Doppeltes Nachspiel für Regensburger Heroinbande und die Hinterleute

Von André Baumgarten · 30. Oktober 2025 um 08:00

Die Ex-Frau eines bereits verurteilten Dealers steht nun ebenfalls vor Gericht – sie soll Mittäterin der Heroinbande gewesen sein. Allein ist sie nicht auf der Anklagebank: Neben der 32-Jährigen sitzt ihr neuer Freund – gemeinsam sollen sie auch nach der Groß-Razzia wieder Rauschgift verkauft haben. Wieder am DEZ in Regensburg.

Video ansehen

Mit bis zu 120 Kilo Heroin und Crystal Meth soll die Heroinbande über Jahre gehandelt haben. Angeklagt wurden fünf Drahtzieher letztlich „nur“ wegen rund 45 Kilo. Das Landgericht verhängte gegen die Männer im Frühjahr 2024 fast 50 Jahre Haft, die der Bundesgerichtshof bestätigte. Das Regensburger Urteil wurde in einem Detail nun aufgehoben und muss neu verhandelt werden – während aktuell ein weiterer Prozess gegen die Ex-Frau eines einst Angeklagten läuft.

Rückblick: Im April 2022 greifen Spezialeinheiten in Stadt und Landkreis zu. Monatelang hatten Ermittler eine Bande im Visier, die Regensburg und die Region im großen Stil mit harten Drogen versorgte – wahrscheinlich seit Jahren. Auf ihre Spur kamen die Fahnder durch Chats verschlüsselter Spezialhandys von Enchro-Chat und SkyECC, die ausländische Ermittler geknackt hatten.

Altbekannte Vorwürfe in einem weiteren Prozess

Als Kripo und Staatsanwaltschaft dem Treiben schließlich ein Ende bereiteten, fanden sie kiloweise Drogen in einem Keller sowie Waffen und Bargeld. Es war und ist noch bis heute einer der größten Erfolge der Regensburger Rauschgiftermittler. Und die Heroinbande beschäftigt die Justiz noch immer. Vor wenigen Tagen startete der Prozess gegen die Ex-Frau eines 43-Jährigen, der laut Abhörprotokollen damals ihr ganzes Leben mit Drogen finanzierte.

Der heute 32-Jährigen wird vorgeworfen, mit ihrem seit gut dreieinhalb Jahren inhaftierten Ex-Mann an Geschäften der Heroinbande beteiligt gewesen und Mittäterin zu sein. Bereits im Mega-Prozess gegen die Heroinbande waren Gespräche im von der Polizei 2022 verwanzten Auto sowie Enchro-Chats der Frau mit einem der Hauptangeklagten Thema gewesen. Gelernt zu haben aber scheint die Angeklagte daraus nichts: Ein sogenannter Lauscher, den Ermittler der Kripo etwas später erneut im Auto installierten, zeichnet wieder juristisch Relevantes auf.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Um ein Haar ein kleines Kind umgefahren: Haftstrafe für Amokfahrt in Schierling

Denn der 32-Jährigen wird zudem vorgeworfen, im August 2023 rund 900 Gramm Meth und Cannabis verkauft zu haben. Wieder am Donaueinkaufszentrum, wo schon die Heroinbande einen ihrer Hauptumschlagplätze hatte. Mit auf der Anklagebank in dieser Sache sitzt der neue Freund der Frau, der bei dem Deal im Sommer vor zwei Jahren dabei gewesen sein soll. Beide bestreiten die Vorwürfe vollumfänglich, wie ihre Strafverteidiger Jörg Meyer und Johannes Büttner bestätigten. Lediglich den Kauf von fünf Gramm Kokain habe die Frau eingeräumt, so Meyer. Bei Übergaben für die Heroinbande wolle sie nur „auf Anweisungen ihres Ex-Mannes gehandelt“ haben. In Details der Geschäfte sei sie nie eingebunden gewesen.

Vor Gericht gab es jüngst ein großes Wiedersehen mit ihrem Ex-Mann sowie den anderen Mitgliedern der Heroinbande. Die verurteilten Dealer waren von der achten Strafkammer vorgeladen worden, verweigerten aber jedwede Auskunft. Es dürfte nicht das letzte Gastspiel der beiden Köpfe der Gruppe gewesen sein, die vom Landgericht einst zu 14 Jahren und zu 13 Jahren und neun Monaten Gefängnis verurteilt wurden.

BGH verweist Fall wegen 100.000 Euro zurück

Denn der Bundesgerichtshof in Leipzig hatte am Tag vor dem Prozessstart gegen das Paar Teile des alten Urteils gegen den Ex-Mann der Frau aufgehoben. Den Termin bestätigte Strafverteidiger Philipp Pruy auf Nachfrage. Der Schuldspruch und das Strafmaß waren zuvor schon vom BGH bestätigt worden. Über knapp 100 000 Euro, die bei der Razzia 2022 sichergestellt wurden, muss vor dem Landgericht aber erneut verhandelt werden. So hatte es die Staatsanwaltschaft in der Revision gefordert – das Geld soll eingezogen werden.

Dem Boss der Bande und seiner rechten Hand (beide 38 Jahre) wird also erneut der Prozess gemacht. Wann das passiert, ist offen. Im Verfahren gegen die Ex-Frau eines ihrer einst Mitangeklagten soll Ende November das Urteil fallen. Dem Paar droht eine mehrjährige Haftstrafe.