Schwerer Bandendiebstahl in Schwandorf: Stand 24-Jähriger bei den Taten nur Schmiere?

Von Philipp Breu · 6. März 2025 um 19:00

Es war eine beachtliche Beute, die eine Bande auf einem nächtlichen Diebeszug in Schwandorf ergaunert hatte. Die Täter klauten im Februar 2024 Werkzeug von der Brückenbaustelle zwischen Klardorf und Bubach und rissen sich anschließend bei Oberweiherhaus Kupferkabel-Rollen unter den Nagel. Am Donnerstag musste sich ein 24-Jähriger deshalb vor dem Amtsgericht Amberg verantworten.

Wenige Wochen später sorgte ein weiterer versuchter Diebstahl im Regensburger Uniklinikum für Schlagzeilen. Eine Frage stand dabei im Mittelpunkt: Welche Rolle spielte der Beschuldigte bei den Taten?

Laut Anklage sollen sich die Diebstähle in Schwandorf in der Nacht von 9. auf 10. Februar vergangenen Jahres zugetragen haben. Zu diesem Zeitpunkt fanden Bauarbeiten an den beiden Naabbrücken zwischen Klardorf und Bubach statt. Die Täter brachen dort zwei Container auf und entwendeten teures Werkzeug, darunter Trennschleifer, Kettensägen und Bohrhammer. Auch eine 150 Kilo schwere Betonfräse sowie mehrere Kupferkabel wurden zum Diebesgut. Der Gesamtwert der Beute lag im fünfstelligen Bereich, außerdem entstand hoher Sachschaden.

Noch in der gleichen Nacht zogen die Diebe laut Anklage weiter nach Oberweiherhaus. Ziel war eine Freiflächenphotovoltaikanlage. Neben dieser standen Rollen voller Kupferkabel. Auch diese nahmen die Täter mit. Außerdem brachen sie einen Anhänger auf.

Elektroinstallateur erwischte Dieb in flagranti

Wenige Wochen vergingen, bis auch das Uniklinikum in Regensburg einen versuchten Diebstahl von Kupferkabeln zu beklagen hatte. Die Täter verschafften sich dort Zugang zu einem Stromversorgungsraum und schnitten mit einem Trennschleifer Kupferkabel ab. Besonders pikant: Wie später bekannt wurde, war an den beschädigten Stromverteilerkästen auch ein sogenannter Superkühler angeschlossen. In diesem waren wichtige Proben für Forschungszwecke gelagert. Einer der Diebe wurde in flagranti von einem alarmierten Elektroinstallateur erwischt, sprang daraufhin aus dem Fenster und floh ohne Beute.

Die vom Augenzeugen abgegebene Täterbeschreibung sowie Bilder von Überwachungskameras am Uniklinikum und gefundene DNA-Spuren bei der Brückenbaustelle in Schwandorf führten schließlich zum nun Angeklagten. Dabei handelt es sich um einen 24 Jahre alten Mann mit bulgarischer Staatsbürgerschaft, der seit vielen Jahren in Deutschland lebt. Nachdem Beamte der Kriminalpolizei bei der Durchsuchung seiner Wohnung einen Teil des Diebesguts fanden, wurde am 13. September 2024 Haftbefehl erlassen. Seitdem sitzt der junge Mann in der JVA Amberg in Untersuchungshaft.

Zum Prozess vor dem Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Kathrin Rieger erschien er mit Fußfesseln. Die Staatsanwaltschaft, vertreten durch Dr. Johannes Weiß, warf ihm schweren Bandendiebstahl, Sachbeschädigung, versuchten Diebstahl mit Waffen und gemeinschädliche Sachbeschädigung vor.

Bei Diebstählen in Schwandorf nur im Auto gesessen

Auf Anregung von Verteidiger Tobias Richter zogen sich die Prozessbeteiligten zunächst zu einer Erörterung zurück. Das Ergebnis: Das Gericht würde ein umfassendes Geständnis sehr zugunsten des Angeklagten werten. Das bedeute aber nicht, dass die Strafe damit automatisch auf Bewährung ausgelegt werden könne.

Der Angeklagte entschied sich, seine Version der Dinge zu erzählen. Er kündigte aber auch an, keine Angaben zu seinen Komplizen zu machen. Der 24-Jährige gestand, dass er bei den beiden Diebstählen in Schwandorf mit dabei war. Allerdings sei er lediglich dafür zuständig gewesen, Wache zu halten. Er habe kurz vor der Tat zusammen mit seinen Komplizen in der Wohnung Crystal Meth konsumiert. Von den Drogen aufgeputscht, soll einer aus der Runde den Plan entwickelt haben, auf nächtliche Diebestour zu gehen.

Er, der Angeklagte, hätte mitkommen sollen, um Schmiere zu stehen. „Eigentlich wollte ich nicht“, beteuerte er. Doch letztlich habe er sich dann doch in sein Auto gesetzt und sei zusammen mit seinen beiden Komplizen, die in einem weißen Sprinter unterwegs gewesen sein sollen, zur Naabbrücken-Baustelle gefahren. Während die beiden Mittäter die Container aufbrachen und das Werkzeug klauten, will der Beschuldigte nur nervös in seinem Auto gewartet und Ausschau gehalten haben. „Ich hatte Handschuhe an – warum, weiß ich nicht mehr. Ich habe sie immer wieder an- und ausgezogen und extrem viel geraucht“, sagte er vor Gericht.

Mit dem Vorfall am Uniklinikum in Regensburg nichts zu tun

Nach etwa 20 Minuten sei es dann weiter Richtung Oberweiherhaus zur Solaranlage gegangen. Auch hier sei er zunächst nur im Auto gesessen und hätte aufgepasst. Außerdem habe er einem seiner Komplizen seine Handschuhe gegeben, als dieser einen Anhänger aufbrechen wollte. So erklärt der Angeklagte auch, warum seine DNA-Spuren später am Tatort gefunden wurden. Einmal habe er dann selbst zugepackt, beim Verladen einer Kupferkabelrolle.

Für seine Hilfe habe er 300 Euro in Bar erhalten. Außerdem habe er einen kleinen Teil der Beute behalten dürfen. Mit dem Vorfall am Uniklinikum in Regensburg will der Angeklagte dagegen nichts zu tun gehabt haben. Er habe lediglich einem Bekannten sein Auto zur Verfügung gestellt. Deshalb sei dieses später auch auf den Überwachungskameras zu sehen gewesen. „Ich wusste nicht, was er vor hat. Er hat nur gemeint, dass er mal mein Auto bräuchte“, beteuerte der 24-Jährige.

Täterbeschreibung passte nicht 100-prozentig zum Angeklagten

Der Elektroinstallateur, der den Täter in Regensburg in flagranti erwischt hatte, sah das anders. Er sagte bei seiner Zeugenbefragung aus, dass der Angeklagte dem Mann sehr ähnlich sieht, der sich damals an den Schaltkästen im Elektronikraum zu schaffen gemacht hatte. „Zu 80 Prozent könnte das vom Gesicht her passen“, sagte er. Doch es gab auch Diskrepanzen. Der mutmaßliche Dieb wurde als großer Mann beschrieben, der gebrochen Deutsch gesprochen hatte. Der Angeklagte jedoch misst gerade mal 1,65 Meter und spricht nahezu akzentfrei deutsch. Auf den Überwachungskameras sei zudem nur die Person zu sehen gewesen, die sich das Auto geliehen haben soll – nicht der Angeklagte.

Das war auch der Grund, weshalb das Gericht dem Beschuldigten den versuchten Diebstahl in Regensburg nicht anlasten konnte. „Wir können nicht zu 100 Prozent beweisen, dass Sie dabei waren“, sagte Rieger zum Angeklagten. Anders sah das aber bei den Diebstählen in Schwandorf aus. Verteidiger Tobias Richter argumentierte hier, dass sein Mandant nur Schmiere gestanden habe und deshalb lediglich wegen Beihilfe zum Bandendiebstahl verurteilt worden könne. Er forderte eine Freiheitsstrafe von unter zwei Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt werden sollte.

Für zwei Jahre und zehn Monate ins Gefängnis

Das Gericht war da allerdings anderer Meinung. Um mit einer reinen Beihilfe zu argumentieren, habe der Angeklagte beim Diebeszug eine zu große Rolle gespielt. Deshalb müsse er dafür auch gerade stehen.

Der 24-Jährige wurde letztlich des schweren Bandendiebstahls und der Sachbeschädigung schuldig gesprochen. Da er nur ein Teilgeständnis abgelegt hatte, käme eine bewährungsfähige Strafe auch nicht mehr in Frage. „Jetzt ist der Fall eingetreten, dass Sie eine Strafe alleine absitzen, mit der Sie, wie Sie selbst gesagt haben, relativ wenig zu tun hatten“, sagte Richterin Rieger zum Angeklagten.

Zwei Jahre und zehn Monate muss er hinter Gittern. Der Haftbefehl wird damit fortgeführt. Außerdem wird Wertersatz in Höhe von 28 700 Euro eingezogen. Das Urteil ist aber noch nicht rechtskräftig. Eine Woche hat der Angeklagte nun Zeit, den Richterspruch anzufechten.

Der Prozess fand am Amtsgericht in Amberg statt. Foto: Philipp Breu