Verurteilter Mörder ging auf Diebestour: 45-Jähriger und zwei Komplizen brachen Autos in Schwandorf auf

Von Vanessa Ebert · 11. März 2025 um 19:00

Drei Autos knackte eine Diebesbande im vergangenen September auf dem Park&Ride-Parkplatz am Schwandorfer Bahnhof. Wegen schwerem Bandendiebstahl und Sachbeschädigung musste sich das Trio aus Litauen daher am Montag vor dem Amtsgericht Amberg verantworten.

Eigentlich waren die drei Männer laut eigener Aussage zum Tatzeitpunkt auf Arbeitssuche. Sie hätten sich zuvor in Berlin aufgehalten und die Anreise in die Oberpfalz auf sich genommen, um ihre Arbeitskraft in einem Großbetrieb im Landkreis Schwandorf anzubieten. Doch es kam anders.

Am 24. September 2024 hätten sich die Männer zusammengetan und die Fensterscheiben von drei abgestellten Fahrzeugen mit einem Bolzenschneider eingeschlagen, um Diebstähle zu begehen, hieß es in der Anklageschrift. Viel Beute machte das Trio dabei nicht. Es stahl Bargeldbeträge im unteren dreistelligen Bereich, zwei Garagenöffner, unter anderem zwei Markensonnenbrillen, eine Sporttasche mit Markenschuhen und -kleidung und eine Flasche Champagner.

Schon alkoholisiert angereist

Inwieweit der zum Tatzeitpunkt konsumierte Wodka eine Rolle bei der Tat gespielt hatte, das konnte auch vor Gericht nicht vollständig geklärt werden. Ihre lückenhafte Erinnerung an die Taten führten die Männer jedenfalls auf den Alkohol zurück. Schon auf dem Weg nach Bayern habe man dem Hochprozentigen zugesprochen.

Auf die Frage von Richterin Kathrin Rieger, was die Bande mit ihrem Diebesgut vorgehabt hätte, konnten die drei nichts erwidern. Es sei nichts von großem Wert dabei gewesen, meinte einer der Angeklagten, die aus der Untersuchungshaft kamen und in Fußfesseln vorgeführt wurden.

Am Tatort versteckt

Als erster der Geschädigten kehrte an jenem Septemberabend ein 62-jähriger Oberviechtacher zu seinem aufgebrochenen Auto zurück. Nachdem er die böse Überraschung bemerkt hatte, verständigte er die Polizei. Wie der Mann angab, sei dann bald die Besitzerin des zweiten beschädigten Autos dazugekommen, eine 26-jährige Bulgarin. Der Besitzer des dritten Autos, ein 37-jähriger Schwandorfer, sei telefonisch verständigt worden, erklärten Polizisten im Zeugenstand.

„Noch vor Ort bemerkten wir einen dunkel gekleideten Mann, der sich hinter ein Auto duckte“, erklärte die 26-jährige Geschädigte. Dabei handelte es sich um einen der Angeklagten, einen 45-jährigen gelernten Schlosser, der in seinem Heimatland bereits 20 Jahre wegen Mordes und Erpressung im Gefängnis gesessen hatte.

Als sein Versteck aufflog, flüchtete er auf ein Grundstück in Bahnhofsnähe. Dort habe er jedoch schnell gestellt werden können. Wie ein Polizist vor Gericht erklärte, habe sich der Alkoholkonsums des Täters schnell bemerkbar gemacht. „Er ist über einen niedrigen Strauch gestolpert“, erinnerte sich der Beamte. Ein Alkoholtest habe schließlich einen Wert zwischen 1,3 und 1,4 Promille ergeben.

In leerstehendem Haus gefasst

Die anderen beiden Täter, ein 46-jähriger sowie ein 35-jähriger Mann, wurden am folgenden Morgen von der Polizei festgenommen. Die Diebe hatten sich in einem leerstehendem Haus in Bahnhofsnähe versteckt. Wie ein Polizist erklärte, hatten die Beamten das Haus kontrolliert und dabei die gestohlenen Gegenstände, über den Boden hinweg verteilt, entdeckt. Auch bei den beiden Männern wurde ein Alkoholtest durchgeführt, der jeweils etwa zwei Promille ergab.

Das Diebestrio zeigte sich vor Gericht geständig. Der 45-Jährige nahm die Schuld auf sich und sagte aus, er habe die Tat alleine begangen. Er entschuldigte sich – allerdings „nicht bei den Männern, nur bei der Frau“. Die anderen beiden gaben die Tat jedoch auch zu und zeigten sich reumütig.

Verurteilt wurde der 45-jährige gelernte Schlosser – auch aufgrund seiner Vorstrafen – zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren und zwei Monaten. Wie Richterin Rieger erklärte, seien die drei Taten innerhalb kurzer Zeit begangen worden. Warum die Täter aufgehört hätten, wisse man nicht. Es wäre denkbar gewesen, dass die Diebestour fortgesetzt worden wäre, hätte die Festnahme nicht stattgefunden.

Besser kamen die anderen beiden Männer davon. Wie die Richterin ausführte, sei der 46-Jährige bereits mit 21 Jahren nach Deutschland gekommen, integriert und als selbstständiger Handwerker tätig gewesen. Zudem habe er bisher keine Vorstrafen. Seine Strafe von einem Jahr und sieben Monaten wurde zur Bewährung ausgesetzt.

Zurück ins Arbeitsleben

Der 35-jährige, der nach eigenen Angaben keinen Beruf erlernt und bereits einige Vorstrafen habe, wurde zu einem Jahr und zehn Monaten verurteilt, ebenfalls auf Bewährung. Die beiden Täter möchten ihr Vorhaben jetzt umsetzen und eine Arbeitsstelle finden. „Die Zeit in Untersuchungshaft war eine große Lehre“, erklärten beide.

Zusammen müssen die drei Männer 285 Euro Wertersatz leisten. Dabei handelt es sich um den Bargeldbetrag, der den Geschädigten bisher nicht wieder zurückgegeben werden konnte. Die gestohlenen Sachgegenstände hatten die Diebstahlopfer bereits wieder zurückerhalten. „Zu meiner Freude habe ich meinen Garagenöffner wieder“, erklärte ein Geschädigter.