„Unsinnig“: CSU will Autosperre am Regensburger Bahnhof kippen

Von Philip Hell · 15. Oktober 2025 um 05:00

Der Wahlkampf ist in vollem Gange – und der Regensburger Bahnhof mittendrin: Bürgermeisterin und CSU-OB-Kandidatin Astrid Freudenstein plädiert dafür, die Durchfahrtssperre im Bahnhofsareal aufzuheben. Nur: Geht das überhaupt?

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Für Freudenstein ist die Sache klar: „Diese Sperre ist unsinnig.“ Der Verkehr werde dadurch direkt durch die Altstadt geleitet. Im St.-Peters-Weg und am Emmeramsplatz seien dadurch deutlich mehr Autos unterwegs. „Das ist das Gegenteil von Verkehrsberuhigung.“ Dabei sei die Sperre in dieser Art ohnehin nie der Plan gewesen, betont die CSU-Kandidatin. Ursprünglich sei vorgesehen gewesen, ein Kultur- und Kongresszentrum mitsamt Tiefgarage am Bahnhof zu bauen. Unterirdisch hätte dann der Verkehr von West nach Ost und andersherum fließen können. Daraus wurde bekanntermaßen nichts – die Sperre ist dennoch gekommen.

Thomas Burger, OB-Kandidat der SPD, kann ob des Vorstoßes von Freudenstein nur den Kopf schütteln. Das sei typisch CSU. „Rückwärts immer, vorwärts nimmer.“ Zumal die Sperre seinerzeit mit den Stimmen der CSU beschlossen worden sei, gibt Burger zu bedenken. Die Verkehrsberuhigung am Bahnhof sei gelungen, betont Burger – auch wenn man an manchen Schrauben noch drehen könne. Das höre er auch immer wieder in Gesprächen. „Es ist jetzt mehr Platz für Rad- und Fußverkehr. Außerdem ist er von beiden Seiten gut zu erreichen.“ Die Funktion des Bahnhofs sei mithin sichergestellt. Dabei sei das Projekt noch nicht am Ende. „Der Interims-ZOB ist ja immer noch ein Provisorium.“

Autosperre am Regensburger Bahnhof: CSU erklärt Kehrtwende

Diese Kritik will Freudenstein so nicht stehen lassen. „Herr Burger muss das selbst besser wissen.“ Die CSU habe aus Loyalität zur damals noch bestehenden Koalition zugestimmt, betont die Sozialbürgermeisterin. „Das Thema war immer ein Streitpunkt.“

Das wird es nun wohl auch im Kommunalwahlkampf, der in vollem Gange ist. Im Rahmen der Sperre wurde der Bahnhofsvorplatz auch umgebaut, auf westlicher Seite ist beispielsweise ein Kreisverkehr entstanden. Lässt sich die Sperre einfach so wieder rückgängig machen? Grundsätzlich schon, teilt Katrin Butz, Sprecherin der Stadt Regensburg, auf Anfrage mit. Die Verkehrsführung für Autos dürfe man dabei allerdings nicht als isolierte Einzelmaßnahme betrachten. „Es braucht in jedem Fall ein zukunftsfähiges Gesamtkonzept“, betont Butz.

Fest steht, dass die Sperre wohl nicht von heute auf morgen aufgehoben werden kann. Butz sagt, dass ein Umbau des Bahnhofsvorplatzes wohl unumgänglich wäre. Das betreffe beispielsweise die erneute Installation von Ampeln und die barrierefreie Wegeführung, die wohl komplett umgebaut werden müssten, wenn man die Sperre kippt. Dazu kommt: Nach Auffassung der Verwaltung würde eine erneute Öffnung zu „erheblichen verkehrlichen Problemen“ führen. Das gelte insbesondere für den ÖPNV. Grund dafür: Die Straßen und Kreuzungen im Umfeld wurden auf die aktuelle Situation angepasst. Das betreffe insbesondere die Markierungen und Ampeln in der D.-Martin-Luther-Straße zwischen Landshuter Straße und Hemauerstraße. Darüber hinaus müssten zahlreiche Verbände und Interessensgruppen erneut in die Planungen mit einbezogen werden, gibt die Stadt zu bedenken.

Die Verwaltung ist grundsätzlich von der jetzigen Lösung überzeugt, wie aus der Antwort auf die MZ-Anfrage hervorgeht. Die Neugestaltung habe sich bewährt, so Sprecherin Butz. Fahrgäste von Bus und Bahn so wie Radfahrer profitierten von der Sperre.

Und die Verlagerung des Verkehrs, die Freudenstein beobachtet? Die Stadt argumentiert, dass der Bahnhof weiterhin aus allen Richtungen zu erreichen ist. Der Verkehr verlagere sich nach Ansicht der Stadt in erster Linie auf die Friedenstraße. „Insgesamt betrachtet, haben sich die Verkehre in dem Quartier nördlich des Hauptbahnhofs damit reduziert.“

Von der SPD erntet Freudenstein Kritik – und was sagt der Rest? Helene Sigloch, OB-Kandidatin der Grünen, geht ebenfalls auf Konfrontationskurs mit der CSU-Frau. „Wir finden diese Sperre gut“, betont sie. „Das war doch vorher kein Zustand. Die Leute gehen aus dem Bahnhof raus und das erste was sie sehen, ist Verkehrschaos.“ Das habe sich entzerrt. „Der Bahnhofsvorplatz ist inzwischen deutlich attraktiver und entspannter.“ Zumal der Bahnhof nach wie vor von beiden Seiten angefahren werden kann. „Das ist ja das Wichtigste: Es ist weiter möglich, Leute zum Zug zu bringen.“ Freudensteins Argument der Verlagerung in die Altstadt kontert Sigloch mit einer Frage: „Hat sie Zahlen dazu?“ Schon vor der Sperre am Bahnhof seien am Emmeramsplatz viele Autos unterwegs gewesen. In den Gesprächen, die sie geführt habe, sei deutlich geworden, dass Betroffene nun meist auf das Rad umsteigen.

Mehrheit für Sperren-Kehrtwende in Sicht?

Brücke-Spitzenkandidat Thomas Thurow zeigt sich indes gesprächsbereit. Zufrieden war seine Fraktion mit der jetzigen Lösung ohnehin nie. Dennoch kritisiert auch er, dass die CSU den Vorschlag ausgerechnet jetzt platziert, obwohl sie das Projekt ursprünglich mitgetragen hat. „Das kommt doch viel zu spät.“ Nichtsdestotrotz betont Thurow: „Man wird darüber diskutierten in der kommenden Koalition.“ Das Thema werde ganz sicher wieder aufs Tableau kommen.

Freudenstein selbst ist indes sicher, eine Mehrheit organisieren zu können. „So weit ist die nicht entfernt.“