Horrorszenario auf der A3: So schlimm wäre eine Sperrung der Sinzinger Autobahnbrücke

Von Jonas Raab · 6. November 2025 um 18:00

Rund 8000 Autobahnbrücken in Deutschland sind sanierungsbedürftig. Welche Auswirkung es hätte, müssten sie gesperrt werden, hat der ADAC am Beispiel von fünf großen Brücken in schlechtem Zustand errechnen lassen. Darunter: Die Donaubrücke Sinzing bei Regensburg. Wie steht es um das marode Bauwerk?

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Täglich passieren etwa 55.000 Fahrzeuge - ein knappes Viertel davon sind Lastwagen – die Brücke auf der wichtigen Ost-West-Verbindung der A3. Eine Vollsperrung würde den Verkehr laut ADAC zu weiten Umwegen über die A93 und A6 zwingen und die Fahrzeiten deutlich verlängern. Den volkswirtschaftlichen Schaden einer Sperrung der Brücke taxiert der Dienstleister PTV auf 75 Millionen Euro pro Jahr. Autofahrer müssten demnach 47 Millionen zusätzliche Kilometer fahren und würden 3,5 Millionen Stunden verlieren.

„Das wäre natürlich fatal“, sagt Patrick Grossmann (CSU). Doch er sei guter Dinge, dass dieser Fall nicht eintrete, meint der Landtagsabgeordnete und ehemalige Bürgermeister von Sinzing. Die Pläne der Autobahn GmbH für das marode Bauwerk lobt er. Erst kürzlich habe man sich ausgetauscht.

A3-Brücke Sinzing „ist instandgesetzt und hält“

Dass es um das 930 Meter lange Bauwerk aus dem Jahr 1966 schlecht bestellt ist, ist kein Geheimnis. Sie muss abgerissen werden. Die Planungen für einen Neubau laufen. Trotzdem wurde die bestehende Brücke im vergangenen Jahr noch saniert – „damit sie den unklaren Zeitverlauf bis zum Ersatzneubau stehen bleiben kann und den Verkehr über die Donau bringt“, erklärt Christoph Graebel, der für die Projektkommunikation zuständig ist.

„Die Brücke ist instandgesetzt und hält“, stellt Graebel klar. Zur ADAC-Studie sagt er: „Das zeigt, welche volkswirtschaftlichen Kosten man riskiert, wenn man nichts tut. Das sehen wir auch so.“ Daher auch die Instandsetzungsmaßnahme kurz vor dem Abriss. „Die Brücke muss offen bleiben, bis der Verkehr über die neue fließen kann. Das ist die wichtigste Maßgabe.“

Im Zuge des Brückenneubaus wird die A3 auf dem rund 13 Kilometer langen Abschnitt zwischen dem Autobahnkreuz Regensburg und der Anschlussstelle Nittendorf sechsspurig ausgebaut – ein Mammutprojekt. Seit Frühjahr wird das Vorhaben in zwei Abschnitten nacheinander weitergeplant. Doch wann wird die neue Brücke gebaut? Da mag sich Graebel nicht festnageln lassen. So ein Neubau sei „nicht trivial“. Geschützte Felshänge, Anschlussstellen, dazu Kreis- und Gemeindestraßen, die Bahntrasse und nicht zuletzt die Donau: „Es gibt einiges zu beachten“, sagt Graebel und verweist auf das nötige Planfeststellungsverfahren. Einen groben Zeitplan lässt sich der Sprecher dann doch noch entlocken: Geht es nach der Autobahn GmbH, soll die neue Brücke innerhalb der kommenden zehn Jahre gebaut werden.

Während des Neubaus soll der Verkehr auf der A3 stets fließen, wenn auch verengt. Bis auf vereinzelte Ausnahmen soll die Brücke „grundsätzlich offen bleiben“, sagt Graebel.

Marode Autobahnbrücken: „Mit jedem weiteren Jahr steigen die Risiken“

Neben der Sinzinger Autobahnbrücke hat sich der ADAC auch mit Bauwerken in Hamburg, Baden-Württemberg, Sachsen und Nordrhein-Westfalen befasst. Die massivsten Auswirkungen gäbe es bei einer Sperrung in der Norderelbbrücke an der A1 in Hamburg. Der volkswirtschaftliche Schaden läge bei 334 Millionen Euro pro Jahr.

Angesichts der hohen Zahl sanierungsbedürftiger Brücken fordert ADAC Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand, die zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel aus dem Sondervermögen jetzt zu nutzen, um Sanierungen und Erneuerungen zu beschleunigen. „Mit jedem weiteren Jahr, das bei der Erneuerung einer Brücke ungenutzt verstreicht, steigen die Risiken für Folgeschäden und damit für starke Belastungen von Autofahrern, Anwohnern und Volkswirtschaft erheblich“, warnt er.