Angeklagter bestreitet Mintrachinger Pfingstmord – Öffentlichkeit von Prozess ausgeschlossen

Pfingsten 2023: Ein 73-Jähriger liegt tot in seinem Haus in Mintraching (Landkreis Regensburg). Wurde der Mann ermordet? Um diese Frage dreht sich seit Montag ein Verfahren vor dem Landgericht Regensburg. Hatte der Tote womöglich eine dunkle Vorahnung?
„Wenn ich ihn gebraucht habe, war er immer da“, sagt der Mann und schüttelt ungläubig den Kopf. Er spricht über seinen Vater – der nie wieder für ihn da sein wird. Geht es nach den Ermittlungsbehörden, trägt der Cousin (51) des Mannes im Zeugenstuhl die Schuld daran. Im Gerichtssaal sitzt der kaum einen Meter vom Zeugen entfernt auf der Anklagebank und verfolgt stumm die Aussage seines Verwandten.
Rückblick: Es ist Pfingsten 2023. Ein schrecklicher Vorfall erschüttert Mintraching. In einem Haus wird die Leiche eines 73-Jährigen gefunden. Schnell steht für die Polizei fest: Der Mann ist keines natürlichen Todes gestorben. Es laufen Ermittlungen an, die sich allerdings langwierig gestalten. Rasch geriet allerdings der heute 51-Jährige ins Visier der Behörden. Er hatte unter einem Dach mit dem Toten gelebt. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr klickten die Handschellen.
Die Staatsanwaltschaft ist sich sicher: Der Mann hat seinen Onkel ermordet. Der 51-Jährige soll ein Gipsbeil mit Folie umwickelt haben, um Spuren zu verwischen. Mit der Waffe soll er dem 73-Jährigen aufgelauert haben und ihm zunächst zwei Mal auf die Stirn geschlagen haben. Als sein Onkel zu Boden ging, soll er laut Anklage noch elfmal auf den Hinterkopf geschlagen haben.
Jahre vor Mord in Mintraching: Es gab schon mal Vorwürfe
Die Staatsanwaltschaft wertet das als Mord. Den Ermittlern zufolge soll der 51-Jährige die Tat aus zwei Gründen begangen haben. Zum einen, weil ihm der 73-Jährige wenige Tage zuvor die Wohnung gekündigt hatte. Zum anderen soll der Angeklagte befürchtet haben, dass sein Onkel eine Aussage widerruft. Gegen den 51-Jährigen war nämlich ermittelt worden, weil er seiner Ex-Frau nachgestellt haben soll.
Das wiederum ist eine weitere Ebene in diesem vielschichtigen Fall. Der 51-Jährige saß nämlich schon einmal auf der Anklagebank. 2020 war ihm vorgeworfen worden, versucht zu haben, seine damalige Ehefrau zu töten – seinerzeit wurde er freigesprochen. Zu dünn sei die Beweislage, argumentierte das Schwurgericht damals.
Die Anklageverlesung nimmt der 51-Jährige gestern mehr oder minder regungslos zur Kenntnis. Nur seine Handschellen scheinen ihn zu stören. Sie werden ihm schließlich abgenommen. Der 51-Jährige wird vom Regensburger Rechtsanwalt Johannes Büttner vertreten. Der Jurist fasst sich am ersten Prozesstag denkbar kurz: „Mein Mandant bestreitet alle Vorwürfe vollumfänglich. Ansonsten werden keine Angaben gemacht.“

Es gibt niemanden, der den Vorfall in Mintraching mit eigenen Augen gesehen hat – von einem möglichen Täter mal abgesehen. Zeugen gibt es dennoch. Als Erstes hörte das Gericht gestern den Sohn des Verstorbenen. Sein Vater sei, von Herzproblemen abgesehen, sehr fit gewesen – dabei habe er turbulente Zeiten erlebt. 2021 sei sein Cousin in das Haus gezogen. Wenig später hätte sich die Ehefrau vom 73-Jährigen getrennt, berichtete der Sohn im Zeugenstand. Die Trennung sei im Großen und Ganzen allerdings harmonisch verlaufen.
Hatte das mutmaßliche Opfer eine dunkle Vorahnung?
Auch das Verhältnis zwischen dem Angeklagten und dem Vermieter sei anfangs gut gewesen, erinnerte sich der Sohn im Zeugenstand. Mit der Zeit habe es allerdings immer mal wieder Streitigkeiten gegeben. Schlussendlich habe sein Vater dem Untermieter kündigen wollen, damit die Tochter des 73-Jährigen in der Einliegerwohnung leben könne. Von der Kündigung sei der heute 51-Jährige zunächst freilich nicht begeistert gewesen, so der Sohn des Toten. Das Verhältnis habe sich allerdings schnell wieder normalisiert, Mieter und Vermieter seien sogar gemeinsam zum Essen gegangen. Einmal habe sein Vater allerdings angedeutet, dass er hoffe, dass ihm sein Neffe nichts antue.
Eine dunkle Vorahnung? Das soll nun der Prozess zeigen.
Zuschauer müssen raus: Prozess hinter verschlossenen Türen fortgesetzt
Für den gestrigen Nachmittag hatte das Schwurgericht die Zeugenaussage der getrennt lebenden Ehefrau des Toten anberaumt. Diese nimmt als Nebenklägerin am Prozess teil und wird dabei von der Regensburger Rechtsanwältin Dagmar Ciccotti vertreten. Die Juristin beantragte, die Öffentlichkeit für die Aussage ihrer Mandantin von der Verhandlung auszuschließen. Hinter verschlossenen Türen wurde über diesen Antrag beraten. Der Vorsitzende Richter Polnik verkündete schließlich den Ausschluss der Öffentlichkeit, da in ihrer Aussage der höchstpersönliche Lebensbereich der Zeugin tangiert werde.
Der Prozess wird fortgesetzt. Bis Mitte Dezember soll nach jetzigem Stand verhandelt werden. Dann wird klar sein, ob der 51-Jährige ein Mörder ist.