Mordversuch an Tankstelle in Hemau: Droht doch allen Angeklagten eine Haftstrafe?

Im Parallel-Prozess zu der als versuchter Mord angeklagten Bluttat sind die ersten Plädoyers gehalten. Die Staatsanwaltschaft legte dabei ihre Argumente zum Fall Hemau (Landkreis Regensburg) auf den Tisch. Das lässt erstmals Rückschlusse auf das Hauptverfahren zu und warum die Anklage für alle eine Verurteilung fordert.
Die blutige Attacke mit Eisenstangen an einer Hemauer Tankstelle ist als versuchter Mord angeklagt. Elf Männer im Alter von heute 20 bis 39 Jahren müssen sich dafür vor der Jugendkammer des Landgerichts Regensburg verantworten. Wie die Staatsanwaltschaft den Fall Hemau heute bewertet, ist im abgetrennten Parallelprozess gegen einen 32-Jährigen Thema gewesen – das lässt erstmals Rückschlüsse zu, was den übrigen Angeklagten drohen könnte. Von Mordversuch war im Plädoyer keine Rede mehr.
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In den über sieben Monaten seit Start hat der Mammut-Prozess mehr als einmal für Wirbel gesorgt. In dem Verfahren geht es um eine Bluttat, die am 6. November die ganze Region erschütterte: Mit Eisenstangen und Baseballschlägern bewaffnet soll eine Horde Männer zwei Brüder brutalst nieder geprügelt haben. Zum Treffen an der Tankstelle hatten sie sich verabredet – wie Geschädigte und Umfeldzeugen betonten, aber nur, um zu reden.
Attacke mit Eisenstangen sorgte für bleibende Schäden
Fakt ist: Am Ende des nur wenige Minuten währenden Aufeinandertreffens, das auf Augenzeugen wie „ein geplanter Überfall“ wirkte, lagen die zwei Brüder teils lebensgefährlich verletzt am Boden. Auf sie soll auch da noch mit Eisenstangen eingeprügelt worden sein. Ein der Geschädigten kämpft bis heute mit Spätfolgen der Tat. Aufnahmen der Überwachungskameras und die Angaben eines damals 18-Jährigen bei den Mordermittlern brachten diesen selbst und zehn weitere Angeklagte vor Gericht.
Nach drei psychisch bedingten Ausrastern eines 32-Jährigen, einmal mit wüsten Todesdrohungen gegen den leitenden Ermittler in dem Fall, hatte die Jugendkammer das Verfahren gegen den Mann aus Solingen abgetrennt. Nachdem sich dessen Zustand wieder stabilisiert hatte, wurde gegen ihn parallel weiter verhandelt und am Freitag bereits plädiert. Was der Vertreter der Anklage dabei beantragte, ließe sich auch auf einige der Männer im Hauptprozess übertragen – das dürfte der Grund sein, warum mehrere Verteidiger das Plädoyer im Zuhörerraum mitverfolgten.
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Der Staatsanwalt beantragte zwei Jahre und neun Monate Haft für den 32-Jährigen für die Nichtanzeige geplanter Straftaten. Weder versuchter Mord noch eine Beihilfe dazu seien nach Überzeugung der Anklage gegeben. Eine aktive Beteiligung an der Bluttat sei nicht nachweisbar. Doch der Angeklagte „erfuhr im Vorfeld vom Mordplan“, weil das in einem Telefonat im Auto so gefallen sei. „Auf Deutsch wohlgemerkt, also verständlich für den Angeklagten.“ Die hochaggressive Stimmung und mitgeführte Tatwaffen ließen keinen anderen Schluss zu, als dass die Brüder getötet werden sollten. „Er hätte die Polizei anrufen müssen, er hat es aber nicht getan.“
Staatsanwalt nennt drei Namen aus dem Mammut-Prozess
Der Argumentation folgend dürfte wohl auch im Hauptprozess für fünf der zehn weiteren Angeklagten der Mordversuch vom Tisch sein. Darauf deutete bereits vor der Sommerpause ein rechtlicher Hinweis des Gerichts hin. Anders für mindestens drei 20, 32 und 20 Jahre alte mutmaßliche Täter. Sie, so der Staatsanwalt, seien mit Eisenstangen auf den Videos zu sehen gewesen.Wie es im Parallelverfahren weitergeht, sollte sich eigentlich heute (Montag) zeigen. Der Sitzungstermin wurde allerdings kurzfristig abgesetzt. Am Dienstagnachmittag soll es nun weitergehen. Zuletzt war die Vorsitzende Richterin erneut wegen Befangenheit abgelehnt worden. Das Gericht plant allerdings mit neuen Terminen bis in den Januar.