Mordversuch: Nebenklage im Fall Hemau nennt Gerichtssaal für die Opfer „Ort der Zumutung“

Von André Baumgarten · 17. November 2025 um 05:00

Im Mammut-Prozess um den angeklagten Mordversuch an einer Tankstelle in Hemau (Landkreis Regensburg) hat einer der schwerst verletzten Brüder das Wort ergriffen. Er dankte dabei sogar einem einst Mitangeklagten. Zuvor hatten die Vertreterinnen der Nebenklage plädiert.

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Mit Eisenstangen bewaffnet sollen die Männer im November 2023 auf zwei Brüder eingeprügelt haben. Das Regensburger Landgericht ist seit gut 40 Wochen damit beschäftigt, die als Mordversuch angeklagte Bluttat an einer Hemauer Tankstelle aufzuarbeiten. Im Mammut-Prozess hat jetzt eines der Opfer das Wort ergriffen – und einem in selber Sache bereits verurteilen Mann sogar besonders gedankt. Auch die Nebenklage fand deutliche Worte in ihren Plädoyers.

Rechtsanwältin Christina Dinesen betonte, dass die Brüder zufällig ins Visier der Angeklagten geraten seien, aber bis heute mit den Folgen der Attacke leben müssten. Sie hätten das Grauen und auch die Angst jener Nacht vor Gericht erneut Revue passieren lassen und dabei miterleben müssen, wie die Verteidigung versucht habe, „meinen Mandanten als den Aggressor hinzustellen“ und in ein schlechtes Licht zu rücken. Für sie sei bewiesen, dass die Angeklagten an jenem Abend „kamen, um den größtmöglichen Schaden anzurichten“.

Bluttat von Hemau hat bleibende Folgen

Es sei mit „äußerster Brutalität“ auf die Opfer eingeprügelt worden, auch, als sie längst zu Boden gegangen waren. Und: Keiner der Angeklagten habe sich entschuldigt oder gar Verantwortung übernommen. Das wiege schwer, so Dinesen. Zumal die Tat und ihre bleibenden Folgen bei den zwei Brüdern nach einem Urteil fortwirke. Sie schloss sich den Anträgen der Staatsanwaltschaft an, die fast 55 Jahre Haft für acht der zehn verbliebenen Angeklagten beantragt hatte.

Dagmar Ciccotti, die den Jüngeren der beiden Brüder in der Nebenklage vertritt, betonte, dass dieser keine Rache oder Vergeltung erwarte. Er wolle, dass das Gericht eine klare Antwort gebe. Wer auf regungslos am Boden liegende Opfer weiter einschlage, dürfe „selbstverständlich auf ein faires Verfahren, aber nicht auf Nachsicht hoffen“, betonte sie. Im Prozess seien trotz Gutachten und Zeugenaussagen sowohl die Schwere der Verletzungen als auch die Folgen angezweifelt worden: Das habe ihren Mandanten „tief getroffen“. Der Gerichtssaal sei für ihn „ein Ort der Zumutung“ gewesen.

Ciccottis Mandant hatte den Prozess intensiv verfolgt, um Antworten zu finden, warum es zu dieser sinnlosen Gewalt kam und sein Leben „durch einen einzigen Abend so grundlegend zerstört“ wurde. Bekommen habe er diese nicht. Die Gleichgültigkeit der Angeklagten „gegenüber dem Leben und körperlicher Integrität anderer Menschen“ habe dessen Leben letztlich „in ein davor und ein danach“ geteilt.

Opfer bitte um „eine gerechte Entscheidung“

Der 39-Jährige wandte sich im Anschluss an das Plädoyer seiner Anwältin ans Gericht. Er dankte den Ersthelfern und Ärzten sowie der Polizei für Mut und Menschlichkeit sowie Sorgfalt und Ausdauer, die sie bei den Ermittlungen bewiesen hätten. Er bat die Jugendkammer außerdem um „eine gerechte Entscheidung“. Schande gebühre den Angreifern und all jenen, „die sie unterstützt und ihre Gewalt und Grausamkeit gerechtfertigt“ hätten.

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Einzig dem 32-Jährigen, der im Parallel-Verfahren zu dem Fall reinen Tisch gemacht hatte, gelte Respekt und besonderer Dank. Er sei der einzige der Angeklagten, „der Aufrichtigkeit und Mut gezeigt“ und damit „der Wahrheit gedient“ habe. Den zehn anderen möge, sagte der Geschädigte am Ende, „Gott ihre Taten vergeben“.

Der Mammut-Prozess wird mit den ersten Plädoyers der Verteidigung am 2. Dezember fortgesetzt. Die Jugendkammer hat derzeit bis 30. Januar weitere Sitzungstermine angesetzt. Ein Urteil würde demnach knapp ein Jahr nach dem Start des Verfahrens fallen.