Areal für Amazon-Standort in Rohr: Besitzer zu Verkauf der Flächen bereit

Der umstrittene Wirtschaftspark Stocka mit einem Amazon-Logistikzentrum in Rohr kommt offenkundig einen weiteren Schritt voran. Franz Rösl, der Eigentümer der benötigten Flächen, bekundet seine Bereitschaft, das Areal an die Projektbetreiber zu verkaufen. Die Baupläne zum Vorhaben liegen jetzt öffentlich aus.
„Ein Kaufvertrag ist noch nicht erstellt bzw. unterschrieben“, erklärt Rösl, der mit seinem Unternehmen Rösl Rohstoffe GmbH und Co. KG aus Regensburg 75 Hektar des früheren Guts Stocka hält, auf Anfrage der Mediengruppe Bayern.
Die „grundsätzliche Bereitschaft“, die benötigten gut 30 Hektar zu veräußern, sei seinerseits aber vorhanden. „Es gibt eine Reservierungsvereinbarung. Diese regelt vor allem, dass wir an keinen anderen Interessenten verkaufen, solange der Planungsprozess läuft.“
Seit dem Jahr 2000 Eigentümer des früheren Gutshofs
Im Jahr 2000 erwarb Rösls Firma die insgesamt 75 Hektar im Rohrer Ortsteil Bachl von einem anderen Betrieb (Renz), seit 2005 baut das Unternehmen im nordöstlichen Teil auf rund 14 Hektar Sand und Ton ab. Dies will der Inhaber beibehalten, der langfristig auch über eine Erweiterung des Abbaus nachdenkt.
Die übrige Fläche blieb bislang gewerblich ungenutzt. Als im Vorjahr die Pläne für einen Wirtschaftspark mit einem Amazon-Logistikzentrum (23 Hektar) an der West- und weiteren Firmen an der Ostseite (Panattoni-Park/9,5 Hektar) aufkamen, hatte Rösl über einen Verkauf noch nicht entschieden. Er verwies auf Punkte wie „Biodiversität und Naturschutz“.
Heute sagt er: „Ich will der Entwicklung des Marktes Rohr nicht im Wege stehen.“ Offen ist für ihn aber weiterhin „die Detaillierung der Nachhaltigkeitsthemen“: Von den verwendeten Baustoffen über Begrünung und Landschaftsbild bis zur Energiegewinnung reiche dabei die Palette, sagt Rösl.
„Das ist für uns sehr wichtig, da das Projekt nicht nur den wirtschaftlichen Interessen des Investors dienen soll, sondern auch der Region“, bekräftigt er. Rösl geht davon aus, dass diese Punkte im Lauf des Jahres geklärt werden. Zu einem möglichen Verkaufspreis will er sich nicht äußern.
Amazon und Panattoni schweigen sich aus
Bei Amazon verweist man zum laufenden Grundstücksankauf auf den Projektentwickler Panattoni. Dort will man aber auch nicht viel sagen, „zum einen weil wir uns an vielen Stellen in Vertragsverhandlungen befinden und zum anderen aus Schutz gegenüber den Verkäufern“, so PR-Managerin Sarah Friedrich, die ergänzt: „Der Plan ist, dass bis zum Satzungsbeschluss alle Flächen fixiert sind.“ Neben dem eigentlichen Areal sind für Zufahrten und die Ertüchtigung von Straßen auch Grundstücke von umliegenden Eigentümern erforderlich.
Die „Bürgerinitiative Region Abensberg und benachbarte Gemeinden“ (BIA), die sich gegen das Vorhaben wendet, sieht sich vom nahenden Verkauf an die Projektierer nicht überrascht. „Bei Großprojekten ist es üblich, dass im Vorfeld ein Kaufvertrag abgeschlossen wird, der unter der Bedingung zustande kommt, dass eine Baugenehmigung erteilt wird“, sagt Vorsitzender Roland Weiß. BIA-Vertreter hatten im Vorjahr auch mit Rösl gesprochen – von ihm zeigt sich Weiß jetzt enttäuscht. Die Aussage, das Projekt müsse der Region dienen, sei „schwammig und nach Belieben interpretierbar“.
Pläne im Rohrer Rathaus und im Internet einsehbar
Indes sind die Pläne für den Wirtschaftspark nach dem Aufstellungsbeschluss durch den Markt Rohr am 20. Februar seit vergangenen Montag öffentlich einsehbar. Die Markträte hatten sich mit 15:2 Stimmen für eine „Änderung des Flächennutzungsplans in ein Sondergebiet Logistik und einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan“ ausgesprochen. Bis 27. März sind die Unterlagen im Internet (www.markt-rohr.de) oder im Rathaus von Montag bis Mittwoch sowie Freitag von 8 bis 12Uhr und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr zugänglich. Auf Wunsch wird die Planung auch erläutert.
Überplant sind 38 Hektar, die bislang unter anderem als landwirtschaftliche Fläche, öffentliche Verkehrsfläche, landschaftstypische Grünfläche, landschaftliches Vorbehaltsgebiet und Wald ausgewiesen sind. Auch die verkehrliche Erschließung ab dem A93-Zubringer Abensberg wird in den Unterlagen dargestellt.
Einige Gutachten liegen vor
Beigefügt sind Gutachten zu Artenschutz- und Emissionsprognose, Entwässerung, Schallschutz und Verkehr sowie eine Umweltverträglichkeitsprüfung. Bei dieser frühzeitigen öffentlichen Beteiligung können auch Bürger ihre Stellungnahmen abgeben.