So sieht der Verkehrs-Plan für die Regensburger Altstadt aus

Von Juliana Ried · 10. Juli 2025 um 05:00

Weniger Durchgangsverkehr und Autos auf Parkplatzsuche in der Altstadt und dafür mehr Ruhe und Grün für Bewohner und Passanten, die dann umso lieber im Zentrum einkaufen sollen: An dieser Vision arbeitet die Stadt Regensburg seit Jahren, verstärkt seit 2019. Am Mittwoch veröffentlichte die Stadt den Maßnahmenplan für die Verkehrsberuhigung, über den die Stadträte ab Dienstag abstimmen sollen. Hier finden Sie Fragen und Antworten.

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Was ändert sich für Autofahrer und Lieferanten?

Autofahrer sollen weiterhin die Altstadt erreichen können. „Eine reine Durchfahrt, ohne direktes Ziel in der Altstadt, soll jedoch unterbunden werden“, heißt es in dem verkehrlichen Maßnahmenplan.

Dazu sollen die Erschließungsstraßen so angelegt werden, dass sie eine nahezu geschlossene Schleife bilden, die Parkhäuser und öffentliche Parkplätze anbinden. Eine Zufahrt zu Seitenstraßen und engen Gassen soll ohne Sondergenehmigung nicht erlaubt sein.

Im Wesentlichen soll die Zu- und Abfahrt durch Einbahnstraßen erfolgen, auch Wendeschleifen soll es geben. Langfristig – bis 2035 – sollen versenkbare, elektrisch steuerbare Hubpoller an den Zufahrten installiert werden. Wohnverkehrsstraßen, die es nur in Regensburg gibt, sind auch Bestandteil des neuen Konzepts.

Sie sind frei für Autofahrer auf dem Weg zum privaten Stellplatz oder zum Hotel, für Lieferanten, Soziale Dienste, Handwerker und für Umzüge mit Sondergenehmigungen sowie für Taxis. Damit sich die Autofahrer künftig an die Regeln halten, will die Stadt auch auf die Kennzeichenerfassung durch Kameras setzen.

Am Hunnenplatz gibt es schon Poller, weitere sollen kommen. - Foto: Tino Lex

Wie wird das Parken und Halten geregelt?

Die Stadt will das Parken in der Innenstadt auf Parkhäuser und zentrale Parkplätze konzentrieren. Circa 448 Stellflächen auf Straßen und Plätzen der Altstadt will sie streichen. Etwa 325 davon will sie zunächst auf der Mobilitätsdrehscheibe am Unteren Wöhrd, wo ein Parkhaus mit 580 Plätzen entstehen soll, ersetzen.

Auch wenn circa 123 Parkplätze ganz wegfallen, sei der „Grundbedarf“ gedeckt, denn es gebe „ungenutzte Kapazitäten“, besonders nördlich und nordöstlich der Donau, etwa am Dultplatz oder am Unteren Wöhrd.

Das Parken in Stadtamhof – auch am Dultplatz – soll künftig etwas kosten. Dort, am Jacobi-Parkplatz und am Unteren Wöhrd sind günstige Tarife für Pendler beziehungsweise Arbeitnehmer vorgesehen. Zu Zeiten mit besonders hoher Auslastung sei eine „ergänzende Nutzung von Park- and-Ride-Anlagen“ möglich.

Sollte sich herausstellen, dass der Bedarf sinkt, könnten Außen-Parkplätze der Mobilitätsdrehscheibe zugunsten von Grün weichen. Besonders in Wohngebieten soll das Bewohnerparken ausgeweitet werden. Die Zahl der Bewohnerstellplätze soll von 1667 auf 2286 steigen.

Für den Lieferverkehr will die Stadt 48 Ladebereiche ausweisen, die „bei Bedarf“ auch Handwerker und Pflegedienste nutzen dürfen, zudem soll es Paketstationen geben.

In einer Reihe von Gassen sollen Radler künftig absteigen. - Foto: Tino Lex

Was gilt für Fußgänger und Radfahrer?

Im verkehrlichen Maßnahmenplan heißt es: „Eine Verkehrsberuhigung verringert den Autoverkehr spürbar, was die Sicherheit für zu Fuß Gehende und Radfahrende deutlich erhöht, insbesondere an den engen Stellen und Kreuzungen der Altstadt.“

Die Fußgängerzone will die Stadt deutlich ausweiten. Im Osten soll sie bis zum Domplatz reichen, im Westen Ludwig- und Gesandtenstraße umfassen. Auch Donaumarkt und Teile der Donaulände sollen zur Fußgängerzone werden.

Lieferverkehr vormittags und abends ist dort prinzipiell erlaubt, zum Teil auch der Altstadtbus, private Stellplätze oder Behindertenstellplätze dürfen mit einer Sondergenehmigung angesteuert werden.

Im größten Teil der Fußgängerzone soll „Rad frei“ gelten, in einem Dutzend Gassen und Straßen aber sollen Tabuzonen für Radler entstehen: In Kramgasse, Tändlergasse, Unterer Bachgasse, Weißer-Lilien-Straße, Hinter der Grieb, Krebsgasse/Steinergasse, Posthorn-, Hacken- und Rehgässchen, Metgebergasse und Taubengässchen.

Radler sollen bevorzugt „smarte Routen“ auf den zentralen Nord-Süd- und Ost-West-Achsen am Altstadtrand nutzen. Fußgänger sollen von durchgängigen Wegen, abgesenkten Bordsteinen, Sitzmöglichkeiten, Leitsystemen zum Fühlen oder kontrastreichen Markierungen profitieren.

Wie sollen die Busse fahren?

Die Stadt will den öffentlichen Nahverkehr als „verlässliche und komfortable Alternative“ zum motorisierten Individualverkehr stärken. Dazu plant sie Umweltspuren für Busse und Radler: in der Weißen-Lamm-Gasse und der Adolph-Kolping-Straße, wo künftig kein motorisierter Individualverkehr mehr unterwegs sein soll.

In der Thundorferstraße soll auch eine reine Busspur Richtung Westen kommen, flankiert von einem Radweg. Langfristig will die Stadt die Thundorferstraße ebenfalls für den Kfz-Verkehr sperren.

Was passiert mit zentralen Plätzen?

Straßenräume und Plätze sollen sicherer und lebenswerter, auch kühler gestaltet werden: unter anderem mit verengten Fahrbahnen, Aufenthaltsbereichen, Sitzmöglichkeiten, Begrünung. Besonders an ausgewählten Plätzen wie der Obermünsterstraße und dem Obermünsterplatz, dem Alten Kornmarkt und dem Emmeramsplatz sollen die grünen Maßnahmen sichtbar umgesetzt werden, ohne die historische Struktur der Altstadt zu beeinträchtigen“, verspricht der Maßnahmenplan. So sollen etwa am Emmeramsplatz die Parkplätze „teilweise oder vollständig“ entfernt werden.