Die „schlechteste Straße“ von Regensburg: Bewohner der Konradsiedlung schlagen Alarm

Von Rainer Wendl · 6. November 2025 um 05:00

Der Zustand der Colmarer Straße in Regensburg ist desolat, Anwohner halten die kaputte Fahrbahndecke sogar für gefährlich. Sie fordern die Stadt zum Handeln auf – doch die Liste der sanierungsbedürftigen Trassen ist lang.

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Die Colmarer Straße in der Konradsiedlung führt bogenförmig von der Sandgasse zur Brandlberger Straße und hat damit Anschluss an zwei wichtige Erschließungsachsen im Stadtnorden. Sie selbst ist nur eine ruhige Wohnstraße und hat damit in verkehrstechnischer Hinsicht eine untergeordnete Bedeutung. Für einen Superlativ in negativer Hinsicht reicht es trotzdem: „Wenn Freunde bei mir zu Besuch sind, sagen sie immer, dass sie in der ganzen Stadt keine Straße mit einem schlechteren Zustand kennen. Mit dem Radl trauen sie sich hier gar nicht mehr fahren“, erzählt Anwohnerin Brigitte Rohrmüller.

Ein Blick auf die Fahrbahn macht diese Aussagen nachvollziehbar. Sie ist ein Flickenteppich aus notdürftig reparierten Schlaglöchern, an manchen Stellen präsentiert sie sich aber noch desolater: Hier kommen unter der vollends aufgebrochenen Teerdecke lose Steine zum Vorschein. „Größe und Anzahl der Schäden führen immer häufiger zu Unfällen bei Radfahrern und Fußgängern. Die Briefträgerin zum Beispiel ist schon mal gestürzt“, berichtet Rohrmüllers Nachbar Herbert Krämer.

Nichts passiert seit 60 Jahren

Er wohnt schon immer in der Colmarer Straße und kann sich nicht erinnern, dass sie seit der allerersten Aufrüstung von Schotter zu Teer jemals wieder grundlegend erneuert worden wäre. „Das heißt, dass hier ungefähr seit den 60er Jahren nichts Wesentliches mehr passiert ist.“ Nur die gröbsten Schäden seien gelegentlich nach Beschwerde-Anrufen der Anwohner bei der Stadt ausgebessert worden. „Das hat aber eher wie die Entsorgung von Resten aus anderen Baustellen ausgesehen“, meint Krämer.

Seinen Informationen zufolge wurde die schon länger geplante Erneuerung der Colmarer Straße wiederholt aus verschiedenen Gründen zurückgestellt. „In der Umgebung wurden die Klausenburger Straße, Im Reichen Winkel und die Karlsbader Straße vorgezogen“, listet er einige Beispiele auf und äußert auch Verständnis dafür, wenn die Reihenfolge aufgrund von Kanal- und anderen Erdarbeiten abgeändert wird. Trotzdem verliert er in Bezug auf „seine“ Straße langsam die Geduld.

Größe und Anzahl der Schäden führen immer häufiger zu Unfällen bei Radfahrern und Fußgängern. Die Briefträgerin zum Beispiel ist schon mal gestürzt.Herbert Krämer, Anwohner

Die Wasserstandsmeldung der Stadt klingt allerdings ernüchternd: „Der Ausbau und die Erneuerung der Colmarer Straße sind derzeit nicht in Planung“, lautet die Auskunft. Laut aktuellem Investitionsprogramm sei der Beginn dafür erst im Jahr 2027 vorgesehen, bis zur Sanierung dürfte es demnach noch deutlich länger dauern. Fest zusagen kann die Stadt bis dato nur, dass „bei Bedarf“ Straßenreparaturen erfolgten und die Verkehrssicherheit gewährleistet werde.

Dabei ist der problematische Zustand an sich im Rathaus durchaus bekannt. „Die Colmarer Straße muss vollständig umgestaltet und erneuert werden“, bestätigt die Stadt und schätzt den Investitionsbedarf in die Verkehrsflächen auf etwa 700.000 Euro. Was Kanal- und Leitungsbau kosten würden, ist hingegen noch nicht bekannt. Die Art und Weise eines Umbaus müsse ohnehin erst vom Stadtrat beschlossen werden.

Die Stadt räumt jedoch ziemlich offen ein, dass bis zu dieser Entscheidung noch viel Wasser die Donau hinabfließen könnte. Die Colmarer Straße sei nämlich nur eine von vielen sanierungs- und erneuerungsbedürftigen in Regensburg – und als Wohnstraße mit wenigen Anliegern von verkehrlich untergeordneter Bedeutung.

„Im Rahmen der zur Verfügung stehenden Kapazitäten und Ressourcen muss eine Priorisierung der Straßensanierungsmaßnahmen erfolgen“, wird erklärt. Routen mit hoher Verkehrsbedeutung oder auch Buslinien würden dabei Vorrang genießen.

Beim Winterdienst wird’s bizarr

Nicht nur deshalb kann es gut sein, dass die von den Anwohnern gewünschte Sanierung auch künftig nach hinten rutscht. Die Stadt drückt dies so aus: „Aufgrund der zunehmenden Alterung des Straßennetzes muss die Priorisierung laufend aktualisiert werden und es geraten dabei andere Strecken in den Fokus und in eine höhere Dringlichkeit.“

Für Brigitte Rohrmüller, Herbert Krämer und die anderen Nachbarn sind das keine guten Nachrichten. Sie müssen sich darauf einstellen, dass Zustand und Gestaltung der Colmarer Straße noch auf Jahre unverändert bleiben. Im Winter bringt dies eine bizarre Note mit sich: Da der vermeintliche Bürgersteig nur ein befestigter Seitenstreifen ist, dürfen Autos dort parken. Fußgänger benutzen dann zwangsläufig die Fahrbahn, die bei Schnee und Glätte von den Anwohnern geräumt und gestreut werden muss. Damit niemand auf der Straße stürzt, auf der sich bei normaler Witterung keine Radler mehr fahren trauen.

Diese Straßen sind früher dran

• Ablauf: Straßenbaumaßnahmen müssen zunächst ins Investitionsprogramm eingestellt und dann vom Stadtrat abgesegnet werden. Die Planung für 2026 ist längst abgeschlossen.

• Programm: Vorgesehen sind Arbeiten in Wohnstraßen wie der Ostpreußenstraße in Wutzlhofen/Konradsiedlung, der Liebhartstraße in Leoprechting und der Obermaierstraße im Westen, aber auch auf verkehrlich wichtigen Routen wie der Augsburger Straße, der Max-Planck-Straße und dem Odessa-Ring.

• Konzept: Auch im Rahmen der Verkehrsberuhigung der Altstadt tut sich was: Der Weinmarkt und die Straße Am Brixener Hof werden neu gestaltet.