Verkehrsberuhigung in der Altstadt von Regensburg: An diesen drei Stellen geht es nun ganz schnell

Bisher hatte sich die Stadt Regensburg nicht in die Karten schauen lassen, wann sie loslegt mit der hoch umstrittenen Verkehrsberuhigung der Altstadt. Am Freitagmittag teilte sie nun mit, dass sie ab Montag Fakten schafft – weder betroffene Anwohner oder Geschäftsleute noch der Stadtrat wussten Bescheid. Betroffen ist unter anderem die Thundorferstraße als zentrale Verkehrsachse.
Wie die Stadt mitteilt, streicht sie in der Thundorferstraße ab Montag die Parkplätze. Übrig bleiben nur vier Flächen für E-Autos an den Ladesäulen. So entstehe mehr Platz für Fahrräder und Lastenräder, auch durch eine Extra-Radspur im Bereich der Wurstkuchl Richtung Westen. Damit werde die Thundorferstraße „künftig eine schnellere Alternative“ für Radfahrer, um durch die Altstadt zu kommen.
Fahrradpiste durch die Stadt
Dass Radler die zum Teil engen Altstadtgassen eher um- als durchfahren sollen, ist ein Element des im Juli vom Planungsausschuss des Stadtrats beschlossenen Verkehrsberuhigungsplans. Dessen zentrale Ziele sind laut Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD): weniger Stau, weniger Autos auf Parkplatzsuche in der Altstadt, klarere Regeln und deutlich mehr Verkehrssicherheit.
Ebenfalls ab Montag bekommt der St.-Peters-Weg einen Radfahrstreifen in Fahrtrichtung Osten. Die Autos, die in dieser Richtung unterwegs sind, verlieren damit eine Spur: Linksabbieger und Geradeausfahrende müssen sich künftig eine Spur teilen. In der Wöhrdstraße sollen ab 27. Oktober Markierungsarbeiten beginnen. Hier kommen neue Radfahrschutzstreifen in Richtung Innenstadt – sie sollen der Stadt zufolge eine wichtige Lücke im Radwegenetz schließen. Parken und Halten auf den Schutzstreifen ist nicht erlaubt. Die öffentlichen Parkplätze und Bewohnerstellplätze würden vollständig auf den südöstlichen Teil der Wöhrdstraße verlegt.

Dass die Mobilitätsdrehscheibe am Unteren Wöhrd „eine optimale Anbindung“ für Radler bekommt, war im Juli eine Bedingung der ÖDP-Fraktion, dem Parkhaus dort zuzustimmen. Mit 28 zu 21 Stimmen beschloss der Stadtrat damals das Paket aus Verkehrsberuhigung und Parkhausbau. Dass die Entscheidung dann doch so klar ausfiel, war unter anderem den drei Stimmen der ÖDP geschuldet.
Geschäftsleute und Anwohner aus den betroffenen Bereichen erfuhren erst auf Anfrage der Mittelbayerischen Zeitung von den Veränderungen, die in ihrem Umfeld anstehen. Und das, obwohl zum Beispiel Richard Weidmüller, Anwohner am Unteren Wöhrd, ohnehin Kontakt mit der Stadt pflegt, weil er sich zuletzt für Veränderungen der Parksituation oder für den Hochwasserschutz in der Werftstraße einsetzte. Als leidenschaftlicher Fahrradfahrer begrüße er alles, was deren Sicherheit dient, sagt er über die geplanten Radfahrschutzstreifen. Die wegfallenden Parkplätze seien wegen einer Baustelle schon seit einigen Wochen nicht mehr benutzbar. „Dadurch erhöht sich der Druck beim Parken in der Werftstraße. Das merken wir jetzt auch schon“, sagt Weidmüller. Dies rühre daher, dass auch Menschen ohne Bewohnerparkausweis ihr Fahrzeug in der Werftstraße abstellen, obwohl sie diesen dafür bräuchten. „Die wissen, dass da in der Nacht nicht kontrolliert wird“, vermutet Weidmüller. Gesenkt werden könnte dieser Parkdruck für die Menschen am Unteren Wöhrd Weidmüllers Ansicht nach durch verstärkte Kontrollen. „Eine einfache Lösung wäre es, wenn die Stadt den Parkplatz am Jacobigelände auch für die Anwohner am Unteren Wöhrd freigeben würde“, schlägt er als Lösung vor.
Debora Zanicolo, Chefin in der Eisdiele Aamu, empfindet es ebenfalls als positiv, dass die Sicherheit der Radfahrer gesteigert werden soll. Allerdings betont sie auch, dass es weiterhin Menschen geben wird, die mit ihrem Auto in die Stadt fahren. „Und da ist es ohnehin schon so angespannt. Viele nehmen dafür sogar einen Strafzettel in Kauf“, sagt sie. Ob sie sich wegen der Veränderungen, die nun anstehen, wirtschaftliche Sorgen machen muss, kann sie noch nicht sagen. Dazu müsse sie sich die Situation erst einmal ansehen.
Kritik an Kommunikation
Die CSU stimmte damals gegen die Verkehrsberuhigung. „Ich bin überzeugt davon, dass es mehr Leerstand geben wird, weniger Kaufkraft in die Stadt fließt“, sagte Fraktionschef Michael Lehner damals. Die nun angekündigten Maßnahmen, von denen er ebenfalls nichts wusste, könne er auf die Schnelle nicht bewerten, da er zur CSU-Haushaltsklausur müsse. „Die Kommunikation ist nicht gelungen“, kritisiert Lehner. Die entscheidende Frage sei: „Verbessert sich irgendetwas signifikant oder fallen bloß wieder Autoparkplätze weg?“ “ Grünen-Fraktionschef Daniel Gaittet sagt: „Es ist gut, dass überhaupt etwas passiert. Aber es ist auch wirklich nur ein Anfang.“ Markierungen und Abstellmöglichkeiten für Fahrräder seien noch keine Verkehrsberuhigung. „Es muss darum gehen, den Durchgangsverkehr rauszubekommen.“