Um ein Haar ein kleines Kind umgefahren: Haftstrafe für Amokfahrt in Schierling

Zwei Autos und einen Zaun rammt ein Mann im Sommer 2024 in Schierling (Landkreis Regensburg): Dass eine Sechsjährige und ihr Vater nicht verletzt wurden, ist nur dem Zufall zu verdanken. Das Schöffengericht in Regensburg schickt einen 38-Jährigen nun für zwei Jahre und zwei Monate ins Gefängnis.
Mit reichlich Alkohol und Drogen intus hat ein 38-Jähriger Ende Juli 2024 eine wahre Amokfahrt hingelegt. Er rammt ein Auto, fährt fast eine Sechsjährige um, nimmt deren Vater auf seiner Flucht auf die Haube und landet nach einem zweiten Crash mit seinem Auto im Garten eines Hauses. Dafür gab es vor dem Schöffengericht nun eine saftige Quittung: Zwei Jahre und zwei Monate Haft ohne Bewährung – die Geschädigten werden noch länger auf ihrem Schaden sitzen bleiben.
Richter Killinger wurde deutlich in der Begründung: „Der Angeklagte hat das Fahrzeug als Waffe benutzt.“ Um die Vielzahl von Straftaten, die er an jenem Dienstagabend zu dem Zeitpunkt begangen hatte, zu verdecken. Denn: Der angeklagte Pole saß am Steuer des nicht zugelassenen Ford seiner Frau, der als gestohlen gemeldete Kennzeichen hatte – ohne Führerschein, denn der war ihm bereits 2017 entzogen worden. Dazu waren 1,65 Promille Alkohol sowie Speed und Crystal Meth in seinem Blut.
Mutter des Kindes reagiert geistesgegenwärtig
So war der Mann am 30. Juli 2024 durch Schierling gefahren, in den Placidus-Heinrich-Ring eingebogen und hatte den Audi einer Familie gerammt. Der Mutter gelang es „geistesgegenwärtig“, die Sechsjährige zurückzuziehen, „sonst wäre sie weg“, schilderte der Vater des Mädchens als Zeuge. Kurz sei der Angeklagte ausgestiegen, habe sich entschuldigt und wollte davonfahren.
Dass der Zeuge vor dem Auto stand, ignorierte er. Der „durfte dann so 20, 30 Meter mitfahren“, ehe er selbst heruntersprang. Die wilde Fahrt ging gut einen Kilometer weiter, bis der 38-Jährige einen Skoda rammte und letztlich in einem Zaun landete.
Der Mann auf der Anklagebank wiederholte vielfach, dass er „einen total schlechten Tag“ wegen Ärger mit Mietern und seiner Frau gehabt habe, und bat um Entschuldigung. Drogen habe er genommen, um fit für die Arbeit zu sein. Doch warum er nach dem ersten Crash weitergefahren sei, vermochte er nicht zu erklären. Ebenso wenig, warum er auf den Familienvater draufhielt. „Er ist halt an dem Tag einfach ausgetickt“, versuchte Anwalt Rainer Rockenstein zu erklären.
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Einen Schlüsselmoment nannte es Richter Killinger, dass der 38-Jährige weiterfuhr, obwohl er einen Unfall gebaut hatte und jemand auf seiner Motorhaube saß. „Selbst das hat ihn nicht aufgehalten.“ Der Schaden summiere sich am Ende auf 18.000 Euro. Doch offenbar habe der Mann „nix draus gelernt“ – nur viereinhalb Monate später fuhr er wieder Auto ohne Führerschein, wurde jedoch von einem Polizisten gesehen.
Das gab für das Schöffengericht den Ausschlag, keine Bewährung zu geben, obwohl der Pole nicht vorbestraft ist. So hatte es auch die Vertreterin der Staatsanwaltschaft gefordert. Im Strafmaß blieben die Richter einen Monat unter deren Forderung. Zudem erging Haftbefehl, den Killinger aber gegen strenge Auflage auch sofort außer Vollzug setzte.
Nächster Prozess steht bereits in den Startlöchern
Und: Das nächste Verfahren vorm Schöffengericht steht bereits in den Startlöchern. Laut MZ-Recherchen ist der 38-Jährige demnächst wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Mit Eisenstangen soll auf einen Landsmann eingeprügelt worden sein. Spätestens dann könnte seine Reise für einige Zeit in Haft enden.