Pfingstmord in Mintraching: Prozess vor dem Schwurgericht enthüllt neue Details

Ein Zeuge kommt in Erklärungsnot, ein Flirt des Angeklagten wirft Fragen auf: Nach dem Tod eines Seniors Ende Mai 2023 in Mintraching wurde auch beim neuen Freund der Ehefrau durchsucht. Auf seinem Handy fanden die Mordermittler interessante Nachrichten. Warum der Mann letztlich als möglicher Täter ausgeschlossen wurde, blieb vorerst offen.
Ist der 51-Jährige, der sich für den Pfingstmord in Mintraching vor dem Schwurgericht verantworten muss, der Einzige mit einem Motiv? Die Frage danach rückte zuletzt im Prozess in den Fokus. Die Jugendliebe des Angeklagten offenbarte neue Details zu ihrer Rolle in einem früheren Verfahren, scheint aber mittlerweile mit dem Mann gebrochen zu haben. Ein Satz von ihm zur angeklagten Tat ließ sie besonders aufhorchen. Und der neue Freund der Ehefrau geriet vor Gericht in Erklärungsnöte.
Statt im grauen Pulli sitzt der 51-Jährige seit wenigen Tagen akkurat gekleidet im Hemd auf der Anklagebank. Es scheint, als hätte er sich an den Rat einer Freundin – seine Jugendliebe – erinnert, sich ordentlich zu kleiden. Davon berichtete sie vor Gericht. Sie hatte zum Mordversuch an der Ex-Frau des Angeklagten ausgesagt. Der Fall endete für ihn mit einem Freispruch. Wie tief seine Jugendliebe damals involviert war, offenbarte sie viel detaillierter als noch 2021.
Jugendliebe des Angeklagten sagt erneut aus
Als die Frau, die als Richterin in Nordrhein-Westfalen arbeitet, vor vier Jahren in Regensburg aussagte, erzählte sie von Tipps, die sie ihm gegeben haben wollte. Vorgelegen hätten ihr nur Aktenteile wie ein Durchsuchungsbeschluss. Jetzt klang das hingegen völlig anders: Sie sei damals „sehr tief involviert“ gewesen, habe die elektronische Akte gehabt – also alles, was die Ermittler einst gegen den 51-Jährigen zusammengetragen hatten – und mehrfach die Woche mit ihm geredet, wo sie „Schwachstellen gesehen“ habe.
Nach dem Pfingstmord von 2023 wurde sie erneut als Zeugin von der Kripo vernommen. Der Kontakt zum Angeklagten war aber nach dem Freispruch schon abgerissen, wohl, weil sie „nicht mehr gebraucht wurde“, so ihr Eindruck. Nur einmal hätten sie seitdem telefoniert. Details zum „Tag, an dem mein Onkel nicht ganz freiwillig aus dem Leben geschieden ist“, wie es der Mann dabei formulierte, seien nicht mehr zur Sprache gekommen. Der Satz blieb dieser Zeugin in Erinnerung, „weil er so unbeteiligt, nüchtern und emotionslos wirkte“.

Die erneuten Aussagen von Angehörigen des Opfer – eines 73-jährigen Seniors, der am 27. Mai 2023 tot in seinem Haus gefunden wurde –, brachten zuletzt ganz neue Details zutage: Der Angeklagte hatte ihn mit angekohlten Schuhsohlen im Flur entdeckt, will den Puls gefühlt haben und dann in seine Wohnung gegangen sein und sich dort umgezogen haben, ehe die Polizei eintraf. So soll er es der Ehefrau des Opfers erzählt haben. Anderen gegenüber berichtete er laut deren Aussagen, von Reanimationsbemühungen. Was davon sich mit den Spuren am Tatort deckt, soll ab 10. November im Prozess Thema sein.
Das Opfer, das laut den Ermittlern vom Angeklagten mit einem präparierten Gipserbeil ermordet worden sein soll, hatte laut Zeugen die Befürchtung geäußert, der Angeklagte könne ihm etwas antun. Vage soll der getötete Mintrachinger auf ein Alibi verwiesen und erwähnt haben, dass die Uhrzeit da nicht korrekt gewesen wäre. Dass der Senior besagtes Alibi widerrufen wollte, haben Ermittler als ein mögliches Motiv ausgemacht. Ob dem wirklich so war, ist allerdings offen.
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Kollegen des Angeklagten hatten zuvor von Begegnungen mit ihm am Tattag berichtet, eine davon war „sehr ungewöhnlich“. Unisono beschrieben Zeugen den 51-Jährigen als hilfsbereit, freundlich sowie ruhig, zurückhaltend und introvertiert. Dass er an jenem Samstag – dem Tattag – aus dem Nichts eine Kollegin anflirtete, erschien dieser suspekt. Sie sei mit dem Rücken zu Tür gesessen, er hätte auch „einfach vorbeigehen können, dann hätte ich ihn gar nicht gesehen“. Auch am Grund für die Fahrt zur Arbeit und einem vermeintlichen IT-Problem waren schon Zweifel aufgekommen. Das System war laut den Entwicklern selbstbereinigend.
Anwälte konfrontieren Zeugen mit eindeutigen Chats
Wie sich am vergangenen Freitag herausstellte, gab es allerdings mehr Verdächtige, die die Kripo ins Visier nahm – darunter wohl auch den Mann, wegen dem die Ehefrau des Opfers sich Ende 2022 letztlich getrennt hatte. Der kam auf intensive Nachfragen der beiden Strafverteidiger Johannes Büttner und Philip Roth in arge Erklärungsnot angesichts eindeutiger Chat-Nachrichten. Zudem kam ans Licht, dass ein weiterer, frühere Nebenbuhler der Ehefrau sie sowie den neuen Freund monatelang massiv stalkte und sogar bedrohte.
Das Landgericht in Regensburg hat für den Mordprozess gegen Neffen des Opfers fast 30 Verhandlungstage angesetzt. Nach dem Ausfall eines Schöffen war der Prozess aber schon an Tag zwei geplatzt und musste neu gestartet werden. Mit einem Urteil ist nach letzten Planungen frühestens im Dezember zu rechnen.