Attacke mit Eisenstangen: Verstörender Mitschnitt der Bluttat von Hemau vor Gericht abgespielt

Von André Baumgarten · 16. Mai 2025 um 15:00

Eine verstörende Aufnahme wird Thema im Mammut-Prozess in Regensburg: Dank einer App gibt es eine Tonaufzeichnung der brutalen Attacke auf zwei Brüder vom November 2023 in Hemau (Landkreis Regensburg). Sie dokumentiert sekundengenau, was gesagt wurde.

Aufnahmen der Tankstellen-Überwachung zeigen rennende Menschen, teils mit Stangen bewaffnet. Zu sehen ist das, wofür sich elf Angeklagte wegen versuchten Mordes verantworten müssen aber nicht – die Tat spielt im von den Kameras nicht erfassten Bereich auf der Straße. Doch es gibt eine Tonaufzeichnung, die jede Sekunde mitschnitt. Diese verstörende Aufnahme machte an Tag 18 im Prozess um die Bluttat von Hemau alle Anwesenden im Landgericht in Regensburg zu Ohrenzeugen des Geschehens.

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Die rund 30 Sekunden, die für die zwei Geschädigten am 6. November 2023 beinahe über Leben oder Tod entschieden, beginnen mit einem metallischen Klirren und viel Geschrei. Es fallen laute Schimpfworte, lang gesprochen wie ein Kampfruf. Zahllose dumpfe Schlaggeräusche sind zu erkennen, dazwischen hört man Schmerzenschreie, ehe es nach einigen bulgarischen Wortfetzen erstmal ganz still ist. Man kann ein Stöhnen vernehmen, dann wieder lange Schmerzensschreie. „Bitte Krankenwagen rufen, bitte“, fleht die Stimme, als offenbar ein Ersthelfer am Tatort auftaucht.

App zeichnet Telefonat während der Tat auf

Die Tonaufnahme stammt vom Handy eines der Geschädigten. Er hatte offenbar eine App auf seinem Smartphone installiert, die automatisch alle Anrufe in voller Länge mitschnitt. Auch jenes Telefonat mit seinem Bruder, der damals auf einem nahen Parkplatz mit zwei weiteren Männern wartete. Nur der Bruder eilte dem Angegriffenen letztlich zu Hilfe, wurde dabei aber selbst teils lebensgefährlich verletzt. Die beiden anderen liefen davon, darunter der Bekannte, dem die Abreibung wohl eigentlich hatte gelten sollen.

An diesen Mann gerichtet, der nach einem Streit auf der Arbeit ins Visier seiner Kollegen geraten sein soll, enthielt die vielfach abgespielte Datei ebenfalls eine klare Botschaft: Laut schrie einer der Geschädigten dessen Vornamen und belegte ihn mit einer Drohung, die an dieser Stelle nicht zitiert sein muss. Dass sich dieser zudem strikt weigert, als Zeuge im Prozess auszusagen, dürfte die Meinung seiner wohl wegen ihm verletzten Kumpel nicht verbessern. Er ist mittlerweile in die USA verschwunden und soll dort Asyl beantragt haben.

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„Es waren Eisenstöcke und Schlagstöcke“, erklärt einer der Geschädigten in der Aufnahme dann ebenfalls. Direkt zuvor war der zunächst bewusstlose Bruder wohl wieder zu sich gekommen. „Wieso seid ihr nicht gekommen?“, fragt er dann, ehe erneut Beleidigungen gegen den Mann fallen, der ihnen das womöglich alles eingebrockt hatte. Doch auch der andere Begleiter floh, statt zu helfen. Gemeinsam seien sie mit dem Auto zunächst zur Tankstelle gefahren und – weil die Brüder schon versorgt wurden – dann aber heim. Das erklärte der 43-Jährige bei seiner Aussage vor der Jugendkammer, zu der er in einer Art Bärenkostüm erschienen war.

Das Verfahren gegen die elf Angeklagten läuft unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen. - Foto: Baumgarten

Auf Wunsch der Verteidigung sollen der Mitschnitt der Bluttat und ein Telefonat kurz zuvor nochmal übersetzt werden, um alles wortgenau dokumentiert zu haben. Das Landeskriminalamt in München hatte die Aufnahmen für den Mammut-Prozess in Regensburg aufbereitet und tags zuvor per Bote geliefert: Es gelang Spezialisten, Musik und weitere Nebengeräusche zu dämpfen. So waren auch die 20 Sekunden, in denen bulgarische Worte aufgezeichnet wurden, besser zu verstehen. Offenbar mahnte jemand mehrfach: „Los, kommt, es reicht“.

Landgericht plant wohl mit weiteren Terminen

Dass der Fall Hemau in den ursprünglich 34 angesetzten Verhandlungstagen aufgearbeitet ist, scheint immer weniger wahrscheinlich. Vorsitzende Richterin Knott erklärte am Rande des 18. Prozesstages, dass sie schon Termine „für die Folgemonate angefordert“ habe. Eigentlich hätte das Urteil spätestens am 30. Juni fallen sollen. Danach sieht es nun aber offenbar nicht aus.