Diese Gerichts-Prozesse haben den Landkreis Schwandorf 2025 bewegt

Von Philipp Breu · 28. Dezember 2025 um 19:00

Ein Mann, der schlafende Mädchen missbrauchte. Ein verurteilter Mörder, der in Schwandorf auf Diebestour ging. Oder eine junge Frau, die sich aus falsch verstandener Vaterliebe in dicke Drogengeschäfte verwickeln ließ: Am Landgericht und den beiden Amtsgerichten in Schwandorf und Amberg wurden wieder Fälle verhandelt, die fassungslos machten. Ein Überblick

Massive Alkoholprobleme: Zeitsoldat misshandelte sein einmonatiges Baby

Es waren schwere Vorwürfe, mit denen sich ein 38-jähriger Zeitsoldat im Juli diesen Jahres konfrontiert sah. Er musste sich vor dem Amtsgericht Schwandorf verantworten, weil er seinen damals ein Monat alten Sohn massiv körperlich misshandelt haben soll. Der Säugling erlitt bei der Tat im Januar 2023 teils schwere Verletzungen.

Der Angeklagte zeigte sich geständig. Er schilderte, damals unter einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten zu haben, verursacht durch schlimme Erfahrungen in Afghanistan. Zur Tatzeit habe er viel Alkohol getrunken. Mittlerweile befinde er sich aber in Therapie und mache Fortschritte.

Die Erinnerung an seine Tat belastete den Angeklagten offenbar sehr. Nachdem einige Zeugen vernommen wurden, brach der Mann förmlich im Gerichtssaal zusammen. Landgerichtsarzt Dr. Miedel erklärte ihn daraufhin für verhandlungsunfähig. Die Sitzung wurde abgebrochen, um psychologische Fortschritte nicht zu gefährden. Der Arzt ordnete eine Pause von mindestens vier bis sechs Monaten an. Ein neuer Verhandlungstag ist bisher nicht terminiert.

Angestellter brachte seinen Chef durch Lügen in Untersuchungs-Haft

Es war ein merkwürdiger Fall, der das Schwandorfer Amtsgericht monatelang beschäftigen sollte. Angeklagt war ein 50 Jahre alter Rumäne, der seinen Ex-Chef durch gezielte Falschbehauptungen hinter Gitter gebracht haben soll. Er warf seinem ehemaligen Vorgesetzten vor, dessen Sohn sexuell missbraucht zu haben.

Die erste von zehn Verhandlungen fand im Januar statt, ein Urteil fiel im Dezember. Der Angeklagte hielt bis zuletzt an seiner Version fest. Doch die Beweislage wurde immer erdrückender. Im Rahmen einer sehr umfangreichen Beweisaufnahme mit 14 Zeugen konnte das Gericht nachweisen, dass die Vorwürfe des mittlerweile 51-Jährigen gegenüber seinem früheren Chef frei erfunden waren.

Richterin Kathrin Heitzer verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung.

Mann aus dem Landkreis berührte schlafende Mädchen unsittlich

Er wartete, bis die Mädchen schliefen. Dann zog er sie aus, berührte sie unsittlich und fotografierte seine Taten. Ein damals 48-Jähriger aus dem Städtedreieck musste sich im Januar deswegen vor dem Landgericht Amberg verantworten.

Der Mann gestand die mehr als 20 Übergriffe in seinen Wohnungen, in Hotels, auf Campingplätzen oder in einem Wohnwagen vollumfänglich. Er wurde zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt. Die verbüßt er allerdings nicht in einem Gefängnis. Denn ein psychiatrisches Gutachten hatte ergeben, dass der Angeklagte unter einer gestörten Sexualpräferenz leide. Seit Juli 2024 sitzt er deswegen in einer forensischen Psychiatrie ein. Und da wird er erst einmal bleiben.

Aus falsch verstandener Vaterliebe: 19-Jährige half bei großem Drogenhandel mit

Sie spielte nur eine untergeordnete Rolle im Drogenbusiness ihres Vaters. Zu diesem Ergebnis kam das Landgericht Amberg im September. Angeklagt war eine 19-Jährige aus dem Landkreis Schwandorf. Sie hatte eine professionelle Bande dabei unterstützt, im großen Stil mit Drogen und Waffen zu handeln. Im Laufe des Prozesses kristallisierte sich heraus, dass die junge Frau jedoch lediglich kleinere Hilfstätigkeiten übernommen hatte. Ihr Antrieb? Die Wertschätzung ihres Vaters, der eine entscheidende Rolle in der kriminellen Vereinigung spielte.

Die 19-Jährige kam mit einem blauen Auge davon. Sie wurde zu einer zweijährigen Jugendstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt. Außerdem musste sie eine Geldauflage in Höhe von 2100 Euro zahlen.

Verurteilter Mörder ging in Schwandorf auf große Diebestour

Drei Autos knackte eine Diebesbande im September 2024 auf dem Park&Ride-Parkplatz am Schwandorfer Bahnhof. Wegen schweren Bandendiebstahls und Sachbeschädigung musste sich das Trio aus Litauen im März vor dem Amtsgericht Amberg verantworten.

Viel Beute machten die drei nicht. Die Männer schlugen die Fensterscheiben der Autos mit dem Bolzenschneider ein und stahlen Bargeldbeträge im unteren dreistelligen Bereich, zwei Garagenöffner, Sonnenbrillen, eine Sporttasche und eine Flasche Champagner.

Das Trio zeigte sich geständig. Ein Detail sorgte vor Gericht dann aber für Aufsehen. Einer der Angeklagten saß in seinem Heimatland wegen Mordes und Erpressung bereits 20 Jahre im Gefängnis. Er war es auch, der aufgrund seiner Vorstrafen am schlechtesten davon kam. Er musste für zwei Jahre und zwei Monate ins Gefängnis.

Seine beiden Komplizen wurden zu Bewährungsstrafen von einem Jahr und sieben Monaten und einem Jahr und zehn Monaten verurteilt.

Schleuser aus dem Städtedreick geht für sechs Jahre ins Gefängnis

Zehn Verhandlungstage waren nötig, um ein Urteil zu finden. Einem 49-Jährigen aus dem Städtedreieck wurde vorgeworfen, fünf syrische Staatsangehörige illegal nach Deutschland gebracht zu haben. Außerdem soll er versucht haben, 29 weitere Ausländer aus Drittstaaten einzuschleusen. Immer wieder hat es Wendungen und Überraschungen in diesem Fall gegeben, auch weil der Angeklagte seine zunächst angegebene Einlassung korrigiert hatte und weil einer der Geschleusten im Zeugenstand plötzlich von wesentlich mehr Migranten sprach, die der Angeklagte illegal ins Land brachte.

Richterin und Landgerichtsvizepräsidentin Elke Escher verurteilte den Mann aus dem Städtedreieck schließlich zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Staatsanwalt Fabian Poxleitner hatte sogar acht Jahre und sechs Monate gefordert.

Vater missbrauchte und filmte eigene Tochter – Vor Gericht gab's Tränen und Küsse

Dieser Fall machte fassungslos. Ein Familienvater verging sich mehrmals an seiner eigenen Tochter und filmte seine Taten teilweise. Ermittler fanden auf Laptops und dem Handy außerdem unzählige Kinderpornos.

Im Juli wurde dem damals 50-Jährigen der Prozess vor dem Landgericht Amberg gemacht. Unter Tränen gestand der Mann seine Taten, man sah ihm sichtlich an, dass er sich schämte. Und dann hörten auch noch die Ehefrau und Mutter seiner beiden Kinder sowie die eigene Mutter zu.

Die Sache war durch das Geständnis schnell klar. Die Kammer verhängte nach kurzer Beratung eine Haftstrafe in Höhe von fünf Jahren und drei Monaten. Der Angeklagte versprach, sich einer Therapie zu unterziehen.

Eine bemerkenswerte Szene gab es nach Urteilsverkündung dann noch. Der Mann ging schnurstracks zu Ehefrau und Mutter, beugte sich über die Absperrung zum Zuschauerbereich. Es folgten innige Umarmungen und Küsse.

Ehefrau des Captagon-Paten kommt mit blauem Auge davon

Letzten Endes war sie nur ein kleines Rädchen im Drogen-Imperium ihres Mannes – und eine wirkliche Alternative hatte sie nicht. Ende des Jahres musste sich eine 56 Jahre alte Syrerin vor dem Landgericht Amberg verantworten. Sie soll ihren Ehemann dabei unterstützt haben, das deutschlandweit bisher größte Drogenlabor für Captagon zu betreiben.

Dieses wurde Anfang Juli 2023 in Regensburg entdeckt. Die Ermittler stellten mehr als 300 Kilo Drogen, diverse technische Geräte und Chemikalien, um weitere drei Tonnen Captagon zu produzieren, sicher. In einem Haus im Landkreis Schwandorf, in dem auch die Angeklagte wohnte, fanden die Beamten weitere 22 Kilo Captagon-Tabletten und fünf Kilo Chemikalien zu deren Herstellung.

Beim Prozess kristallisierte sich heraus, dass die Syrerin lediglich kleinere Aufgaben übernommen hatte. Eine gewichtige Rolle im Drogenimperium ihres Mannes spielte sie nicht. Die 56-Jährige kam mit einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren davon, die zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Ihr Mann dürfte dagegen eine deutlich höhere Strafe erwarten, sollte er jemals gefasst werden. Er war einen Tag vor dem Zugriff des BKA ausgereist – und kehrte nie wieder zurück. Nach ihm wird international gesucht.