Vater missbrauchte und filmte eigene Tochter – Vor Gericht gab's Tränen und Küsse

Von Philipp Breu · 18. Juli 2025 um 14:26

Alleine das Verlesen der ellenlangen Anklageschrift war nur schwer zu ertragen. Ein Familienvater aus dem Landkreis Schwandorf soll seine minderjährige Tochter mehrmals sexuell missbraucht und seine Taten teilweise gefilmt haben. Ermittler fanden auf Laptops und dem Handy außerdem unzählige Kinderpornos. Am Freitag wurde dem 50-Jährigen am Landgericht Amberg der Prozess gemacht. Er gestand sofort – und muss nun lange hinter Gitter.

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Der erste Griff zum Taschentuch ließ nicht lange auf sich warten. Im Schwurgerichtssaal sieben saß ein Mann, der sich offenbar in Grund und Boden schämte. Tränen liefen über seine Wangen, immer wieder vergrub er das Gesicht in seinen Händen. Angesichts dessen, was ihm die Staatsanwaltschaft vorwarf, schien eine derartige Reaktion mehr als menschlich. Und dann hörten auch noch die Ehefrau und Mutter seiner beiden Kinder sowie die eigene Mutter zu.

Der Mann, der zuletzt im Städtedreieck wohnhaft war, soll sich mehrmals an seiner eigenen minderjährigen Tochter vergangen und einige seiner Taten mit Filmen und Fotos dokumentiert haben. Die Übergriffe erstreckten sich über mehrere Jahre. Beim ersten Vorfall war die Tochter gerade einmal elf Jahre alt, beim offenbar letzten 13. Der Angeklagte zog seine Tochter aus und berührte sie mit Händen und dem Mund im Intimbereich. Teilweise habe er sie genötigt, sein erigiertes Glied anzufassen. Dafür gab es Belohnungen – mal Bargeld, mal neue Puppenkleider, mal einen Kopfhörer, den sich das Mädchen schon lange gewünscht hatte.

Vier solcher Übergriffe soll es laut Anklage im Zeitraum von 2020 bis 2024 gegeben haben. Außerdem soll der Mann seine Tochter auch heimlich beim Duschen im Badezimmer gefilmt haben.

Angeklagter gestand sofort

Die Sache flog – so wurde es vor Gericht bekannt – auf, als der Sohn den Laptop des Vaters benutzte und dort Videos seiner Schwester vorfand. Er verständigte die Polizei. Die nahm den 50-Jährigen widerstandlos fest, konfiszierte zwei Handys und einen Laptop. Dort fanden sie eine riesige Menge kinderpornografischer Inhalte: knapp 5000 Fotos und 59 Videos von jungen Mädchen, die teilweise geschätzt gerade einmal ein Jahr alt waren.

Schon auf der Fahrt in die Dienststelle hatte der Angeklagte vor den Polizisten ausgepackt. Das sollte eine Beamtin der Kripo vor Gericht später bestätigen. Seit 27. September 2024 sitzt er in Untersuchungshaft. Der Angeklagte machte auch am Freitag vor Gericht keinen Hehl aus seinen Taten. Über seine Anwältin Selina Riemer räumte er alle Vorwürfe der Anklage vollumfänglich ein und ließ verlauten, dass er seiner Tochter im Zuge eines Täter-Opfer-Ausgleichs mittlerweile 4000 Euro Schmerzensgeld hat zukommen lassen.

„Ich habe riesige Schuldgefühle und bereue alles zutiefst. Ich tue mich schwer, in den Spiegel zu schauen.

Der Angeklagte vor Gericht

Er ließ es sich auch nicht nehmen, selbst ein paar Worte zu verlieren, die er sich zuvor aufgeschrieben hatte. „Ich habe riesige Schuldgefühle und bereue alles zutiefst. Ich tue mich schwer, in den Spiegel zu schauen“, sagte er unter Tränen. Es sei ein Hilferuf gewesen, der nicht gehört wurde. Die Verhaftung komme für ihn einer Erlösung gleich. Er hasse sich für seine Taten, würde alles dafür geben, diese ungeschehen zu machen. Er habe Suizidabsichten entwickelt und versucht, sich im Gefängnis umzubringen. „Ich kann nur um Verzeihung bitten und hoffe auf einen fairen Prozess“, so der Angeklagte, der auch ankündigte, sich einer Therapie zu unterziehen.

Depressionen und pädophile Neigung

Damit war die Sache eigentlich schnell klar. Lediglich die Höhe der Haftstrafe stand noch zur Debatte. Bei einem zuvor einberufenen Rechtsgespräch zwischen Verteidigung, Staatsanwältin Jasmin Hertel und der Kammer unter Vorsitz von Richter Christian Frey, konnten sich alle Parteien auf eine Haftstrafe von mindestens fünf und maximal sechs Jahren einigen. Bedingung war ein vollumfängliches Geständnis, dass der Angeklagte dann eben auch bereitwillig lieferte.

Dann wurde die Beweisaufnahme eröffnet. Zuerst sprach die sachbearbeitende Beamtin der Amberger Kripo. Sie bezeichnete den Angeklagten als sehr kooperativ. Er habe Handys und Laptops sofort herausgegeben und sich widerstandlos festnehmen lassen. „Er hat auch gleich alles eingeräumt“, schilderte die Polizistin.

Anschließend ergriff Psychiater Thomas Lippert das Wort, der als Gutachter beauftragt wurde. Er bescheinigte dem Angeklagten eine depressive Verstimmung, die er nach eigenen Aussagen seit Jahren medikamentös behandeln ließe. Außerdem liege eine offensichtliche pädophile Neigung vor, die aber nicht so ausgeprägt sei, dass sie als schuldmindernd angesehen werden könne. Er riet dem Angeklagten zu einer Therapie in einer Einrichtung für Sexualstraftäter. Der 50-Jährige nickte.

Nach Verkündung des Urteils gab es Küsse und Umarmungen

Dann ging es auch schon an die Plädoyers. Sowohl Staatsanwältin Hertel als auch Verteidigerin Riemer hoben vor allem das umfassende Geständnis des Angeklagten hervor. In Sachen Strafhöhe gingen die Meinungen dann aber doch auseinander. Hertel forderte sechs Jahre, Riemer fünf Jahre Haft.

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Die Kammer verhängte nach kurzer Beratung schließlich eine Haftstrafe in Höhe von fünf Jahren und drei Monaten. „Nutzen Sie die Chance und machen Sie eine Therapie“, sagte Richter Frey in Richtung des Angeklagten. Der nickte abermals und wischte sich die letzten Tränen aus dem Gesicht.

Eine bemerkenswerte Szene gab es nach Urteilsverkündung dann noch. Der Angeklagte ging schnurstracks zu Ehefrau und Mutter, beugte sich über die Absperrung zum Zuschauerbereich. Es folgten innige Umarmungen und Küsse.