So viele Parteien wie nie zuvor: Umbruch im Steinberger Gemeinderat

Von Petra Beer-Dausch · 10. März 2026 um 05:00

Ein großer Wechsel erfolgt zum 1. Mai im zwölfköpfigen Gemeinderat von Steinberg am See. So viele Parteien wie nie zuvor sind dort künftig vertreten. Abwartend sind die Meinungen, wie sich die Zusammenarbeit mit der AfD gestalten wird. Deren Listenführer Michael Körner sagt: „Wir brauchen keine Troublemaker. Wir müssen uns schnell einarbeiten und zielführend zusammenarbeiten.“

Die CSU bleibt mit vier Sitzen und Bürgermeister Christian Meßmann stabil, auch was die personelle Besetzung anbelangt. Neue Gesichter sind von der JU Sinan Wiendl und Christian Hasselfeldt, der Sohn von CSU-Gemeinderat Bernd Hasselfeldt. Die SPD, bislang stark mit fünf Sitzen und Bürgermeister Harald Bemmerl präsent, ist künftig mit Erika Obendorfer, Ewald Lehmer und Markus Greimel vertreten.

Bürgermeisterkandidat ist nicht im Gremium vertreten

Nicht mehr dabei sind dagegen von der SPD Philipp Binner, der auf eine Kandidatur verzichtete, und Fraktionssprecher Klemens Hecht, der von Listenplatz vier auf sechs zurückfiel. Auch SPD-Bürgermeisterkandidat Christopher Haas blieb außen vor.

Die FW stellen mit Ingo Ippisch bislang den 3. Bürgermeister, aber der stand nicht mehr zur Wahl. Hans Baumgärtner (FW) ist ab Mai Einzelkämpfer. Die AfD ist mit Michael Körner und Peter Karg vertreten.

Der neue Bürgermeister Christian Meßmann ist eigentlich in einer „komfortablen Situation“, wie er es auch selbst bezeichnet: Die Stimmen von CSU, JU und seine eigene sind zusammen sieben, was die Mehrheit bedeutet. Aber darauf wolle er seine Arbeit nicht auslegen, sondern mit allen zusammenarbeiten, sagte der 49-Jährige. Und: „Ziel muss es sein, möglichst breite und tragfähige Beschlüsse zu erreichen.“ Der Plan sei, mit der JU eine Fraktionsgemeinschaft zu bilden. Auf die Frage nach seinen Stellvertretern wollte Meßmann nur soviel sagen: „Es wird eine gute Lösung geben.“

Zu den Verlusten der SPD sagte der Wahlsieger, er finde es schade, dass bewährte Kräfte nicht mehr dabei seien. Schade sei auch, dass weiterhin nur eine Frau im Gemeinderat vertreten ist. Mit der gemeinsamen Liste von JU und Frauenunion habe man den Anteil eigentlich steigern wollen. Offen wolle er an die neue Situation mit der AfD herangehen.„Ich hoffe, dass sie mitarbeiten“, so Meßmann.

Die Steinberger Wahlhelfer machen sich ans Werk: Klemens Hecht, Sandra Scharf, Stefan Karg und Andreas Behnke (v. r.) - Foto: Petra Beer-Dausch

„Überglücklich“ zeigte sich JU-Vorsitzender Sinan Wiendl über das Wahlergebnis. Man wolle „frischen Wind und jungen Ideen“ einbringen. Er wertete es aber auch positiv, dass von Anfang 20 bis 70 jedes Alter im Gemeinderat repräsentiert sei. Auf die Frage, ob die JU Ansprüche auf einen Stellvertreter-Posten erhebt, sagte Wiendl, man sei natürlich offen dafür, aber die Gespräche, wie man die Zusammenarbeit gestaltet, liefen erst an.

„Etwas getrübt“ war laut Harald Bemmerl die Stimmung bei der SPD – das dürfte wohl noch untertrieben sein. Seine Partei habe schon mit Verlusten gerechnet, aber auf vier Sitze gehofft. Überraschend sei für den scheidenden Bürgermeister auch, dass die AfD auf Anhieb zwei Sitze erreichte. Das „hätte er so nicht erwartet“. Es erfolge ab Mai ein deutlicher Umbruch. Die SPD müsse einen langen Atem haben und in sechs Jahren wieder angreifen.

Enttäuscht zeigte sich Hans Baumgärtner vom Wahlausgang. Die Freien Wähler hatten als Ziel ausgegeben, eine absolute Mehrheit für die CSU zu verhindern, das sei leider nicht gelungen. Die zweite Liste mit JU und FU habe der CSU hier einen Vorteil gebracht.

Respektvollen und fairen Umgang fortsetzen

Baumgärtner zeigte sich zuversichtlich, dass der respektvolle und faire Umgang im Gemeinderat auch mit Bürgermeister Meßmann weitergehe.

Zu 100 Prozent sei der Plan der AfD, zwei Sitze zu holen, aufgegangen, freute sich Michael Körner am Tag nach der Wahl. Die größte Herausforderung werde es jetzt sein, sich so schnell wie möglich einzuarbeiten und die Probleme der Gemeinde anzupacken. Körner geht nicht davon aus, dass es eine Brandmauer im Gemeinderat geben wird. Man sei zum Wohle Steinbergs bereit, zusammenzuarbeiten.

Nicht nur sie verfolgten am Sonntagabend in Steinberg am See gespannt die Wahlergebnisse: Sylvia Haas (l.), Frau des SPD-Bürgermeisterkandidaten, und Susanne Meßmann, Frau des neuen Bürgermeisters. - Foto: Petra Beer-Dausch