Regensburger Justiz gewährt tiefe Einblicke – nicht nur in gesprengte Tresore

Seit 1905 wird in der Augustenstraße in Regensburg Recht gesprochen – nun öffnen sich für einen Nachmittag dort für alle die Türen. Chefankläger Theo Ziegler will offen über „zu milde Strafen“ diskutieren. Zudem gibt es Prozessspiele, Infostände, Vorträge, Führungen und exklusive Ausstellungsstücke am Freitag beim Tag der offenen Tür.
„Justiz ist für die Menschen da“ lautet der Slogan, mit dem Bayerns Justiz seit einiger Zeit für sich wirbt. „Wir wollen zeigen, dass das wirklich so ist“, betont Landgerichtspräsident Alfred Huber. Am Freitag sei nun die Gelegenheit, dass „sich davon alle überzeugen“ können. Vor allem, dass Justiz weit mehr als schlagzeilenträchtige Strafprozesse zu bieten habe. „Das wollen wir umfassend darstellen.“
Das, was unbescholtene Bürger am ehesten in Kontakt mit der Justiz bringt, soll einer von vier Schwerpunkten beim Tag der offenen Tür werden: Nachlass- und Betreuungssachen, Familienrecht und Zwangsversteigerungen. In mehreren Vorträgen informieren Fachleute beispielsweise über Testamente und Erbfolgen, die Aufgaben eines gesetzlichen Betreuers, Regelungen zu Gewaltschutzverfahren oder auch Chancen und Risiken von Versteigerungen. Zudem soll dem Thema Vorsorgevollmacht ein besonderer Fokus gelten.
Per Drohne durchs Gebäude
Statt auf trockene Theorie setzen die Planer auch auf moderne Medien: Erstmals wird ein Drohnenflug durch die Justizbüros zu sehen sein. Ebenfalls im zweiten Stock werden am Tag der offenen Tür nie gezeigte Asservate, also echte Beweismittel aus Prozessen, sowie eine riesige alte Grundbuchmaschine ausgestellt und so tiefe Einblicke hinter die Kulissen gewährt. Daneben ist ein Simulator aufgebaut, um zu testen, was man lassen sollte: Fahren unter Alkoholeinfluss.
Im dritten Stock des Sitzungsgebäudes in der Augustenstraße 5 gibt es auch alles Wissenswerte rund um berufliche Möglichkeiten – von Justizfachwirt über Rechtspfleger sowie Gerichtsvollzieher bis zum Wachtmeister, die echte Einsatztrainings zeigen (13.15, 14.15 und 15.15 Uhr). „Wir konzentrieren uns auf Berufsbilder, die nicht im Fokus der Öffentlichkeit stehen“, ergänzt Huber. Zudem könne man am Freitag mit Richtern und Staatsanwälten ins Gespräch kommen. „Natürlich nur zu ihren Jobs, nicht zu Fällen.“
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Amts- und Landgericht sowie die Staatsanwaltschaft haben für den Tag der offenen Tür auch das angewandte Recht im Blick behalten. Neben Prozessspielen zum Mitmachen im Straf- wie auch Zivilrecht will Chefankläger Theo Ziegler mit den Menschen direkt ins Gespräch kommen. Mit dem Leitenden Oberstaatsanwalt kann offen darüber diskutiert werden, ob heutzutage „Strafen zu milde“ sind (14.45 und 16.15 Uhr, Sitzungssaal 102).
In den Genuss, selbst wie der Richter oder ein Staatsanwalt zu agieren, kommen vor dem öffentlichen Teil, der ab 13 Uhr beginnt, bereits rund 300 Schüler von Realschulen, Fachoberschulen und Gymnasien aus der Region. Sie können bereits ab 9 Uhr die Angebote nutzen, die erstmals seit mehr als zwei Jahrzehnten überhaupt wieder gemacht werden.
Vielseitige Angebote für jedes Alter
Der letzte Tag der offenen Tür liegt weit zurück. Bereits am Donnerstag findet zudem eine Feierstunde zum 120-Jährigen des Justizgebäudes für geladene Gäste statt, darunter OLG-Präsident Dr. Thomas Dickert aus Nürnberg sowie der frühere Präsident des Bayerischen Verfassungsgerichtshof, Dr. Peter Küspert. Als weiteren Schwerpunkt für den Tag der offenen Tür haben die Organisatoren die Perspektive der Opfer gewählt. Was es zur Gewalt in der Partnerschaft zu wissen gibt und welche Angebote auch die Justiz Betroffenen macht, soll mit Infoständen der Opferhilfe im ersten und zweiten Stock ebenfalls näher beleuchtet werden.
„Wir wollen auch die Opfer in den Blick nehmen“ sagt Huber. Besonders lobt der Landgerichtspräsident die Angebote für jedes Alter. Was die Besucher interessiert, sei sicher altersabhängig. „Deshalb haben wir so ein breites Spektrum abgedeckt und hoffen sehr, dass das gut ankommt.“
Highlights aus dem Programm
Termin: Von 13 bis 17 Uhr findet der Tag der offenen Tür bei der Regensburger Justiz am Freitag statt.
Prozessspiele: Um einen „Fall“ von Alkohol am Steuer (13.15/15.15 Uhr, Sitzungssaal 102) sowie um ein defektes Smartphone (Zivilrecht, 13.45/ 14.45 Uhr, Sitzungssaal 103) geht es dabei.
Infostände: Opferhilfe und Täterarbeit, „Das Grundbuch früher und heute“, echte Asservate und ein Fahrsimulator sowie Nachlass und Betreuung stehen im Mittelpunkt.
Einsatztraining: Die Justizwachtmeister zeigen am Tag der offenen Tür im dritten Stock (Raum 307), wie sie sich mit Einsatztrainings für Ernstfälle fit halten (13.15/14.15/15.15 Uhr).