Pfingstmord von Mintraching: Beseitigte der Angeklagte im Sanka Spuren der Tat?

Das Schwurgericht in Regensburg arbeitet den Fall akribisch auf: Das geschah an jenem Abend Ende Mai 2023 am Tatort in Mintraching. Die Retter, die nach dem Notruf in der Hauptstraße rasen, haben im Prozess um den Pfingstmord vor Gericht ausgesagt. Dabei kam erneut ein unbekanntes Detail ans Licht.
Hat der Angeklagte 2023 nach dem sogenannten Pfingstmord in Mintraching Spuren der Tat weggeputzt? Als „hellgräulich“ und „verrußt“ beschrieb ein Sanitäter die Hände des Mannes, der einen 73-Jährigen getötet haben soll. Der Leichnam des Seniors wies nämlich Brandspuren auf. Was am 27. Mai am Tatort in der Hauptstraße geschah, rekonstruierte das Regensburger Schwurgericht am Montag mit Zeugen, die einst als Erste vor Ort gewesen sind.
Der 51-Jährige auf der Anklagebank soll seinen Onkel heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen ermordet haben. So sieht es die Staatsanwaltschaft. Der Neffe will das Opfer an jenem Samstagabend selbst gefunden haben, nachdem er das Haus am Mittag verlassen hatte. So soll er es mehreren Zeugen gesagt haben. Erst gegen 22 Uhr will der Angeklagte zurückgekommen sein und den Notruf gewählt haben. Davon, dass er den 73-Jährigen noch reanimierte, wie er Angehörigen erzählte, war dagegen keine Rede in der Nacht. Es ist nicht das erste Detail, das im Prozess bekannt wurde.
Dass die Verletzungen „nicht mit dem Leben vereinbar waren“, wie es der Notarzt formulierte, sei auf den ersten Blick zu sehen gewesen. Wohl selbst für Laien. Der Angeklagte hingegen ist medizinisch versiert. Retter, die nach dem Notruf zu dem Haus in Mintraching eilten, berichteten von einer großen Blutlache, massiven Wunden am Kopf sowie schweren Brandwunden an den „angekokelten“ Beinen. Deshalb habe man einen möglichen Stromunfall vermutet, aber keinerlei Indizien dazu gefunden. Der Tote lag im Hausflur.
Suche nach Desinfektionstüchern lief noch in der Nacht an
Im Sanka benutzte Desinfektionstücher, mit denen sich der 51-Jährige seine Hände reinigte, fanden sich im Müll einer Klinik wieder. Die Polizei hatte sie noch am frühen Morgen des Pfingstsonntags sichergestellt. Welche Spuren daran gefunden wurden und ob sie den Angeklagten belasten, blieb im Prozess aber offen. Mehr Klarheit dürfte die für heute geplante Aussage eines Beamten bringen, der den Neffen des Opfers noch in jener Nacht vernahm.
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Wie viel von dem Alibi, das nach MZ-Recherchen in einigen Teilen widerlegt worden sein soll, allen weiteren Ermittlungen der Kripo standgehalten hat, dürfte spätestens mit Vernehmung der drei Hauptermittler in dem Fall klarwerden. Für sie sind jeweils halbe Sitzungstage vorgesehen. Los geht es für sie nach jüngsten Planungen nächste Woche. Das sagte Vorsitzender Richter Polnik. Abgehörte Telefonate, Luftaufnahmen einer Drohne, Auswertungen von Mobilfunkmasten und Ermittlungen am Arbeitsplatz sollen über eine Vielzahl verschiedener Kripobeamter erörtert werden.
Gericht und Verteidigung haben zusätzliche Zeugen im Augen
Ab Ende November erhalten Gutachter das Wort. Vieles davon dürfte aber schon durch die Kripo zum Thema werden, weil es „weiterführend war“, so Polnik. Final scheint das Programm für den Mordprozess allerdings noch nicht zu sein. Sowohl die Verteidiger Johannes Büttner und Philip Roth als auch das Schwurgericht haben Zeugen, die noch zusätzlich angehört werden sollen.
