Mordprozess in Regensburg geplatzt: Neustart im Fall Mintraching nötig

Von André Baumgarten · 10. Oktober 2025 um 19:00

Der brutale Tod eines 73-Jährigen durch ein Gipserbeil beschäftigt das Schwurgericht in Regensburg. Hier sitzt der Angeklagte (51) zum zweiten Mal in seinem Leben. Die Suche nach dem Motiv steht im Fokus der Beweisaufnahme, die am Donnerstag aber ein zweites Mal starten musste.

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Holpriger Auftakt im Indizienprozess um den sogenannten „Pfingstmord“ von Mintraching: Am Montag hat das Verfahren in Regensburg begonnen – nur zwei Tage später ist es geplatzt, weil ein Schöffe ausfiel. Auch dank der Zustimmung des 51-Jährigen, der Ende Mai 2023 einen Mintrachinger Senior ermordet haben soll, startete der Prozess am Donnerstag in neuer Besetzung und mit einem Ersatzschöffen aufs Neue. Für die Zeugen, die schon ausgesagt hatten, heißt das: Sie müssen ein zweites Mal vor Gericht.

Dem Mann auf der Anklagebank wird vorgeworfen, seinen eigenen Onkel im Flur des gemeinsam bewohnten Hauses aufgelauert und mit einem Gipserbeil erschlagen zu haben. 13 tiefe Wunden fanden Gerichtsmediziner später am Opfer. Zudem mehrere, teils bereits verheilte, gebrochene Rippen. Diese Verletzung war an Tag zwei im Prozess vielfach Thema. Woher die stammen und wie alt sie waren, ist nämlich unklar. Dokumentiert ist bei den Ärzten nichts und auch dem Umfeld erzählte der 73-Jährige offenbar nichts. Aus Angst?

Kündigung der Wohnung als Mordmotiv?

Fakt ist: Der Senior hatte seinem Neffen die Wohnung gekündigt. Etwa drei Wochen bevor er ermordet im Flur seines Hauses lag. Glücklich soll der 51-Jährige auf die Kündigung nicht reagiert haben. Er hatte, das legen Zeugenaussage nahe, aber bereits eine neue Bleibe nördlich von Regensburg gefunden. Der neue Mietvertrag war am 19. Mai 2023, 15 Tage nach der Kündigung und acht Tage vor dem „Pfingstmord“, unterschrieben worden. Die Kündigung soll eines der Motive für die Tat gewesen sein, so die Anklage: Der 51-Jährige sei wegen des Rauswurfs „erniedrigt und tief gekränkt“ gewesen und habe den Onkel dafür „nachhaltig bestrafen“ wollen.

Grün scheinen sich beide zumindest zeitweise nicht gewesen zu sein. Zeugen berichteten von Ärger um „Sauberkeit und Korrektheit“ des Angeklagten oder nicht abgesprochenes Laden eines E-Bikes in der Garage. Der 51-Jährige wiederum soll erzählt haben, das spätere Opfer „spioniere immer in seinen Sachen“ herum. Laut dem Sohn des 73-Jährigen soll es jedoch ein Essen gegeben haben, wo der Streit beigelegt wurde.

Das zweite Mordmotiv, das die Anklage annimmt, hat Bezüge zu einem früheren Verfahren vor dem Schwurgericht – denn der 51-Jährige war wegen versuchten Mordes an seiner Ex-Frau schon einmal angeklagt und damals freigesprochen worden. Dabei ging es am Rande um Stalkingvorwürfe, für die der 73-Jährige seinem Verwandten wohl ein Alibi gab. Damit, dass er die Aussage widerruft, könnte der Senior womöglich gedroht haben. Worauf diese Annahme der Ermittler gründet, blieb bisher allerdings offen.

Stalking-Vorwürfe und Alibi die Themen

Die kommende Woche im Prozess dürfte dazu etwas mehr Licht ins Dunkel bringen. Da wird das noch offene Parallel-Verfahren am Amtsgericht nämlich Thema sein. Auch die Ex-Frau des Angeklagten sagt dann vor Gericht aus. Er selbst schweigt, ließ Strafverteidiger Johannes Büttner aber beim ersten und zweiten Prozessstart jedwede Beteiligung am „Pfingstmord“ bestreiten.

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Der Neustart vor Gericht hat zumindest für die Angehörigen des Opfers, die an Tag eins bereits geladen waren, Konsequenzen. Sie müssen erneut als Zeugen aussagen. Laut Landgerichtssprecherin Ruth Koller ist das für Ende Oktober vorgesehen. Sie bestätigte zudem, dass Vorsitzender Richter Polnik einen Ersatzschöffen benannt hat. Ansonsten halte die Kammer am ursprünglichen Terminplan fest. Der sieht ein Urteil im Indizienprozess frühestens am 19. Dezember vor.