Toter Senior (73) in Mintraching: Wird der Fall zu einem „Cold Case“?

Von André Baumgarten · 27. Mai 2024 um 12:00

Vor einem Jahr wird ein 73-Jähriger in seinem Haus in Mintraching getötet. Durchbruch gibt es in dem Kriminalfall keinen, die Mordermittler bleiben aber dran. Ein Verdächtiger aus dem Umfeld des Toten steht weiter im Fokus.

Exakt ein Jahr ist es her, dass in Mintraching ein Mann tot in seinem Haus gefunden wurde. Früh stand fest, dass der 73-Jährige keines natürlichen Todes gestorben sein kann – womöglich ist er sogar Opfer eines Mordes geworden. Doch noch immer ist der Fall ungelöst und kein Täter verhaftet. Wird der gewaltsame Tod des Mintrachingers womöglich zum Cold Case? Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher bezieht dazu nun klar Stellung.

„Wir sind weit davon entfernt diesen Fall zu den Akten zu legen“, betonte der Sprecher der Regensburger Staatsanwaltschaft auf eine MZ-Nachfrage. Laut Rauscher ist das Ermittlungsverfahren „weiterhin aktiv und wird von uns und der Kriminalpolizei in Regensburg mit erheblichem Aufwand betrieben“. Heißt: Die in diesem Fall gebildete die Ermittlungsgruppe „Pico“ arbeitet noch immer an der Aufklärung.

Ermordet? Mann lag tot im Erdgeschoss in Mintraching

Ein Blick zurück: Am Pfingstsamstag 2023, dem 27. Mai, hatte ein Angehöriger gegen 22 Uhr die Polizei informiert, dass ein Toten aufgefunden wurde. Wie MZ-Recherchen ergaben, lag der 73-Jährige in einem der Zimmer im Erdgeschoss. Das Anwesen, in dem der Senior zu Tode kam, liegt zurückgesetzt an der Hauptstraße in Mintraching. In der Wohnung lebte der Senior wohl schon seit einiger Zeit allein, hieß es. Lebend worden war er das letzte Mal um die Mittagszeit am 27. Mai. Was sich an der Spurenlage im Haus bereits angedeutet hatte, bestätigte die Obduktion am Tag nach dem Leichenfund: Der Mann wurde getötet, wie die Polizei damals bestätigte.

Immer wieder hatte die Kripo danach im Haus mögliche Spuren gesichert und alle Räume akribisch durchsucht. Wochenlang war das Haus deshalb versiegelt. Und, weil die Tatort-Spezialisten vom Münchener Landeskriminalamt in Mintraching anrückten. Sie erhoben alle nötigen Daten, um die Tat in einem 3D-Modell rekonstruieren und so möglichst genaue Rückschlüsse auf einen möglichen Ablauf ziehen zu können. Zuvor waren bereits Nachbarn und die Anwohner in der Gemeinde befragt worden.

Mordermittler suchen noch immer nach Zeugen

Mehrfach wandten sich die Mordermittler der Kripo auch an die Öffentlichkeit: An jenem Samstag im Mai 2023 war nämlich ein Unbekannter aufgefallen, der zu Fuß in Mintraching unterwegs war. Zu diesem etwa 25 bis 35 Jahre alten und rund 180 Zentimeter großen Mann mit Bart bat die Polizei um Hinweise. Er soll ein rot-schwarz-kariertes Holzfällerhemd sowie schwarze Jeans und Schuhe getragen haben. Daraufhin meldeten sich auch Zeugen, der Durchbruch war jedoch nicht dabei. „Andere Tatverdächtige sind weitern nicht ausschließbar“, fasste Rauscher den aktuellen Stand zusammen.

„Wir ermitteln weiterhin gegen einen namentlich bekannten Beschuldigten aus dem sozialen Umfeld des Verstorbenen.“

Thomas Rauscher, Oberstaatsanwalt

Erst im Januar diesen Jahres war dann bekannt geworden, dass es schon seit Monaten einen konkreten Tatverdächtigen gab. Das hatte die Staatsanwaltschaft in Regensburg da erstmals bestätigt. Mehrmals habe es zudem Hausdurchsuchungen gegeben. Und dieser Mann steht noch immer im Fokus der Ermittler: „Wir ermitteln weiterhin gegen einen namentlich bekannten Beschuldigten aus dem sozialen Umfeld des Verstorbenen“, so Rauscher. Der Tatvorwurf gegen diesen laute auf Totschlag.

Dringender Tatverdacht besteht gegen diesen Mann aber nicht. Das betonte der Sprecher der Staatsanwaltschaft in Regensburg. Haftbefehl gibt es im Fall demnach keinen.