zu: Ein Quartett buhlt um den Ratskeller

Von Rainer Wendl · 19. Mai 2023 um 19:00

Regensburg. Wann macht der Ratskeller wieder auf? Für das Regensburger Traditionslokal im Alten Rathaus gibt es jetzt einen neuen Fahrplan.

In Person von Konrad Adenauer und Willy Brandt haben hier einst sogar zwei Bundeskanzler gespeist, von Adenauer ist das kölsche Kompliment „Jut jekocht, Chef!“ überliefert. Vom Ruhm vergangener Tage lässt sich allerdings nichts kaufen, wenn die Gegenwart trist ist.

Das gilt auch für den Regensburger Ratskeller, der seit bald eineinhalb Jahren weder einen prominenten, noch sonst irgendeinen Gast gesehen hat. Die Wiedereröffnung der traditionsreichen Gaststätte im Souterrain des Alten Rathauses war für die erste Hälfte 2023 angepeilt. Diese neigt sich mittlerweile dem Ende zu, doch spruchreif ist nach wie vor nichts. So lautet die Information, die Thomas Neiswirth aktuell weitergeben kann.

Mindestens 96.000 Euro Jahrespacht

Neiswirth ist Sprecher der Brauerei Bischofshof, die nach der geglückten Wiederbelebung vom Haus Heuport nun nur noch den Ratskeller auf ihrer Liste der geschlossenen Großobjekte in der Altstadt stehen hat. Dieses „Groß“ äußert sich unter anderem in einer Nutzfläche von insgesamt 500 Quadratmetern, die aufgeteilt auf sechs große Räume und kleinere Stüberl 160 Personen Platz bieten.

Hinzu kommen noch etwa 120 Freisitze im Neptunhof sowie entlang der Rathaus-Front am Kohlenmarkt und ums Eck Richtung Zieroldsplatz. Hier wird der gewohnte Anblick von Tischen und Stühlen auch in diesem Sommer fehlen. Gedacht war dies anders. Ende Dezember, als sich die Schließung zum ersten Mal jährte, war „auf jeden Fall im ersten Halbjahr“ das selbstgesteckte Ziel der Brauerei.

Obwohl dieses verfehlt wird, verströmt Neiswirth Optimismus: „Wir sind mit vier Pachtbewerbern in konkreten und aussichtsreichen Gesprächen. Dahinter stehen sehr gute Konzepte und vielversprechende Gastronomien, die für eine langfristige Bewirtschaftung des Ratskellers stehen werden.“

Prinzip einer Umsatzpacht mit acht Prozent

Nähere Informationen zur konkreten gastronomischen Ausrichtung der einzelnen Bewerber gibt es vorab nicht. Fest steht allerdings, dass sie einiges im Kreuz haben müssen – personell, konzeptionell und vor allem finanziell. Laut Exposé, das die Brauerei im Internet veröffentlicht hat, muss der neue Betreiber eine Kaution in Höhe von 40.000 Euro entrichten, die monatlichen Nebenkosten sind mit 850 Euro netto angegeben.

Als Mindestpacht sind 96.000 Euro pro Jahr angesetzt, allerdings greift das Prinzip einer Umsatzpacht mit acht Prozent. Das bedeutet: Sollte der Laden richtig brummen, bleibt es nicht bei diesen 96.000 Euro. Dann zahlt der Wirt mehr, nämlich acht Prozent seines Umsatzes.

„Dieses Modell ist nicht unüblich, bei Gastronomen aber nicht sonderlich beliebt. Denn so profitiert bei besonderem Erfolg auch der Verpächter, obwohl er im Grunde nichts dazu beiträgt. Hingegen wird der, der für den Erfolg verantwortlich ist, in Form einer höheren Pacht quasi bestraft – und das Risiko trägt er weitestgehend allein“, sagt dazu ein Branchenkenner aus dem Bankenbereich, der schon die Mindestpacht nicht ohne findet: „Dafür braucht man einen Jahresumsatz von mindestens einer Million, besser 1,2 Millionen Euro. Das ist alles andere als einfach bei einem Objekt, das eineinhalb Jahre geschlossen war.“

Hervorragender Ruf als „Gastronomisches Wohnzimmer“

Die Konditionen beim Ratskeller legt die Brauerei im Einvernehmen mit dem Eigentümer fest. „Wir sind in sehr guten Abstimmungen mit der Stadt Regensburg“, berichtet Neiswirth. Er erinnert daran, dass der Ratskeller seitens des Rathauses bei einer früheren Eröffnung als „gastronomisches Wohnzimmer der Stadt“ gerühmt wurde.

An dieser hohen Wertschätzung hat sich seiner Einschätzung nach nichts geändert. „Die Stadt hat ebenso wie wir ein sehr großes Interesse daran, den Ratskeller sehr bald wieder zu eröffnen“, sagt der Brauerei-Sprecher und legt sich bezüglich des Zeitpunkts fest: „Bis Herbst können wir jetzt auf jeden Fall sagen.“