Park-Chaos: Nach Umbau ist die Schlesierstraße in Regensburg zu eng

Der Bürgersteig ist breiter, die Fahrbahn makellos glatt – eigentlich wirkt die Erneuerung der Schlesierstraße in der Konradsiedlung sehr gelungen. Wenn da nicht der Wegfall von zahlreichen Parkplätzen wäre.
Die Baustelle wurde eigentlich 2024 abgeschlossen. Dennoch sind auf nahezu der gesamten Länge der für 1,7 Millionen erneuerten Schlesierstraße in der Konradsiedlung rot-weiße Leitbaken aufgestellt. Sie sollen verdeutlichen, dass das beidseitige Parken in dieser Straße nicht mehr möglich und auch nicht mehr erlaubt ist. Bei vielen Anwohnern muss diese Neuerung erst noch ankommen.
Das ist eine totale Fehlplanung. Bei uns herrscht deshalb jetzt Park-Chaos.
Günter Stadlbauer, Anwohner
Denn über Jahrzehnte war es für sie eine Selbstverständlichkeit, ihre Autos am linken wie am rechten Fahrbahnrand abzustellen. Wer auf Google Maps das – vor der Sanierung aufgenommene – Luftbild der halbkreisförmigen und etwa 530 Meter langen Straße betrachtet, sieht mit Ausnahme von Bereichen mit Grundstückseinfahrten durchgehend auf beiden Seiten geparkte Fahrzeuge. Diese Praxis wurde auch nach Abschluss der Bauarbeiten beibehalten, allerdings wurde dabei ein Problem offenbar: Die Fahrbahn ist jetzt schmäler, zugunsten von breiteren Bürgersteigen.
Übung mit Blaulicht
Anwohner Günter Stadlbauer hat als Fahrlehrer ein geschultes Auge für knifflige Situationen. Ihm war deshalb schnell klar, dass es aufgrund dieser Neuaufteilung des Raums zu Schwierigkeiten kommen würde. „Einen Transporter hab ich mal gesehen. Der ist gerade noch so durch gekommen. Ich hab mich aber immer wieder gefragt, wie die Müllabfuhr das schafft, wenn links und rechts Autos stehen“, sagt er.
Kürzlich wurde er nun Zeuge eines scheinbaren Notfalleinsatzes. An der Ecke zur Pommernstraße standen die Feuerwehr und ein Krankenwagen, beide mit Blaulicht. Bei genauerem Hinsehen stellte er fest: „Das war nur eine Übung. Die wollten testen, ob sie noch problemlos durchkommen.“ Ganz offensichtlich schlug der Test fehl, als Konsequenz wurden zum wiederholten Male Baken aufgestellt.

Für die Stadt als Bauherr der Straßenerneuerung ist der Fall klar. „Da die Fahrbahn verschmälert wurde, ist nach den Vorschriften der Straßenverkehrsordnung beidseitiges Parken nicht mehr zulässig“, lautet die Auskunft. Zudem setzt man voraus, dass die Autofahrer dies selbst erkennen müssten: „Bei Einhaltung der erforderlichen Sorgfalt kann ein Kraftfahrer erkennen, dass in der Schlesierstraße bei beidseitigem Parken die Durchfahrt von größeren Fahrzeugen nicht mehr möglich ist.“
„Leider überwiegend nicht beachtet“
Dem steht allerdings der große Park-Druck in diesem reinen Wohngebiet gegenüber. Stadlbauer kann ein Lied davon singen: „Für unsere Privatautos haben wir zwei Tiefgaragenstellplätze. Doch wenn ich abends mit dem Fahrschulauto heimkomme, muss ich oft zehn Minuten Fußweg entfernt parken, weil in der Nähe nichts frei ist. Das war früher nicht so.“
Trotzdem haben es etliche Anwohner weiterhin wie früher gemacht und ihre Fahrzeuge auch in der schmäler gewordenen Schlesierstraße beidseitig abgestellt. Dass die Situation dafür eigentlich zu eng ist, „wurde in der Vergangenheit leider überwiegend nicht beachtet“, beklagt die Stadt und erklärt: „Das Aufstellen der Leitbaken ist daher eine zeitlich begrenzte Maßnahme zur Verdeutlichung des Haltverbots.“
Fahrlehrer Stadlbauer braucht naturgemäß keine solchen zusätzlichen Hinweise, um sich an Verkehrsregeln zu halten. Dessen ungeachtet hat er aber seine Meinung zur „neuen“ Schlesierstraße, und die ist deutlich: „Das ist eine totale Fehlplanung. Bei uns herrscht deshalb jetzt Park-Chaos.“