Durchbruch im Fall Mintraching: Mordermittler nehmen 50-Jährigen fest – Haftbefehl

Nach einem Gewaltverbrechen an Pfingsten 2023 hat die Kripo einen Verdächtigen festgenommen. Der Mann soll einen 73-Jährigen ermordet haben. 496 Tage nach dem Tötungsdelikt in Mintraching sitzt der Angehörige des Opfers nun in U-Haft.
Rückblick: Am 27. Mai 2023 stirbt ein Mintrachinger gewaltsam. Ein Mann aus dem Umfeld des Opfers, den die Kripo wohl von Anfang an im Verdacht hatte, ist jetzt festgenommen worden. Gegen den 50-Jährigen aus dem Landkreis Regensburg erging Haftbefehl wegen Mordes, wie die Mediengruppe Bayern exklusiv erfuhr. Mehrere Beamte hatten den Mann am Freitagvormittag der Ermittlungsrichterin am Amtsgericht in Regensburg vorgeführt. Am Morgen hatten die Handschellen geklickt.
Vor exakt 496 Tagen war die Leiche des Seniors im Erdgeschoss seines Hauses in Mintraching gefunden worden. Gegen 22 Uhr hatte an jenem Pfingstsamstag 2023 ein Angehöriger die Polizei verständigt. Die Regensburger Kriminalpolizei übernahm noch in der Nacht die Ermittlungen am Tatort in der Hauptstraße. Dass der 73-Jährige das Opfer eines vorsätzlichen Tötungsdelikts war, hatte sich tags darauf bestätigt. Rechtsmediziner fanden bei der Obduktion eindeutige Anhaltspunkte für eine Gewalttat. Ein Unfall oder Suizid des Seniors waren ausgeschlossen.
Ermittlungsgruppe arbeitete 16 Monate an dem Fall
Noch am Pfingstwochenende nahm die eigens gegründete Ermittlungsgruppe „Pico“ dann ihre Arbeit auf. Sie befragte Anwohner und auch Nachbarn in der 5000-Seelen-Gemeinde im Südosten des Landkreises Regensburg. Zudem wurden Experten des Landeskriminalamts in München (LKA) hinzugezogen – sie erfassten den Tatort in Mintraching als 3D-Modell. Wie ein Polizeisprecher dazu erklärte, verspreche man sich davon „wertvolle Hinweise für die Rekonstruktion der Tat“.
Befürchtungen aus dem Umfeld des getöteten Mintrachingers, dass dessen gewaltsamer Tod womöglich ein „Cold Case“ – ein nie geklärtes Verbrechen – werden könnte, kamen auf. Als sich die Tat zum ersten Mal jährte, bezog Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher klar Stellung: „Wir sind weit davon entfernt diesen Fall zu den Akten zu legen“, betonte der Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft. Das Ermittlungsverfahren werde „von uns und der Kriminalpolizei in Regensburg mit erheblichem Aufwand betrieben“.
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Dass der heute 50-Jährige im Fokus der Mordermittlungen um den Senior aus Mintraching steht, hatten die Behörden erstmals im Januar dieses Jahres offenbart. Was hinter vorgehaltener Hand in Mintraching längst kolportiert worden war, wurde offiziell bestätigt: Man habe seit Monaten einen „namentlich bekannten Beschuldigten“ im Visier, erklärte Rauscher damals. Mit dem Opfer ist der mutmaßliche Täter nach Informationen der Mediengruppe Bayern verwandt. Er soll im Obergeschoss des schlichten Hauses in der Hauptstraße gelebt haben.
Spezialisten der Regensburger Kripo hatten nach dem Verbrechen an Pfingsten vergangenen Jahres tagelang Spuren gesichert. Mehrfach wurden alle Räume des Hauses durchsucht – auch die Wohnung des nun verhafteten 50-Jährigen. Der Tatort war über Wochen versiegelt geblieben. Das Münchner Landeskriminalamt erfasste jeden Millimeter für eine Tatrekonstruktion. Auf solchen 3D-Modellen basieren oftmals auch Blutspurengutachten.
Schwierige Spurenlage am Tatort in Mintraching
Ob die Erkenntnisse des LKA den jetzt verhafteten Mann überführten, bleibt vorerst offen. Fakt ist: Weil der Tatverdächtige mit im Haus lebte und damit auch in der Wohnung des 73-Jährigen legitimer Spurenverursacher war, gestalteten sich die Ermittlungen äußerst schwierig. Vielfach hatten Mordermittler den Arbeitsplatz des Mannes an einem Regensburger Krankenhaus durchsucht. Zuletzt, das zeigten Recherchen der Mediengruppe Bayern, war das im Sommer der Fall. Im Fokus soll neben PCs und Handys unter anderem auch ein E-Roller des 50-Jährigen gestanden haben.
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Es könnte, hieß es zu Details nur ganz vage, offenbar Streit zwischen den beiden Männern gegeben haben. Dabei soll vom Senior womöglich der Auszug des 50-Jährigen gefordert worden sein. Bestätigt wurde das bis dato nicht. Zu den Hintergründen schwieg die Kripo mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen seither immer.
Haftbefehl wegen Mordverdachts erlassen
Nachdem Haftbefehl beantragt und vom Gericht auch erlassen wurde, steht aber fest: Gegen den 50-Jährigen liegt ein dringender Tatverdacht vor. Denn das ist grundlegende Voraussetzung für die Anordnung von Untersuchungshaft. Dennoch gilt für den im Norden des Landkreises Regensburg geborenen Mann bis zu einem Urteil die Unschuldsvermutung. Bei der Richterin schwieg der Mann zu den Vorwürfen. Auch sein Anwalt wollte sich nicht äußern.
„Kein Kommentar“ gab es von dem Regensburger Strafverteidiger auch zu dem weiteren , laufenden Ermittlungsverfahren gegen seinen Mandanten. Dabei geht es nach MGB-Recherchen um Vorwürfe wegen Nachstellung, auch im Jahr 2022, als sogar ein Baseballschläger im Spiel gewesen sein soll. Der Beschuldigte bestritt und bestreitet diese Vorwürfe bislang ebenfalls vehement.
Zuständig wäre im Fall einer Mord-Anklage gegen ihn das Regensburger Schwurgericht unter dem Vorsitz von Richter Thomas Polnik. Der Kammer des Landgerichts dürften dann wohl ein sehr aufwendiger Indizienprozess bevorstehen. Für den 50-Jährigen ginge es beim Nachweis der im Raum stehenden Vorwürfe dann um lebenslange Haft.
