Multi-Millionärin aus Regensburg stirbt verarmt – Testament gibt neue Rätsel auf

Schamlos abgezockt? Nach dem Tod einer vermögenden 75-Jährigen, die als Sozialfall starb, sorgen Recherchen für Wirbel: Sie hätte drei Millionen-Immobilien nie verkaufen dürfen – so besagt es der letzte Wille ihres Ehemannes. Die Mietshäuser sind jedoch weg.
Weil die Multi-Millionärin den Falschen vertraute, verlor Katharina B. alles. Im Oktober 2023 starb die Frau einsam, allein und als Sozialfall – ein beispielloser Fall von „schamloser Abzocke“, sagte Berufsbetreuer Heinrich Frohnauer. Über drei Immobilien mitten in der Regensburger Altstadt, die sie einem dubiosen Unternehmer aus dem Landkreis überschrieb, hätte die 75-Jährige nie verfügen dürfen. Denn: Es ist ein Testament aufgetaucht – zumindest in Kopie. Das Original scheint auf unergründliche Weise verschwunden zu sein. Neue Spurensuche in einem Fall, der viele fassungslos macht.
Rückblick: 2018 kam der heute 45-jährige Unternehmer ins Leben der Eheleute B. aus Regensburg. Binnen Monaten soll vor allem die Seniorin größtes Vertrauen zu ihm gefasst haben. Er bekam eine Generalvollmacht und 15 Monate nach dem Tod des Ehemanns drei Mietshäuser geschenkt. Ende März 2023 setzte das zuständige Betreuungsgericht dann die Vollmacht des Unternehmers aus, weil das Vermögen – laut Angehörigen in Summe rund 30 Millionen Euro – „erheblich gefährdet“ sei. So ist es in dem Beschluss nachzulesen.
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Der Richter bestimmte Heinrich Frohnauer zum Betreuer der Frau. Und der ist fassungslos: Katharina B. „wurde systematisch isoliert und schamlos abgezockt“. Das Millionenschwere Bankguthaben sei teils per Überweisungen an Angestellte des Mannes mit der Generalvollmacht geflossen. Der 45-Jährige soll 11 600 Euro monatlich erhalten haben, damit er sich kümmert. Stattdessen soll er Pflegedienst und Putzfrau gekündigt, die Seniorin sporadisch mit 500 Euro Taschengeld abgespeist haben. Ein 911er Porsche, ein BMW-Oldtimer, kiloweise Gold, teurer Schmuck und Rolex-Uhren sind weg. Frohnauer musste letzen Endes Sozialhilfe für die Regensburgerin beantragen.
Schirmte „Clan“ um Mann mit Generalvollmacht die Frau ab?
Das Umfeld der lebenslustigen Regensburgerin verlor ab 2018 jeden Kontakt, wie Recherchen der Mediengruppe Bayern zeigten. „Ein ganzer Clan unter Führung des 45-Jährigen“ habe die Frau abgeschottet, sagten Angehörige und Freunde, sprachen gar von Überwachung. Und sie haben Angst, sich offen zu äußern. Die Typen wolle man nicht am Hals haben, hieß es. Die Familie von B.s Ehemann, die seit 1903 ein riesiges Vermögen angehäuft hatte, lebt weit verstreut in aller Welt, darunter in Georgia, einem Bundesstaat im Südosten der Vereinigten Staaten. Genau hier tauchte ein Dokument auf, dass alle geändert hätte: Das Testament des im Juli 2019 verstorbenen Ehemannes von Katharina B. Am 16. Februar 1998 verfasste der seinen letzten Willen.
Nachlass schien geregelt
Seine 19 Jahre jüngere Ehefrau solle demnach die Alleinerbin sein – mit einer Einschränkung: Die Mietshäuser in der Unteren Bachgasse und der Wahlenstraße, die mehr als ein Jahrhundert in Familienbesitz waren, sollten genau das bleiben. Als sogenannte Nacherbin setzte der Verstorbene daher eine Verwandte ein, mit der er selbst einst in Regensburg aufwuchs – und er bedachte sie außerdem mit 300.000 Mark.
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Vom Tod des vermögenden Regensburgers erfuhr die Amerikanerin erst Wochen später. Katharina B. hatte keinen informiert – ließ besagte Verwandte ihres Mannes aber wissen, dass diese die Kopie des Testaments wegwerfen könne. „Sie hat ihr gesagt, dass sie es (das Testament) entsorgt hat“, sagte eine Vertraute. Das habe die wahre Erbin der Millionen-Immobilien vor ihrem Tod im September 2020 berichtet. Es heißt, dass Katharina B. vom letzten Willen ihres Mannes wusste, und das Dokument abgeholt wurde. Überprüfen lässt sich das jedoch nicht mehr: Der Steuerberater, bei dem es hinterlegt war, ist ebenfalls vor einigen Jahren verstorben.
Soll heißen: Die Regensburgerin, die von der Multi-Millionärin zum Sozialfall geworden war, könnte genau gewusst haben, was sie tat, aber an die Falschen geraten sein. Die Seniorin, die über Jahrzehnte für Generationen von Studenten eine gute Vermieterin war, nannte den 45-Jährigen „ihre neue Familie“. Doch der zwielichtige Mann, der wohl selbst kein Unternehmen mehr führen kann, dürfte es nur auf ihr Vermögen abgesehen haben. „Sie wurde jahrelang geplündert“, ist Berufsbetreuer Frohnauer überzeugt. „Sie hat sich selbst dem Teufel ausgeliefert.“
„Holen Sie mein Geld zurück“
Bevor die 75-Jährige Ende Oktober einsam und verarmt starb, war ihr das wohl klar geworden. „Gott war ich dumm und naiv“, schrieb sie schon im März 2023 in einer neunseitigen Stellungnahme, „alles war eine große Lüge.“ Den Betreuer bat sie kurz vor ihrem Tod: „Bitte holen Sie mir meine Grundstücke und das Geld zurück.“ Dass es nicht ihre Immobilien waren, steht laut dem Testament fest – doch was nun? Nichts! Der Verkauf der Mietshäuser an Investoren aus dem Raum Darmstadt ist abgeschlossen. Das Bürgerliche Gesetzbuch regelt Geschäfte „in Treu und Glauben“ – sofern die Käufer nichts von den wahren Hintergründen wussten, ist der Verkauf unanfechtbar.
Gegen den 45-Jährigen, der sich das Katharina B.s Vertrauen erschlichen haben soll, wird wieder ermittelt. Was Betreuer Heinrich Frohnauer begrüßte: Vom Konto der 75-Jährigen bezahlte Urlaube, Zehntausende Euro, die an Beschäftige überwiesen worden seien, und Geldtransfers in die Türkei wären klar Untreue. „Sowas darf nicht ungesühnt bleiben.“ Ein Indiz, wohin das viele Geld kam, ergaben jüngste Recherchen: Gegen den Mann aus dem Landkreis liegt aktuell eine offene Anklage vor. Es geht dabei um Steuerhinterziehung und weit mehr als eine Million Euro – die einst ganz plötzlich gezahlt wurden.