Banden treiben ihr Unwesen in Kelheim: Vom spektakulären BMW-Klau bis zur Mafia

Der Arm der Mafia reicht bis in den Landkreis Kelheim. Den Eindruck erweckte ein Prozess zum Verkauf eines teuren Autos. Auf luxuriöse Schlitten in Kelheim hatte es wiederum eine Bande abgesehen. Der Raubzug missglückte. Ebenso wie ein Bierdiebstahl bei der Brauerei Kuchlbauer aufflog – er wird Anfang 2026 neu verhandelt.
Er gab sich als Betreiber einer Eisdiele in Rheinland-Pfalz aus. Und zeigte Interesse an einem Audi RS Q3, den ein Mann aus dem östlichen Landkreis Kelheim über einen befreundeten Kfz-Händler aus der Region im Internet zum Verkauf anbot. Als Preis waren 75.000 Euro aufgerufen.
Der Käufer reiste an, das Geld hatte er in einer Papiertüte dabei. Der Händler brachte das Geld noch am selben Tag seinem Freund vorbei. Verkäufer und Händler ahnten nichts Böses. Doch der neue Besitzer war nicht irgendwer – sondern ein Mitglied der kalabrischen Mafiaorganisation ’Ndrangheta. Das LKA Rheinland-Pfalz hatte den Italiener schon im Visier. Er habe sich mit Familienmitgliedern zu einer Bande vereint. Der Autokauf diente laut Ermittlern der Geldwäsche.
Was den beiden Männern aus dem Landkreis vor dem Amtsgericht Kelheim eine Anklage wegen „leichtfertiger Geldwäsche“ bescherte. Sie seien angesichts der hohen Barsumme zur Geldwäscheverdachtsmeldung verpflichtet gewesen. „Ich hatte keine Anhaltspunkte für Zweifel“, erklärte der Händler vor Gericht.
75.000 Euro einkassiert
Dass es nicht koscher war, dämmerte ihnen spätestens ein Jahr nach dem Verkauf. Die Kripo erschien zu Hausdurchsuchungen. Das Geld war nicht mehr vollständig vorhanden, weil es der Verkäufer zum Teil bereits ausgegeben hatte. Dennoch zogen die Ermittler per Pfändungsbeschluss 75.000 Euro ein. Der Mann konnte die Summe aufbringen.
Letztlich wurden beide Verfahren eingestellt. Allerdings sieht der Verkäufer die 75.000 Euro nie wieder, sie bleiben eingezogen. Der Händler muss 100 Arbeitsstunden ableisten.

Hochpreisige Autos standen auch im Mittelpunkt eines Raubzugs Anfang des Jahres in Kelheim. Auf sechs teure BMW im Wert von 750.000 Euro hatte es eine polnische Bande abgesehen. Die Täter schlugen am Gelände von BLG Logistics in Kelheim zu.
Den Coup wollten sie in der Nacht auf den 5. Januar 2025 landen. Dazu reisten sieben Männer aus Polen ein, wurde später ermittelt. Sie durchtrennten in der Nacht den Zaun zum BLG-Areal. Sechs BMW schnappten sie sich. Jeder Täter sollte mit einem Auto abhauen, vermutlich nach Polen.
Flucht endet im Straßengraben
Bei der Abfahrt geriet ein Dieb bei Saal aber in eine Polizeikontrolle. Er flüchtete und landete im Straßengraben. In der Folge stellte die Polizei vier weitere BMW sicher. Ein X4 aber war weg: Er wurde nach Polen verschafft.
Drei Täter gingen der Polizei in die Fänge. Gegen die drei polnischen Staatsbürger (48, 44 und 41 Jahre) verhandelte das Amtsgericht Regensburg wegen wegen schweren Bandendiebstahls. Zwei Männer bestritten ihre Beteiligung. Chatnachrichten wie „Wir werden jetzt das Tor öffnen“ oder „Wir sind nah am Fluss und verstecken uns im Gebüsch“ widersprachen dem.
Das Schöffengericht verurteilte den 48-Jährigen zu zwei Jahren und sieben Monaten Haft. Zwei Monate mehr erhielt der 41-Jährige. Mit Bewährung kam der 44-Jährige davon, der seine Mittäterschaft einräumte. Mittlerweile wurden zwei weitere Tatverdächtige gefasst, teilt eine Polizeisprecherin auf Anfrage mit. Sie befänden sich in deutschen Justizvollzugsanstalten.
7240 Kisten Bier gestohlen?
Um schweren Bandendiebstahl geht es auch in einem Verfahren gegen vier frühere Mitarbeiter der Brauerei Kuchlbauer in Abensberg. Sie sollen bei ihrem Arbeitgeber über Jahre Bier geklaut haben. Die Staatsanwaltschaft spricht von 7240 Kisten, Gegenwert samt Pfand knapp 100.000 Euro.
Ein Urteil fiel im November 2024 am Amtsgericht Kelheim. Doch Angeklagte und Anklagebehörde gingen in Berufung. Am 7. Januar 2026 um 13 Uhr beginnt der Prozess am Landgericht Regensburg von vorne. Angesetzt sind sieben Verhandlungstage (7., 8., 12., 14., 15. und 26. Januar).
In der Beweisaufnahme gilt es erneut zu klären, ob die Tatvorwürfe stimmen. Zwischen 2019 und 2022 sollen die vier Ex-Mitarbeiter (drei Bierfahrer und ein Lagerist) vor Auslieferungen jeweils eine Palette mit 40 Bierkästen mehr in den Lkw geladen haben, als bestellt war. In einem Container bei Saal a. d. Donau lagerten sie diese bei einem Stopp ein.
Aus dem Depot sollen die Angeklagten das Bier zum Eigenkonsum und zum Weiterverkauf abgeholt haben. Teils dürfte es eine spannende Aufarbeitung werden. So spielte eine Detektei bei der Aufdeckung mit eine Rolle. Sie wurde von der Brauerei eingeschaltet und überwachte die Touren mit Kameras und Trackern an den Liefer-Lastern. Bei der Vorführung des Filmmaterials im ersten Prozess fühlte man sich ein wenig in einen Niederbayern-Krimi versetzt.