Pfingstmord von Mintraching: Offenbart der Prozess erste Unstimmigkeiten beim Alibi?

Am 27. Mai 2023 kommt ein 73-Jähriger in Mintraching im Landkreis Regensburg gewaltsam zu Tode. Das Landgericht in Regensburg will die Bluttat mit einem Gipserbeil aufklären. Angeklagt ist der Neffe des Opfers. In dem aufwendigen Indizienprozess wurde nun der Tattag rekonstruiert. Und es tauchten ersten Fragezeichen auf.
880 Tage ist es her, dass ein 73-jähriger Mintrachinger an Pfingsten 2023 gewaltsam den Tod fand. Die Anklage spricht von 13 wuchtigen Hieben auf den Kopf, durch die er starb. Tatwaffe soll ein Gipserbeil gewesen sein, dass der Angeklagte mit Folien umwickelt haben soll, um keine Spuren zu hinterlassen. Der 51-Jährige bestreitet das, weshalb ein aufwendiger Indizienprozess läuft – bei dem aktuell der letzte Tag im Leben des Seniors rekonstruiert und das Alibi des Angeklagten beleuchtet wird.
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Viel von dem, was der Angeklagte in seiner ersten Vernehmung bei der Polizei zu den Aktivitäten am 27. Mai 2023 angab, war und ist bisher nicht bekannt. Zeugenaussagen lassen aber den Rückschluss zu, dass der 51-Jährige offenbar an jenem Samstag ungewöhnlicherweise in der Arbeit und abends dann offenbar mit dem Rad in einem Biergarten in Niedertraubling gewesen ist. Dort fiel er den Eltern des damaligen Pächters auf, weil er „ungewöhnlich lange“ auf der Toiletten verschwunden war. Was genau Letzteres mit dem Pfingstmord von Mintraching auf sich hat, blieb allerdings offen.
Dringendes IT-Problem oder automatische Lösung?
Laut Rechtsmedizin starb der Senior im Flur seines Hauses zwischen 15.30 und 16 Uhr. Da war der Angeklagte wohl zur Arbeitsstelle gefahren – um ein IT-Problem zu beheben. Darauf deuten zumindest eine Mail und zwei Telefonate hin, die an einen externen Dienstleister gingen. Hintergrund: Es soll ein Problem mit Speicherplatz auf einem wichtigen System gegeben haben. Dass es regelmäßig entsprechende Warnungen gegeben hat, bestätigten Kollegen gestern auch.
Doch sowohl der Geschäftsführer besagter Softwarefirma als auch ein Entwickler stellten klar, dass das System die Daten „automatisch selber löscht“, wenn der Speicherplatz auf dem Server knapper werde. Es sei kein Eingriff von außen nötig. Das bestätigte auch der Kollege des Angeklagten, der mit ihm gemeinsam für das Programm zuständig gewesen ist. Und er betonte, dass sowas Aufgabe der allgemeinen IT wäre, die für solche Fälle eine telefonische Rufbereitschaft an den Wochenenden vorhalte.
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Tags zuvor hört das Schwurgericht in Regensburg bereits Zeugen und Nachbarn an, um sich ein Bild vom letzten Tag im Leben des 73-Jährigen machen zu können. Der hatte beim Bäcker Brot und Semmeln geholt, für Pfingstsonntag vorbestellt und später im Garten gearbeitet. Letztmals gesehen worden war das Opfer am Tattag etwa gegen 14 Uhr. Als eine Bekannte zwischen 16.30 und 17 Uhr zum vereinbarten Kaffee kam, regte sich im Haus nichts mehr. Der Zeugin fiel aber auf, dass eine Terrassentür im rückwärtigen Teil des Hauses offen war.
Aussage der Ehefrau des Opfers wird wohl öffentlich
Wie am Rande klar wurde, will die Ehefrau des 73-Jährigen offenbar nicht noch einmal aussagen. Das ist nötig, weil der Prozess wegen eines kurzfristig erkrankten Schöffen an Tag zwei geplatzt war und neu gestartet werden musste. Deshalb sollen ein Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft oder eine Mitarbeiterin der Verteidigung angehört werden, die dabei waren. Dann dürfte auch bekannt werden, was die Frau einst nichtöffentlich ausgesagt hatte. Wann das passiert, ist offen.
Im Mordprozess geht es am 28. und 29. Oktober weiter. Insgesamt hat das Landgericht in dem Fall fast 30 Tage bis in den Dezember hinein geplant.