Wahlmuffel und Familientreffen: Was die Ergebnisse im Kreis Schwandorf zu Tage fördern

Auch im Landkreis Schwandorf wurde am Sonntag fleißig gewählt. Und bei 33 Kommunen lohnt sich ein Blick auf die vorläufigen Endergebnisse. Wer wurde Stimmenkönig? Wo war das Rennen um den Chefposten im Rathaus besonders knapp? Welche Kommune stellt den jüngsten Bürgermeister und wo gibt es fortan ein Familientreffen im Gemeinderat? Die MZ hat interessante Fakten zusammengetragen.
Hochprozentiges Vertrauen: Diese Kandidaten sahnten besonders ab
In 29 von 33 Kommunen wurde am Sonntag der Bürgermeister gewählt. Und in einigen Städten und Gemeinden war es eine klare Sache. Schaut man rein auf die Prozentzahl, ist Stadlerns Bürgermeister Michael Riedl der Stimmenkönig im Landkreis. Er holte 92,5 Prozent. Dieses hohe Ergebnis ist aber auch darauf zurückzuführen, dass er der einzige Bewerber war. Das ist auch bei Markus Schiesl (Altendorf, 91,8), Martin Bauer (Schmidgaden, 91,4), Frank Zeitler (Nabburg, 90,9) und Martin Prey (Niedermurach, 90,6) der Fall, die die Top 5 komplettieren.
Nur ein Kandidat bedeutet aber nicht gleich ein Ergebnis von 90 Prozent und mehr. Dieterskirchens Bürgermeisterin Anita Forster beispielsweise erhielt lediglich 66,1 Prozent – und das obwohl sie ebenfalls allein auf dem Stimmzettel stand.
Berücksichtigt man die Ausgangslage, dürfte Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter (CSU) landkreisweit das beeindruckendste Ergebnis geholt haben. Der musste sich gegen zwei namhafte Mitbewerber stellen, erreichte aber dennoch ein Ergebnis von 80,7 Prozent.

Bemerkenswert ist auch das Abschneiden von Bürgermeister Rudolf Teplitzky (PWG und PWG-OT) in Oberviechtach, der sich mit 78,3 Prozent gegen den CSU-Kandidaten Tobias Ehrenfried durchsetzte. Auch Brucks Bürgermeisterin Heike Faltermeier (CSU) wies ihren Gegenkandidaten Gregor Wettinger (SPD) deutlich mit 75 Prozent in die Schranken.
Stolz kann mit Sicherheit auch Bürgermeister Benjamin Boml (FW) in Nittenau sein. Der erreichte immerhin 64 Prozent – und das, obwohl er sich mit Albert Meierhofer (CSU), Fabian Kammer (SPD) und Claudia Müller-Völkl (Grüne) gleich gegen drei Gegenkandidaten durchsetzen musste.
Herzschlagfinale: Hier war das Bürgermeisterrennen besonders knapp
In mehreren Kommunen blieb es in Sachen Bürgermeisterwahl lange spannend und manch Kandidat musste sogar bis zur letzten ausgezählten Stimme zittern. Das landkreisweit engste Rennen um den Chefposten im Rathaus lieferten sich Christoph Scharf (Kommunale Wählergruppe) und Stefan Wittmann (CSU) in Stulln. Scharf sollte am Ende mit 51,1 Prozent die Oberhand behalten. Er holte nur 23 Stimmen mehr als sein Mitbewerber. Knapp wurde es auch in Schönsee. Dort setzte sich Amtsinhaber Reinhard Kreuzer (FWG) gerade noch mit 53 Prozent gegen Xaver Bayer (CSU) durch. Hier trennten beide 89 Stimmen.
Wechsel auf dem Chefsessel: Hier gibt es einen neuen Bürgermeister
Im Landkreis stellten sich viele Amtsinhaber wieder zur Wahl. Und wenn sie das taten, erhielten sie durch die Bank erneut das Vertrauen. Einzig in Schwandorf muss Oberbürgermeister Andreas Feller in der Stichwahl nachsitzen.
Es gibt aber auch neue Gesichter. In Guteneck beispielsweise heißt die Bürgermeisterin fortan Katharina Haas. Sie stellte sich als einzige Kandidatin zur Wahl und holte 73,4 Prozent. Damit löst sie Bürgermeister Johann Wilhelm ab, der nicht mehr kandidierte.
Auch in Stulln trat mit Hans Prechtl der langjährige Amtsinhaber nicht mehr an. Christoph Scharf heißt der neue Bürgermeister. In Pfreimd gibt es ebenfalls einen Wechsel an der Spitze. Richard Tischler (FW) verzichtete auf eine weitere Kandidatur und machte den Weg frei für seinen Parteikollegen Florian Reger. Der setzte sich auf Anhieb mit 58,4 Prozent gegen drei Mitbewerber durch. Ein neues Gesicht im Rathaus gibt es auch in Schmidgaden. Martin Bauer übernimmt das Amt von Josef Deichl, der sich nicht mehr zur Wahl stellte. In Stadlern heißt der neue Bürgermeister Michael Riedl. Er tritt die Nachfolge von Gerald Reiter an, der ebenfalls nicht mehr kandidierte. In Teunz tritt Adolf Hammer in die Fußstapfen von Norbert Eckl, der nicht mehr zur Verfügung stand.
Ebenfalls einen neuen Bürgermeister gibt es in Weiding. Amtsinhaber Manfred Dirscherl trat nicht mehr an. Weil sich kein Kandidat gefunden hat, kam es zur Urwahl. Auf den Wahl-Zettel konnten die Weidinger einen Namen schreiben, den sie gerne als Bürgermeister hätten. Der 31-jährige Markus Singer tauchte am häufigsten auf und zwar 193 Mal.
Eine Urwahl wird auch in Thanstein darüber entscheiden, wer das neue Gemeindeoberhaupt wird. Amtsinhaber Walter Schauer steht nicht mehr zur Verfügung, sonst fand sich kein Kandidat. Nach Auszählung der Stimmen sind noch zwei Namen im Rennen: Christian Obermeier und Michael Brandl.
Auch in Burglengenfeld steht bereits fest, dass es einen neuen Bürgermeister geben wird. Denn Thomas Gesche (CSU) hat sich gegen eine erneute Kandidatur entschieden. Am Sonntag lagen Martin Antretter (SPD) und Michael Schaller (CSU) fast gleichauf. Hier wird die Stichwahl am 22. März entscheiden.
Auch in Schwandorf könnte es einen neuen Chef im Rathaus geben, sollte Andreas Wopperer (CSU) die Stichwahl gegen Andreas Feller (BLS) gewinnen.
Kommunalpolitik bleibt Männersache: Vier Frauen stechen aber hervor
Auch im Jahr 2026 lässt der Frauenanteil in der Kommunalpolitik stark zu wünschen übrig. Nach der Wahl am Sonntag werden wieder viele Stadt-und Gemeinderäte von Männern dominiert. Auch der Bürgermeisterposten wird in 29 von 33 Kommunen von einem Mann besetzt.
Immerhin kommt ab 1. Mai mit der bereits erwähnten Katharina Haas in Guteneck eine weitere Bürgermeisterin im Landkreis dazu. Weil Heike Faltermeier (Bruck), Anita Forster (Dieterskirchen) und Sonja Meier (Winklarn) allesamt im Amt bleiben, erhöht sich die Zahl der Bürgermeisterinnen künftig von drei auf vier.
Mut zur Jugend: Das sind die jüngsten Bürgermeister im Landkreis
Dass sich junge Kandidaten auf das Abenteuer Kommunalpolitik stürzen, ist nach wie vor eher die Ausnahme. Im Landkreis Schwandorf gibt es aber tatsächlich vier neue Bürgermeister, die noch weit von ihren 40ern entfernt sind. Schmidgaden und Weiding stellen mit Martin Bauer und Markus Singer ab 1. Mai die jüngsten Rathauschefs im Landkreis. Beide sind 31 Jahre alt.
Auch die Gemeinde Stulln hat mit dem 32-jährigen Christoph Scharf ab 1. Mai einen noch sehr jungen Bürgermeister im Amt. Und auch hier taucht der Name von Katharina Haas aus Guteneck auf. Sie ist 36.
Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm: Familientreffen im Gemeinderat
Wenn Eltern kommunalpolitisch aktiv sind, färbt das nicht selten auf den Nachwuchs ab. Das ist auch im Landkreis so. Wer sich die Listen genau angesehen hat, dürfte festgestellt haben, dass einige Bewerber den gleichen Nachnamen wie langjährige Räte oder gar amtierende Bürgermeister haben. Manchmal mag das Zufall sein und hat nichts mit familiären Beziehungen zu tun, in manchen Fällen ist das anders.
So hat zum Beispiel nach der Wahl am Sonntag Sina Faltermeier den Sprung in den Brucker Marktrat geschafft. Die Tochter von Bürgermeisterin Heike Faltermeier kandidierte auf Platz 14 der CSU-Liste und preschte mit 901 Stimmen auf Platz sieben vor. Das reichte angesichts von sieben Marktratsplätzen für die CSU aus.

Eine ähnliche Konstellation gibt es auch in Steinberg am See. Dort schaffte Christian Hasselfeldt, der Sohn des langjährigen CSU-Gemeinderats Bernd Hasselfeldt, den Sprung ins Gremium. Christian Hasselfeldt kandidierte für die Junge Union und wird künftig zusammen mit seinem Vater, der ebenfalls wieder in den Gemeinderat gewählt wurde, die Entwicklung seiner Heimatgemeinde aktiv mitgestalten.
Das tut Carina Hoffmann bereits seit sechs Jahren. Die Tochter von Bodenwöhrs Bürgermeister Georg Hoffmann trat 2020 auf der CSU-Liste an und wurde in den Gemeinderat gewählt. Auch dieses Mal hat es für eine weitere Legislaturperiode gereicht. Als Nachrückerin für ihren erneut als Bürgermeister gewählten Vater bleibt Carina Hoffmann Teil des Gremiums.
Wahlbeteiligung: Schwandorf enttäuscht, Thanstein vorbildlich
In Schwandorf scheint das Interesse an der Kommunalpolitik nicht wirklich hoch zu sein. Gerade einmal 13.949 der 23.077 Wahlberechtigten haben ihre Stimme bei der Bürgermeisterwahl abgegeben – und das bei sieben Kandidaten. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 60,4 Prozent. Damit belegt die Große Kreisstadt im Landkreis-Vergleich den letzten Platz. Nicht viel besser war die Wahlbeteiligung in Bodenwöhr (61,5 Prozent) und Maxhütte-Haidhof (64,1 Prozent).
In Thanstein war die Beteiligung bei der Bürgermeisterwahl mit 83,6 Prozent dagegen am höchsten. Auch in Guteneck (83,2) und Steinberg am See (80,9) haben viele Wahlberechtigte ihre Stimme abgegeben.