Rücksichtslose Raser in der Regensburger Fußgängerzone – „Kurioses Ergebnis“ bei Kontrolle

Der Verkehr in der Regensburger Altstadt bleibt Reizthema. Während sich die einen über „Rowdys“ auf zwei Rädern beschweren, sorgen in der Maxstraße Autoposer für gefährliche Situationen. Polizei und Ordnungsamt wissen von dem Problem, kündigen Konsequenzen an. Ein Kontrolltag der Stadt endet jedoch mit einem „kuriosen Ergebnis“.
Wenn Katharina Neumeier mit ihrer Tochter durch die Maxstraße läuft, nimmt sie die Kleine bei der Hand. Der Grund sind Autoposer, die ohne Rücksicht auf Verluste durch die Fußgängerzone „rasen“. Neumeier berichtet von brenzligen Situationen. „Die Leute erschrecken und springen auf die Seite“, sagt die Chefin vom Hotel Weidenhof.
„Das haben wir auf dem Schirm“, sagt Rechtsreferent Dr. Walter Boeckh, als sich der Sicherheitsbeirat am Montag mit dem Verkehr in der Altstadt beschäftigt. Gerade in der Maximilianstraße ignorierten Autofahrer die Fußgängerzone, seien zudem zu schnell unterwegs. „Das erhöht das Risiko für Fußgänger, insbesondere für Kinder, Ältere oder Sehbehinderte.“ Boeckh berichtet von einem „Ortstermin zu dieser Problematik“ – und von einem „etwas kuriosen Ergebnis“, nämlich keinem.
Regensburger Altstadtbus legt Maxstraße lahm
Laut Michael Bleckmann, Leiter des Amtes für öffentliche Ordnung und Straßenverkehr, sollte vergangene Woche der Autoverkehr in der Maximilianstraße einer „stichprobenartigen Kontrolle“ unterzogen werden. „Die stand unter keinem guten Stern. Leider hat ein Altstadtbus genau dort, wo wir kontrollieren wollten, den Dienst verweigert und die komplette Straße gesperrt.“ Eine Baustelle in der Schäffnerstraße habe das Vorhaben ad absurdum geführt. „Aber die Problematik ist uns bewusst, wir werden dort intensiv kontrollieren“, kündigt Bleckmann an. Allerdings sei diese „personalintensive Angelegenheit“ nur im Rahmen des „üblichen Aufgabenkanons“ des Verkehrsüberwachungsdienstes möglich. Will heißen: „Wir kontrollieren regelmäßig, aber wir können natürlich nicht immer vor Ort sein.“ Dass die Disziplin der Autofahrer in der Maxstraße „durchaus steigerungsfähig“ ist, bestätigt der oberste Verkehrshüter der Stadt.
Auch der Polizei ist das Problem bekannt – obwohl das Beschwerdeaufkommen laut Karin Paul von der zuständigen Polizeiinspektion Süd sehr gering sei. Autoposer, also Leute, die in ihren hochmotorisierten Autos allein des Gesehenwerdens wegen durch die Stadt fahren, seien nicht nur in der Altstadt ein Thema. Auch drum herum, am Jakobstor und an der Eisernen Brücke, seien sie unterwegs, gerne am Wochenende.
„Es gibt so einen Altstadtkreisel“, sagt Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD). Die Route habe ihren Ursprung in den Autokorsos bei großen Fußballturnieren, ergänzt Paul.

Laut Neumeier, Vorsitzende der Interessensgemeinschaft Maxstraße, sind die teuren Autos, an deren Steuer vornehmlich junge Männer sitzen, vor allem in den Abendstunden unterwegs. Ein beliebtes Ziel sei der Dönerladen in der Maxstraße. „Obwohl dort eine Fußgängerzone ausgewiesen ist, fahren sie einfach rein und stellen ihr Auto hin.“
Autoposer aus den Nachbarlandkreisen in Regensburg unterwegs
Oft handle es sich um Autos mit Kennzeichen aus angrenzenden Landkreisen wie Schwandorf oder Kelheim, sagt Polizistin Paul. Dort sei die Szene größer. „Sie fahren also gezielt in die Stadt, weil sie hier mehr Publikum haben“, schlussfolgert Maltz-Schwarzfischer.
Paul verortet das Poser-Aufkommen im mittleren zweistelligen Bereich. Oft wirke eine Ansprache, manche seien aber unbelehrbar. Die Polizeihauptkommissarin kündigt Schwerpunktkontrollen an. Aber es ist wie bei den städtischen Ordnungshütern: „Die Polizei ist dran, kann aber natürlich nicht immer da sein“, fasst die Oberbürgermeisterin zusammen.
Verkehr in der Regensburger Altstadt: Von Radl-Rowdys und Rücksicht
In der Altstadt ist die Polizei vor allem mit Parkverstößen beschäftigt und hat auf dem Neupfarrplatz einen Schwerpunkt ausgemacht. „Und der Verkehr wird nicht kontrolliert?“, will Ulrich Böken wissen. Der Seniorenbeirat schimpft über „Rowdys“, die in der Altstadt viel zu schnell unterwegs seien – ob im Auto, auf dem Rad oder dem E-Scooter. „Selbstverständlich finden in der Fußgängerzone Kontrollen statt“, bekräftigt Amtsleiter Bleckmann. Jedoch, so gibt er zu bedenken, gälten auch Lieferverkehrszeiten. Und ein Radverbot gibt es nicht.

Böken bleibt dabei: „Da entstehen gefährliche Situationen.“ Der Radverkehr habe sich enorm beschleunigt. „Das ist richtig“, pflichtet Maltz-Schwarzfischer bei. Sie verweist auf die Verkehrsberuhigung der Altstadt, die peu à peu umgesetzt wird. Der Plan sieht vor, dass in einem Dutzend Gassen und Straßen Tabuzonen für Radler entstehen.
Bleckmann fordert – egal um welche Regeln es geht – gegenseitige Rücksichtnahme. „Wenn wir alle ein bisschen auf uns aufpassen, kann das Ganze funktionieren.“