Alibi bekommt tiefe Risse: Angeklagter im Prozess um Pfingstmord in Erklärungsnot

Ermittler der Regensburger Kripo präsentieren im Prozess um den sogenannten Pfingstmord in Mintraching (Landkreis Regensburg) vor dem Schwurgericht ganz neue Details, die frühere Aussagen des beschuldigten Neffen wohl widerlegen. Es geht um Maultaschen im Kühlschrank, eine Funkzellen-Analyse für den Tattag und sein Handy.
Werden einem 51-Jährigen, der sich vor dem Schwurgericht in Regensburg wegen des Mordes an seinem Onkel verantworten muss, ein Einkauf und Funkdaten seines Handys zum Verhängnis? Ermittler überraschten am Montag mit neuen Erkenntnissen, die das Alibi des Angeklagten bröckeln ließen – der will mittags das Haus verlassen haben und erst spätabends zurückgekehrt sein. Doch daran dürfte es jetzt erhebliche Zweifel geben. Es ist nicht das einzige Detail, das erklärungsbedürftig ist.
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Seit Anfang Oktober läuft vor dem Landgericht die juristische Aufarbeitung des Pfingstmordes von Mintraching. Am 27. Mai 2023 war ein 73-Jähriger gegen 22 Uhr tot im Flur seines Hauses in der Hauptstraße gefunden worden. Der Senior war offensichtlich Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. 13 Hiebe mit einem in Folien verpackten Gipserbeil soll der Neffe des Mannes ihm beigebracht haben – so sieht es die Anklage. Die laut Rechtsmedizin mögliche Tatwaffe wurde im VW Polo des Angeklagten sichergestellt. Was zuletzt durch eine Frage vorab öffentlich wurde (die MZ berichtete), bestätigten nun weitere Aussagen von Beamten.
Auto des Angeklagten erst später durchsucht
Die Durchsuchung des Autos in der Garage, die seit dem Tattag versiegelt war, fand allerdings erst Wochen später statt. Offenbar weil man davon ausgegangen war, dass der 51-Jährige an jenem Tag mit dem Rad unterwegs war. Als auf Überwachungsvideos am Arbeitsplatz des Angeklagten ein baugleiches Fahrzeug auftauchte, sah man sich den Kleinwagen wohl näher an. Mit Desinfektionstüchern lag das Gipserbeil im Kofferraum. So bestätigte es einer der Ermittler, der bei der Durchsuchung in Mintraching im Juli 2023 selbst dabei war.
Belege dafür, dass der Angeklagte das Werkzeug bei Bauhaus auch gekauft hat, fanden sich nicht. Dafür brachten die Finanzermittlungen ganz andere Details zutage: Es gab an jenem Samstag zwei Einkäufe bei einem Discounter. In seiner Vernehmung als Zeuge hatte der 51-Jährige nur einen Markt genannt – er will in Obertraubling Bier gekauft habe. Das Six-Pack fand sich auch in einem Rucksack. Die Aussagen will die Verteidigung kippen.
Laut einer EC-Zahlung, die rekonstruiert wurde, hatte er aber um 12.06 Uhr bereits in einer anderen Filiale deselben Discounters in Köfering eingekauft. Dort zahlte er für Pizzakäse, Maultaschen, Eier, Wodka und O-Saft. Bemerkenswertes Detail: Die Mordermittler fanden „mengenmäßig“ dieselben Produkte später im Kühlschrank in seiner Wohnung wieder. Also am Tatort des Pfingstmordes, den er laut eigener Aussage um 12 Uhr verlassen und bis 22 Uhr nicht mehr betreten haben will.
Handy um 20.37 Uhr doch nahe des Tatorts erfasst
Doch das ist nicht das Einzige, was den 51-Jährige nach den Aussagen von acht weiteren Kripobeamten zu belasten scheint, was das Alibi betrifft. Eine umfassende Auswertung der Funkzellen meldete das Handy des Mannes um 20.37 Uhr ebenfalls in Tatortnähe. Mit dem, was der Mann als Zeuge noch in der Nacht nach dem Auffinden des Leichnams ausgesagt hatte, passt auch das nicht zusammen. Er will nach dem Beheben eines fragwürdigen IT-Problems in seiner Arbeit in einem Biergarten in Niedertraubling eingekehrt sein. Dort wurde er kurz vor 21 Uhr auch von unabhängigen Zeugen gesehen. Der Weg dahin führt aber nicht an Mintraching vorbei – sondern in die entgegengesetzte Richtung.
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Am Dienstag (18. November, 9 Uhr) hat das Schwurgericht mit zwei weiteren Beamten geplant, darunter der Hauptsachbearbeiter des Falles Mintraching und der Chef des auf Kapitalverbrechen spezialisierten Kommissariats 1 der Kripo. Er soll einen „Gesamtüberblick“ geben, ehe dann ab 25. November die zahllosen Gutachter im Prozess das Wort haben sollen.