Spektakulärer Pächterwechsel: Von der Sterneküche in die Regensburger Altstadt

Stammgäste hatten Tränen in den Augen, sagt Ludwig Messerle. Sein Lokal Coming Home in der Altstadt Regensburgs schließt wegen Personalmangels. Doch überraschend ist auch, wer das Lokal nun übernimmt: Der neue Chef hat bereits bei Fürstenkoch Herbert Schmalhofer und sogar in einer Zwei-Sterne-Küche aufgetischt.
Es ist eine Spitzenlage für ein Gasthaus, dennoch schockte Gastronom Ludwig Messerle kürzlich seine Stammkunden: „Wir schließen“, teilte der Wirt des Coming Home in der Ludwigstraße im Herzen der Altstadt mit. „Es tut mir sehr leid.“ Im Gespräch erzählt Messerle, wie emotional der Abschied war: „Am letzten Tag kamen Stammgäste, fielen mir um den Hals und haben auch geweint.“ Doch für ihn sei die Situation zuletzt sehr schwierig gewesen: „Ich habe es körperlich nicht mehr geschafft“, so Messerle.
„Die Jungen waren nach zwei Stunden erschöpft“
Vor allem der riesige Personalmangel in der Gastronomie sei der Grund gewesen, wieso Messerle das Coming Home aufgegeben hat. „Wir haben monatelang keine Mitarbeiter gefunden.“ Messerle beklagt sich darüber, dass gerade jüngere potenzielle Mitarbeiter „teilweise sehr wenig geeignet waren“. Die wären nach zwei Stunden bereits erschöpft gewesen. „Leider konnte man wenig mit ihnen anfangen“, so Messerle. Sein älteres Personal „wollte sich den Stress aber auf Dauer auch nicht mehr antun“. Drei der Mitarbeiter aus dem alten Coming Home würden nun wechseln und beim neuen Pächter anfangen.
Messerle hatte zuvor mit seinem Partner fünf Jahre lang das Coming Home betrieben, nachdem es fünf Jahre lang in Stadtamhof angesiedelt war.
Bischofshof, Burg Wernberg und Dechbettener Hof
Doch die Gaststätte in zentraler Altstadtlage wird nicht lange leer stehen. Ein neuer Pächter hat sich bereits gefunden, eröffnet werden soll kommende Woche, voraussichtlich am 10. Oktober. Der Neue ist kein Unbekannter in Regensburg und in der Gastroszene: Er heißt Martin Götzfried und hat einschlägige Erfahrungen in der Regensburger Gastronomie als Koch gesammelt, aber auch national und international seine Meriten verdient.
„Ich habe im Bischofshof bei Herbert Schmalhofer Koch gelernt“, erzählt Götzfried. Zuletzt arbeitete er im Dechbettener Hof, ebenfalls eine alteingesessene Gastronomie in Regensburg.
In Neuseeland indisch gekocht
Doch Götzfried hat sich dazwischen auch die Welt angesehen. So arbeitete er in Neuseeland und hat dort moderne indische Küche kredenzt. Zuvor war er auf der Burg Wernberg im Zwei-Sterne-Restaurant als Koch tätig und hat die Gourmet-Küche erkundigt. Für die Burger-Kette Max und Muh eröffnete Götzfried eine Filiale in Passau, arbeitete zudem als Koch im Gänsbauer. Und nun? Will er regionale und nachhaltige Küche anbieten. „Das Fleisch werden wir wahrscheinlich von einer Metzgerei in Hauzendorf und vom Stierstorfer beziehen“, sagt der Koch und Gastronom.
Regionale Küche entscheidend
„Fisch werden wir vom Mißlbeck beziehen und von der Fischerei Mulzner aus Schwandorf.“ Das Gemüse soll aus Winzer kommen und einen Obstbauern sucht Götzfried derzeit noch. Sein Konzept: „Beilagen soll man separat hinzu bestellen können, damit auch nicht so viele Lebensmittel weggeworfen werden.“ Denn gerade wenn man mehrere Speisen essen möchte, dann sind es oft die Bratkartoffeln oder das Gemüse, das übrigbleibt. Genau das aber verhindere man, wenn man die Beilagen a la Carte bestellen könnte.
Den Namen Coming Home will Götzfried übrigens beibehalten. „Das Lokal hat sehr viele Stammgäste und ich würde mich freuen, wenn diese bleiben.“ Er wolle jedenfalls alles dafür tun, schließt Götzfried.
