Weniger Autos und mehr Grün in der Regensburger Altstadt: Kann das so klappen?

Das Nachher-Bild von der Obermünsterstraße zeigt mehrere Bäume mit großen Kronen, darunter Freisitze und Bänke, einen Bachlauf, dazwischen flanierende Passanten – und keine Autos. Mit diesem Flyer wirbt die Stadt für die Verkehrsberuhigung in der Altstadt, bisher hinter den Kulissen. Doch die Entscheidung naht, am 15. Juli stimmt der Planungsausschuss des Stadtrats über weniger Autos in der Altstadt und das neue Parkhaus am Unteren Wöhrd ab. Jetzt ringen Interessenvertreter und Stadträte um einzelne Aspekte – und Parkplätze.
Regensburger Vereine, Verbände und Kammern kennen Entwürfe, zuletzt bekamen sie Anfang der Woche im M26 hinter verschlossenen Türen Informationen von der Stadt. Die großen Linien: Es sollen im Zentrum 448 Parkplätze entfallen. 325 davon will die Stadt zur Mobilitätsdrehscheibe am Unteren Wöhrd verlagern, deren Herzstück ein Parkhaus mit 580 Plätzen bilden soll. Vor allem aber sollen deutlich weniger öffentliche Stellflächen an Straßen und auf Plätzen zur Verfügung stehen – 1425 statt 2611 und viel mehr für Bewohner, nämlich 2286 statt 1667. Die Fußgängerzone soll sich deutlich vergrößern, unter anderem um den Domplatz.
Wann bekommt die Altstadt mehr Grün und Wasser
Achim Hubel, der an der Spitze der Altstadtfreunde steht, ist die Verkehrsberuhigung so wichtig, dass er die „Kröte“ Parkhaus schluckt. Doch der Termin im M26 irritierte ihn so, dass er Alarm schlägt, öffentlich und in Briefen an Stadträte. „Es stört mich sehr, dass fast nur über Parken und Autos geredet wurde“, sagt Hubel. Er fürchtet, dass das viele bestärkt, gegen das Paket zu stimmen. „Aber es geht im Grunde um die Lebensqualität in der Altstadt.“ Die Stadt zeige mehr Bäume und Wasser auf künstlerisch gestalteten Bildern, der Zeithorizont sei aber vage und reiche bis 2035. Einen konkreten Zeitplan gebe es nur für den 2024 gestoppten Parkhausbau. Dabei werde es immer heißer im Welterbe. „Es ist unser Anliegen, dass man den Bürgern klarmacht, dass man so nicht weiterleben kann in der Altstadt.“
Wolfgang Bogie, Kreischef des ökologisch orientierten Verkehrsclubs Deutschland, teilt Hubels Bedenken bezüglich des Zeitplans, und zwar mit Blick auf die Kommunalwahl. „Wir sind auch skeptisch, dass das, was die Verwaltung plant, dann auch wirklich umgesetzt wird. Wenn wir einen Mehrheitenwechsel haben im März, ist die Befürchtung, dass die Verkehrsberuhigung auf die lange Bank geschoben wird.“ Er fordert daher, „dass mindestens klargestellt wird, dass die Kurzfristmaßnahmen auch kurzfristig umgesetzt werden und man erst dann das Parkhaus wieder freigibt“.
Die Wirtschaft hat zum Teil völlig andere Interessen. Während die Kaufleute-Vereinigung Faszination Altstadt den Vorschlag der Stadt mitträgt, sagt Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz: „Uns geht es vordringlich nicht um eine zügige Umsetzung, sondern vor allem um eine Beachtung und Wahrung der Belange unserer Mitglieder.“ Das Ziel, dass diejenigen, die in die Stadt müssten, sie weiterhin erreichen könnten, sei sinnvoll. Aber es dürfe dabei keine neue Bürokratie entstehen. „Auch das Thema Parken für Mitarbeiter fehlt bislang schlüssig in den Konzepten.“
Industrie- und Handelskammer: Das Auto bleibt dominant
Die Industrie- und Handelskammer (IHK) begrüßt zwar eine Reduzierung unnötigen Parksuch- und Durchgangsverkehrs in der Altstadt, wie Martin Kammerer, Geschäftsführer des IHK-Gremiums Regensburg sagt, hält aber eine Mobilitätsdrehscheibe mit insgesamt 1000 Parkplätzen für zu klein. „Die Erreichbarkeit der Unternehmen in der Altstadt für Kunden, Besucher, Mitarbeitende und Lieferanten hat oberste Priorität“, betont Kammerer. Weil der Landkreis Regensburg eine Flächenregion sei, werde der Pkw mittel- bis langfristig das dominierende Verkehrsmittel bleiben.
Die CSU im Stadtrat hatte sich zuletzt kritisch gezeigt, was das neue Parkhaus angeht. Sie verzichte lieber darauf als auf die wertvollen Parkplätze in der Altstadt. Grüne, SPD und die Brücke-Fraktion sind für weniger Autos im Welterbe, wobei die Brücke die Mobilitätsdrehscheibe gern größer hätte und die Grünen ein Parkhaus ablehnen – grundsätzlich zumindest. Derzeit sind die Stadträte noch dabei, die mehrere hundert Seiten umfassenden Unterlagen zum Thema, die ihnen die Stadtverwaltung in dieser Woche zuschickte, zu studieren und sich eine Meinung zu bilden.