Amazon-Logistikzentrum in Rohr: Das lange Warten auf ein Monsterprojekt

Von Martin Rutrecht · 31. Dezember 2025 um 15:00

Bis zu 18 Millionen Artikel, gelagert in Hallen mit einer Höhe von 24 Metern, ausgebreitet auf zehn Fußballfelder: In etwa diese Dimensionen hätte das geplante Amazon-Logistikzentrum in Rohr (Landkreis Kelheim). Doch seit zwei Jahren ist die Frage unbeantwortet, ob es gebaut wird oder nicht. 2026 steht die Entscheidung an.

■ Vorhaben: Der Online-Versandkonzern Amazon und Projektbetreiber Panattoni planen in Bachl bei Rohr auf dem Areal des früheren Guts Stocka westlich der Staatsstraße 2230 ein Logistikzentrum (23 Hektar/60.000 m² Hallenfläche), östlich der Straße soll ein Park (9,5 Hektar/50.000 m²) für weitere Firmen errichtet werden. Über 1000 Arbeitsplätze, später bis zu 3000 sollen entstehen. Das Projekt nennt sich offiziell „Wirtschaftspark an der A93“.

■ Kosten: Offizielle Zahlen sind noch nicht kolportiert. Vergleichbare Projekte schlagen mit einem dreistelligen Millionen-Euro-Betrag zu Buche. Amazon und Panattoni wollen auch sämtliche Erschließungskosten tragen, dazu zählt eine eigene Auffahrtsspur auf die Autobahn, die dem Lkw-Verkehr dienen soll. Aus Logistikzentren werden Waren nicht an Kunden, sondern an Verteilzentren geliefert.

■ Areal: Eigentümer der Flächen ist der Regensburger Unternehmer Franz Rösl. Er betreibt dort mit seiner Firma Rösl Rohstoffe GmbH & Co. KG auf einem Teilstück Tonabbau. Mit den Projektbetreibern schloss er einen „Reservierungsvertrag“, das Areal ist aber noch nicht verkauft. „Dazu gibt es nichts Neues“, sagt Amazon-Unternehmenssprecher Oliver Kentschke.

■ Widerstand: Nach Bekanntwerden der Pläne hat sich der Protest hauptsächlich in der BIA („Bürgerinitiative Abensberg und benachbarte Gemeinden“) formiert. Auch die BI Bachl ist dagegen. Umliegende Kommunen wie Langquaid, Abensberg oder Saal a. d. Donau brachten ihre ablehnende Haltung mit Beschlüssen im Gemeinderat zum Ausdruck.

Wasserzweckverbände um den Vorsitzenden der Hopfenbachtal-Gruppe, Leo Poschmann, haben heuer auf Gefahren für das Trinkwasser von 20.000 Abnehmern hingewiesen. - Foto: Rutrecht

■ Verfahren: Der Rohrer Marktgemeinderat billigte die Pläne im Februar 2024 mit 15:2 Stimmen. Daraufhin folgte eine frühzeitige öffentliche Beteiligung. Pläne und Gutachten waren im Rathaus ausgelegt und online einsehbar.

■ Einwände: Bei der öffentlichen Auslegung gingen über 400 Eingaben und Stellungnahmen ein. Wesentliche Fragen sind die Verkehrsbelastung, der Naturschutz, die Abwanderung von Arbeitskräften aus regionalen Firmen zu Amazon – 50 Betriebe unterzeichneten einen „Brandbrief“ – und der Einfluss auf soziale Strukturen (Wohnungen, Kitas, Schulen). Heuer schlugen Wasserzweckverbände Alarm, Verunreinigungen vom Betriebsgelände könnten durch Eintrag in den „Hopfenbacheinfall“ das Trinkwasser von rund 20.000 Abnehmern gefährden.

■ Politik: Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger befürwortete in einem Gespräch mit unserer Zeitung das Vorhaben. Ministerpräsident Markus Söder äußerte sich nicht und verwies zu inhaltlichen Fragen auf Aiwangers Ministerium. Der Kelheimer Kreisausschuss sah sich nach einer Grundsatzdebatte nicht zuständig. Die Entscheidung sei Sache der Fachbehörden. Landrat Martin Neumeyer hatte bei der Vorstellung der Pläne von einer „Riesen-Chance und Herausforderung“ gesprochen, wollte dies später aber als „meine eigene persönliche Meinung“ verstanden wissen.

Die Luftaufnahme zeigt das Areal neben der A93: Oberhalb des Tonabbaus Rösl (im Vordergrund) ist der Panattoni-Park geplant, rechts davon das Amazon-Logistikzentrum. - Foto: Stefan Satzl

■ Ist-Stand: Seit dem Eingang der Einwände im Frühjahr 2024 wird auf eine Behandlung der Eingaben im Rohrer Marktgemeinderat gewartet. Verschiedene Fachstellen sind in die Vorbereitungen miteingebunden. Jüngst wurde auch an unsere Zeitung herangetragen, es gebe im Januar 2026 eine dreitägige Sitzung zu den Einwänden. Das sei nicht richtig, sagt Bürgermeisterin Birgit Steinsdorfer. „Im Januar ist Stand jetzt eine Sitzung mit 20. 1. im Kalender, aber nicht zum Thema Logistikpark.“

■ Ausblick: Amazon und Panattoni halten weiterhin am Projekt fest. „Es gibt momentan keine weiteren Updates“, sagt Sprecher Kentschke auf die Frage nach einer möglichen Abkehr vom Vorhaben. In 2026 wird sich der Marktgemeinderat Rohr aller Voraussicht mit den Einwänden befassen. Sollten alle Hürden gemeistert werden, folgt eine weitere öffentliche Auslegung der Pläne. Ob und wann es zur Errichtung eines Amazon-Logistikzentrums kommt, ist völlig offen.