Dealer aus Regensburg macht Gewinne zu Gold – warum er nun auf ein mildes Urteil hofft

Rauschgift auch an Minderjährige verkauft: Ein 31-Jähriger steht wegen bewaffneten Drogenhandels vor dem Landgericht in Regensburg. Nach dem Geständnis voller Reue überrascht der Angeklagte mit einem ungewöhnlichen Versprechen – um so seine zweite Chance zu bekommen.
Seit April 2024 ist Cannabis-Besitz in bestimmten Mengen nicht mehr illegal. Wer aber weiter verkauft, landet trotzdem noch vor Gericht. Insbesondere, wenn die Käufer Jugendliche sind, wie im Fall eines 31-Jährigen, der seit Freitag vor dem Landgericht steht. 18 Fälle werden dem Regensburger zur Last gelegt. Interessant ist der Prozess aber wegen eines anderen Details: Der Angeklagte investierte den Drogen-Gewinn in Edelmetall, wie die Handyauswertung ergab. Nun gab er sich kleinlaut und bat die Richter um eine zweite Chance.
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Vor gut elf Monaten rückt die Polizei bei dem Dealer an. Bei dem Zugriff in der Innenstadt wird die Wohnung des Mannes gestürmt, weil er nicht öffnet. Im Inneren bewaffnet er sich mit einem langen Küchenmesser, wie er seine Anwältin Narine Schulz einräumen lässt. Als er „Polizei“-Rufe hört, habe er es aber weggelegt. Am Vorwurf des bewaffneten Handeltreibens mit Cannabis wird das am Ende kaum etwas ändern. Die Waffe lag im Zugriffsbereich.
Drogen an mehrere Jugendliche verkauft
Rund 300 Gramm Cannabisgemisch stellen die Ermittler bei ihm sicher. Ein Teil davon soll für den Eigengebrauch bestimmt gewesen sein, lässt er erklären. Sehr genau definiert er später an einem Bild aus der Akte, was für den Verkauf gedacht gewesen sei. Laut Anklage verkaufte er in den zwölf Tage zuvor den Stoff an vier Jugendliche. Auch Kokain-Deals, teils aus 2023, und weitere Verkäufe werden dem 31-Jährigen von der Staatsanwaltschaft zur Last gelegt. Offenbar, um den eigenen Rauschgiftkonsum zu finanzieren, so Schulze.
Die Anwältin hatte unmittelbar nach Anklageverlesung ein Rechtsgespräch angeregt, ehe man sich einlassen wolle. Doch den erhofften Deal mit festem Strafmaß gab es auch nach gut eineinhalb Stunden nicht: Die Vorstellungen lagen zu weit auseinander. Gestanden hat der Regensburger die angeklagten Taten dennoch – „soweit er sich erinnert, aber es wird schon so gewesen sein“, lässt er Anwältin Schulze erklären. Die Haft sei ihm eine Lektion gewesen, zitiert sie aus den persönlichen Notizen des Mannes, nun wolle er aber „ins normale Leben zurückfinden“ und eine Therapie machen.
Im Video mit dicken Geldbündeln gewedelt
Es scheint ihm ernst zu sein: Denn der 31-Jährige ist bereit, eine 8000-Euro-Goldkette herauszugeben, die er mit Drogengeld gekauft hat. Sichergestellt worden war die beim Zugriff nämlich nicht. Auf die Investitionen waren IT-Spezialisten erst bei einer Auswertung seines Handys gestoßen. Denn da wedelt er in einem Video mit dicken Geldbündeln, um die Liquidität zu beweisen. Die Ware einer zweiten Investition, ein Ring für 1600 Euro, sei aber nie geliefert worden. Den Barren Silber, den die Polizei fand, habe er vorm Einstieg ins Drogengeschäft gekauft, lässt er dazu weiterhin erklären.
Wie viel die siebte Strafkammer am Landgericht ihm davon glaubt, wird sich zeigen. Anfang Oktober soll das Urteil fallen. Drei bis dreieinhalb Jahre Haft hatten die Richter dem Mann am Freitag bei einem Geständnis in Aussicht gestellt.