Wilde Schießerei in Neutraubling: Einschusslöcher zeigen das wahre Ausmaß

Mindestens sechsmal wurde am Dienstagabend in Neutraubling (Landkreis Regensburg) scharf geschossen: Das Opfer und einer der Verdächtigen kannten sich offenbar. Trugen sie nun einen alten Streit mit Waffen aus? Was bislang alles bekannt ist.
Der Schock sitzt tief: Am Dienstagabend fallen eine Vielzahl von Schüssen. Gesplitterte Scheiben und Einschusslöcher in der Wand, ausnahmslos alle auf Kopfhöhe, direkt am Eingang zu einem Mehrfamilienhaus in der Schlesischen Straße zeugen davon. Zwei der drei Verdächtigen, die tags darauf verhaftet wurden, sitzen in U-Haft. Jetzt kommen erste Details ans Licht: Nach MZ-Recherchen sollen sich die Kontrahenten zu einer Schlägerei verabredet haben – dafür brachte einer wohl eine scharfe Waffe mit.
Als kurz nach 22 Uhr per Notruf die Schüsse gemeldet wurden, war völlig unklar, was geschehen ist – ein Großaufgebot rückte an. Am Tatort fanden die Beamten einen 45-Jährigen mit Schusswunde im Bein. Wenig später war der Tatort abgeriegelt, über Neutraubling kreiste lang ein Polizeihubschrauber. Tags darauf verhaftete ein Spezialeinsatzkommando in Neustadt an der Donau (Landkreis Kelheim) zwei junge Deutsche, beide 21 Jahre alt. Ein dritter Verdächtiger wurde mit dem Auto angehalten und festgenommen. Er kam aber am Donnerstag wieder frei.
Verabredeten sich die Beteiligten zu einer Schlägerei?
Laut Recherchen der Mediengruppe Bayern (MGB) sollen sich das Opfer und mindestens einer die Kontrahenten gekannt haben. Schon im Vorfeld soll es wohl Streit zwischen ihnen gegeben haben – warum, das weiß die Regensburger Kripo bislang wohl noch nicht. Die Männer hatten sich am Dienstagabend verabredet, um das zu klären. Dann fielen plötzlich Schüsse. Mindestens sechsmal scheint abgedrückt worden zu sein. Fünf Projektile verfehlten ihr Ziel, sie trafen die Tür, den Rahmen und schlugen neben dem Hauseingang ein.
Auch Opfer (45) schoss − mit einer Schreckschusswaffe
Dann aber, so berichteten es wohl Zeugen, war offenbar erst einmal Stille, ehe erneut die Waffen sprachen. Die Beteiligten gerieten wieder aneinander. Diesmal soll auch das Opfer selbst abgedrückt haben – aber nur mit einer Schreckschusspistole. Das scheint die anderen dann in die Flucht geschlagen zu haben. Sie fuhren davon, kurz darauf trafen erste Polizeistreifen in der Schlesischen Straße ein.
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Bürgermeister Harald Stadler zeigte sich fassungslos. Den Neutraublinger Bürgermeister überrascht vor allem „die Qualität und so ein Ausmaß“. Damit hätte er niemals gerechnet. Details kannte und kennt auch er keine. Den Hubschrauber der Polizei habe er natürlich in der Nacht gehört, offiziell wurde er erst am Mittwoch von der Polizei in Kenntnis gesetzt.
„Sowas will kein Bürgermeister in seiner Stadt haben.“
Bürgermeister Harald Stadler
Man müsse sich womöglich Gedanken machen, wenn mitten in Neutraubling scharf geschossen werde, denkt das Neutraublinger Stadtoberhaupt im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern laut. Nicht auszumalen, wie gefährlich das auch für Unbeteiligte sein kann – wenn in einer ruhigen Wohngegend mitten in der Nacht eine wilde Schießerei vom Zaun bricht. „Unfassbar“, sagt Stadler mehrfach.
LKA-Ermittler unterstützen die Regensburger Kripo
Am Donnerstag setzten Ermittler der Kriminalpolizei ihre Arbeit am Tatort fort. Zudem machten sich zwei Spezialisten vom Landeskriminalamt in München vor Ort ein Bild. Sie dokumentierten ebenfalls die Einschusslöcher am Hauseingang akribisch. Besonders auffällig: Allesamt waren auf Kopfhöhe. Das hier nur wild um sich geschossen wurde, wirkt angesichts dieses Details eher unwahrscheinlich.
Fest steht aber auch: Getroffen wurde der 45-Jährige offenbar am Oberschenkel. Retter brachten den Mann nach der Erstversorgung in eine Regensburger Klinik. Dort wurde er nach jüngsten MGB-Informationen auch am Freitag weiterhin stationär behandelt. Er soll den Mordermittlern gegenüber aber wenig kooperativ gewesen sein.
Tatverdächtige schweigen – Richterin ordnet U-Haft an
Auch die beiden Tatverdächtigen aus Neustadt an der Donau zogen es wohl vor, zur Sache zu schweigen. Sowohl bei der Kripo, als auch bei der zuständigen Richterin. Die ordnete für beide Untersuchungshaft an. Der Haftbefehlsantrag lautet auf gemeinschaftlich versuchten Mord und gefährliche Körperverletzung – erlassen wurde er wegen versuchten Totschlags.
Offiziell bestätigte die Polizei das der Mediengruppe Bayern zunächst nicht. Als die Männer aber nach dem Termin aus einem Hintereingang des Regensburger Amtsgericht geführt wurden, trugen sie noch ihre Handschellen. Einer von ihnen kam danach direkt in die nahe JVA Regensburg.
Am Freitagmittag folgte dann eine Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Oberpfalz mit der Bestätigung der Haftbefehle.
